Inhalt / Kritik

Nur 48 Stunden

„Und wieder 48 Stunden“ // Deutschland-Start: 18. Oktober 1990 (Kino) // 26. August 2021 (DVD/Blu-ray)

Viele Jahre sind ins Land gezogen, seitdem der Ermittler Jack Cates (Nick Nolte) die Mörder seiner Kollegen am San Francisco Polizeiderzernat überführen konnte, doch von dem Ruhm von damals ist wenig übrig. Seit längerer Zeit ist er auf der Spur eines Drogendealers, der nur unter dem Namen „The Iceman“ bekannt ist, und an dessen Existenz außer Cates keiner seiner Kollegen so richtig glaubt. Vielmehr denken diese, Jack habe sich in einer Sache verrannt, besonders als er nach einer Schießerei an einer Tankstelle ins Fadenkreuz der Internen Ermittlung kommt, die ihn verdächtigen, ohne Begründung seine Waffe gezogen zu haben. Da Jack nun noch weniger Zeit bleibt, seine Theorie zu beweisen sowie seine Unschuld, geht er der einzigen Spur nach, die er hat, nämlich ein Foto des Sträflings Reggie Hammond (Eddie Murphy), das er am Tatort der Schießerei fand.

Als er Hammond im Gefängnis besucht, wo dieser nur noch wenige Tage bis zu seiner Freilassung abwartet, ist dieser alles andere als kooperativ, denn in seinen Augen ist Cates der Ursprung all seiner Probleme und hat zudem das Geld unterschlagen, auf welches er gezählt hatte. Auch die Warnung Cates, Reggie könnte aus der Liste eines Mörders stehen, beeindruckt Hammond keineswegs und es kommt zu einer Schlägerei zwischen den beiden Männern, die nur von den Gefängniswärtern gestoppt werden kann. Allerdings stellt sich Cates Warnung als berechtigt heraus, denn bereits kurz nachdem Hammond den Bus, der ihn zurück nach San Francisco bringen soll und in die Freiheit, bestiegen hat, kommt es zu einem Anschlag auf sein Leben. Auch Jack wird Opfer eines Attentats, dem er nur knapp entkommen kann. Da nun ihr beider Leben auf dem Spiel steht und die Täter nichts unversucht lassen, um ihr Ziel dennoch zu erreichen, müssen sich Cates und Hammond abermals zusammenraufen, wenn sie überleben wollen.

Typisches Fortsetzungskino

Eigentlich wollte Regisseur Walter Hill keine Fortsetzung zu seinem Erfolgsfilm Nur 48 Stunden drehen, wurde aber letztlich vor allem von Darsteller Eddie Murphy, der sich nach Beverly Hills Cop und Der Prinz aus Zamunda auf dem Höhepunkt seiner Karriere befand, davon überzeugt, doch die Regie bei Und wieder 48 Stunden zu übernehmen. Da sich jedoch die Formel des Buddy-Action-Films mittlerweile nicht nur bewährt hatte, sondern auch immer berechenbarer geworden war, wurde sich zumindest in der finalen Version des Filmes von vielen der komödiantischen Elemente verabschiedet, wie Darsteller Brion James, der im Film die Rolle von Cates’ Kollegen spielt, berichtet. Egal, auf welcher Grundlage diese Entscheidung beruht oder ob diese Schnitte von Hill selbst vorgenommen wurde, feststeht in jedem Fall, dass Und wieder 48 Stunden nur bedingt an den Charme seines Vorgängers herankommt.

Wenn man beide Filme direkt gegenüberstellt, wird man als Zuschauer einige Ungereimtheiten feststellen, vor allem was Aspekte wie Atmosphäre, Darsteller und die Actionelemente an sich angeht. Auch wenn, wie viele Kritiker seiner Zeit anmerkten, das Grundprinzip ähnlich dem des Vorgängerfilms ist, erscheint Und wieder 48 Stunden im Vergleich wesentlich härter und brutaler zu sein, was ein gängiger Trend bei vielen solcher Sequels war. Hatte in Nur 48 Stunden die Chemie der beiden Darsteller über einige Längen und das Fehlen eines wirklich bedrohlichen Bösewichts in der Handlung hinweggetäuscht, kann das Drehen an der Gewaltschraube und der insgesamt sehr viel düstere Ton dies nur bedingt tun, und führt teils zu seltsamen oder tonal auffälligen Missstimmungen, wenn nach einer Schießerei oder einer besonders brutalen Szene eine etwas unpassend wirkende komische Szene folgt. Fairerweise sollte man jedoch sagen, dass einige dieser Actionszene durchaus gut gemacht und inszeniert sind, wie beispielsweise die Schießerei im Kino und die daran anknüpfende Verfolgung.

Der Charme der Buddy Action

Auch wenn die Handlung um sie herum ihnen keine Gefallen tut, stimmt die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern nach wie vor. Die zusätzlichen Animositäten, welche das Drehbuch zwischen den beiden etabliert, sind nachvollziehbar, wenn es darum geht, einen Keil zwischen Cates und Hammond zu treiben, was aber bisweilen übers Ziel hinausschießt. Während Nick Nolte seine Rolle als mürrischer, jähzorniger Cop aus dem ersten Teil einfach nochmal spielt, legt Murphy seine Rolle wesentlich ernster aus, vor allem, da er nun in Freiheit sich in einem noch viel größeren Gefängnis befindet, in dem keiner mehr, außer der verhasste Cates, etwas mit ihm zu tun haben will. In einigen Szenen können die beiden an die unterhaltsamen Dialoge aus dem ersten Teil jedoch anknüpfen, beispielsweise, wenn es um das Pech geht, welches Reggie scheinbar nach seiner Entlassung auf Schritt und Trott folgt. Leider bleibt so etwas eine Ausnahme und kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Handlung noch mehr Längen als der Vorgängerfilm auszuweisen hat, was gerade deswegen ironisch ist, weil er wenige Minuten kürzer ist als Nur 48 Stunden.

Credits

OT: „Another 48 Hrs.“
Land: USA
Jahr: 1990
Regie: Walter Hill
Drehbuch: John Fasano, Jeb Stuart, Larry Gross
Musik: James Horner
Kamera: Matthew F. Leonetti
Besetzung: Eddie Murphy, Nick Nolte, Brion James, Kevin Tighe, Ed O’Ross, David Anthony Marshall, Bernie Casey

Trailer

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Und wieder 48 Stunden
„Und wieder 48 Stunden“ ist eine durchschnittliche Fortsetzung zu „Nur 48 Stunden“, in welcher mehr Wert auf Brutalität und Action gelegt wird. Während einige Szenen noch ganz unterhaltsam sind und die beiden Hauptdarsteller sporadisch an den Charme des Vorgängers anknüpfen können, wirkt Walter Hills Film dennoch langatmig und (leider) zu routiniert.
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