The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt
© Paramount Pictures

The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt

„The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt“ // Deutschland-Start: 21. April 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Mit ihren schwülstigen Romanen rund um das Liebespaar Angela und Dash, welches zusammen an den exotischsten Plätzen große Abenteuer erlebt, ist die Autorin Loretta Sage (Sandra Bullock) zum Star geworden. Dabei hatte sie eigentlich selbst einst Abenteuer erleben und als Archäologin um die Welt reisen wollen. Aber es kam anders, zur Freude ihres riesigen Publikums. Ein letztes Mal will die inzwischen völlig ausgebrannte Schriftstellerin dieses noch einmal mit einem Buch beglücken, bevor sie sich dann endgültig zurückzieht. Doch während ihrer Promotour wird sie von dem exzentrischen Milliardär Abigail Fairfax (Daniel Radcliffe) entführt, der ihr Wissen nutzen will, um einen verborgenen Schatz zu bergen. Lorettas einzige Hoffnung ruht nun auf Alan Caprison (Channing Tatum), der auf den Covern ihrer Bücher immer als Model für Dash posierte und insgeheim Gefühle für die Autorin pflegte …

Das klassische Abenteuer ist zurück

Eigentlich hatte man das Genre des klassischen Abenteuerfilms schon mehr oder weniger begraben, in der Welt von heute schienen diese keinen Platz mehr zu haben. Doch in der letzten Zeit hat es eine Reihe von Beispielen gegeben, dass diese bereits totgesagten Geschichten sehr lebendig sind – und erfolgreich noch dazu. Jungle Cruise und Uncharted liefen, zumindest gemessen an den eher weniger günstigen äußeren Umständen, beide ziemlich gut in den Kinos. Mit The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt steht nun bereits der dritte Hollywood-Streifen an, der mit bekannten Namen an frühere Zeiten anknüpfen möchte. Und zumindest in den USA ging dieser Plan durchaus auf.

Die Rückbesinnung auf frühere Zeiten ist hier noch ein bisschen stärker als bei den oben genannten Kollegen. Während diese auf aktuellen Franchises basieren und damit das Publikum anlockten – zusätzlich zu den jeweiligen Stars –, da fehlt bei The Lost City eine direkte Vorlage. Gleichzeitig ist es nahezu unmöglich, bei dem Film nicht an Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten zu denken. Bei beiden Geschichten verschlägt es eine erfolgreiche Romanautorin in den Dschungel, wo sie nicht nur einen alten legendären Schatz findet, sondern auch die Liebe. Beides erfordert jedoch erst einiges an Arbeit. Bei Ersterem gibt es eine Reihe von Gefahren überwunden werden müssen, wenn es mitten durch die Wildnis geht. Bei Zweiterem ist das Problem, dass die Heldin überhaupt kein Interesse daran hat, mit ihrem Co-Helden etwas anzufangen. Eigentlich möchte sie diesen überhaupt nicht sehen. Aber wie das so ist, wenn man gemeinsam die Hölle übersteht: Das schweißt zusammen.

Ein bestens aufgelegtes Ensemble

Der Part um die sich anbahnende Liebe ist dabei für die Brüder Adam und Aaron Nee, die gemeinsam Regie führten und auch an dem Drehbuch beteiligt waren, eindeutig der wichtigere. Tatsächlich fällt der eigentliche Abenteuerteil sogar etwas enttäuschend kurz aus. Das ist ein bisschen überraschend, stellt dies doch für Loretta die Möglichkeit dar, ihre alten Träume wahr zu machen. Warum sie dem nicht sofort nachgeht, ist nicht ganz nachvollziehbar. Dass sie mit Dash nicht kann, ist hingegen schon glaubwürdiger: The Lost City porträtiert ihn als geistig eher schwach ausgeprägten Möchtegernmacho, der sein einziges Wissen über Abenteuer aus dritter Hand bezieht. Genauer ist er ein eher dämlicher Schönling, der von nichts eine Ahnung hat, aber sich danach sehnt, sich gegenüber Loretta zu beweisen.

Channing Tatum zeigt an dieser Stelle sehr viel Sinn für Selbstironie, wenn er sich gleichzeitig von seiner schönsten und hässlichsten Seite zeigt. Überhaupt ist das Ensemble von The Lost City bestens aufgelegt und holt jede Menge aus den eher dünn angelegten Figuren heraus. Ob nun Daniel Radcliffe wie in Die Unfassbaren 2 einen ebenso reichen wie skrupellosen Schurken spielt oder Da’Vine Joy Randolph als Lorettas resolute Verlegerin um ihre Einnahmen und ihr bestes Pferd kämpft, das macht schon richtig viel Spaß. Und dann ist da ja noch Brad Pitt, der zwar einen traditionelleren Helden spielt, dies aber mit viel Gespür für die nötige Übertreibung verbindet. Seine Figur ist eine Karikatur, wie die meisten hier, was er aber unbedingt auszukosten gedenkt. An vielen Stellen ist das hier mehr Parodie als eigentliches Abenteuer.

Lasst uns Träume jagen!

Das wird ein Publikum enttäuschen, das sich hier in erster Linie die Jagd auf den Schatz erhofft. Denn da passiert nicht so wahnsinnig viel. Hinzu kommt, dass der Humor nicht unbedingt immer der originellste ist. Bei dem Versuch, jede Minute mindestens fünf Lacher unterzubringen, wird es zwangsläufig manchmal bemüht. Insgesamt überwiegt aber das Positive. The Lost City ist ein kurzweiliges Abenteuer, das zwar auf frühere Zeiten verweist, sich dabei aber nicht der Nostalgie ergibt, wie es in den letzten Jahren so viele Filme getan haben. Auch wenn der Film, der auf dem South by Southwest Festival 2022 Premiere feierte, noch ein bisschen mehr Biss hätte haben dürfen, als es sich derart auf harmloser Bespaßung bequem zu machen: Die gute Chemie des Duos und die tollen Schauplätze laden dazu ein, hier für eine Weile alles zu vergessen und selbst den Träumen nachzujagen, die Loretta in ihren Büchern beschreibt.

Credits

OT: „The Lost City“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Adam Nee, Aaron Nee
Drehbuch: Adam Nee, Aaron Nee, Oren Uziel, Dana Fox
Musik: Pinar Toprak
Kamera: Jonathan Sela
Besetzung: Sandra Bullock, Channing Tatum, Daniel Radcliffe, Da’Vine Joy Randolph, Brad Pitt

Bilder

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The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt
Fazit
„The Lost City“ knüpft an die Abenteuer vergangener Zeiten an, konzentriert sich dabei jedoch stärker auf den Humor und die Figuren als das eigentliche Abenteuer. Ein bisschen schade ist das schon. Spaß macht es aber, zusammen mit einer desillusionierten Schundautorin und einem nichtsnutzigen Möchtegernhelden durch den Dschungel zu schlagen – auch wegen des bestens aufgelegten Ensembles.
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