Sommer Rebellen
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Sommer-Rebellen

Inhalt / Kritik

„Sommer-Rebellen“ // Deutschland-Start: 12. August 2021 (Kino)

Seit dem Tod seines Vaters ist der elfjährige Jonas (Elias Vyskocil) nicht mehr glücklich zu Hause, vor allem die endlosen Streitigkeiten mit seiner Mutter (Kaya Marie Möller) sorgen für Ärger. Aber da gibt es ja noch Opa Bernard (Pavel Novy), der ihm mal versprochen hatte, mit ihm Boot zu fahren. Jonas kann es daher kaum erwarten, im Sommer endlich zu ihm zu fahren. Als es mal wieder daheim Knatsch gibt, beschließt er, nicht länger warten zu wollen und fährt auf eigene Faust zu ihm – ohne seiner Mutter etwas davon zu sagen. Endlich dort angekommen, muss er jedoch feststellen, dass irgendwie mit seinem Großvater nicht so viel anzufangen ist. Aber da ist ja auch noch die Nachbarstochter Alex (Liana Pavlikova), die für jeden noch so verrückten Plan zu haben ist …

Der ewige Streit der Generationen

Es gehört ein wenig zum Aufwachsen mit dazu, dass man sich mit den Eltern zofft. Je älter man wird, umso komplizierter wird das Leben, die Suche nach einem Sinn, nach sich selbst und einem Platz in dieser Welt beginnt. Und das geht dann doch oft auch mit einer Abgrenzung von Mama und Papa einher, mit Streitigkeiten, die sich an den kleinsten Belanglosigkeiten entzünden können. Wenn bei Sommer-Rebellen zu Beginn mehrfach die Fetzen fliegen, dann hat das auch weniger mit konkreten Sachthemen zu tun. Da geht es mehr um Selbstbehauptung, um das Durchsetzen des eigenen Willens um jeden Preis. Wenn der Opa eine Bootsfahrt versprochen hat, dann muss er das auch machen, alles andere ist Nebensache – aus Sicht von Jonas zumindest.

Da er auch später nicht sonderlich durch Kompromissbereitschaft auffällt, kann das mit der Zeit schon ein wenig anstrengend werden. Wenn es darum geht, eine Figur mit Vorbildfunktion für den eigenen Nachwuchs zu finden, da ist dieser Junge nicht unbedingt die beste Wahl. Es ist nicht einmal so, dass Jonas mit seinen Plänen so wahnsinnig erfolgreich wäre. Seine Idee, mit einer behaupteten Betonallergie des Bruders einen Urlaub beim Opa klarzumachen, ist so offensichtlich bescheuert, dass keiner der Erwachsenen darauf reinfällt. Und wenn er später eifrig Pläne mit Alex schmiedet, geht das oft schief. Sommer-Rebellen ist keiner dieser Familienfilme, bei denen Kinder es den Erwachsenen mal so richtig zeigen und damit die junge Zielgruppe erfreuen.

Charmante Entdeckungsreise

Gleichzeitig hat es schon einen gewissen Charme, wie in Sommer-Rebellen Kinder auch einfach Kinder sein dürfen. Sie stehen zwar im Mittelpunkt von kleineren Abenteuern, sind deswegen aber nicht automatisch Held*innen. Sie können anderen das Leben schwermachen und gleichzeitig doch für andere aktiv werden. So versucht Jonas, seinen träge gewordenen Opa nicht nur zum Bootfahren zu überreden, sondern ganz allgemein wieder etwas Schwung in dessen Leben zu bringen. Dass Verkupplungsversuche grundsätzlich übergriffig sind, kommt ihm nicht in den Sinn. Schließlich will er damit ja etwas Gutes. Und das gilt auch für ein paar andere Ideen, die er spontan so in den Raum wirft.

Das Erzähltempo ist trotz dieser gelegentlichen Turbulenzen recht gering. Eigentlich passiert in Sommer-Rebellen so gut wie nichts. Das muss natürlich nicht verkehrt sein. Der südkoreanische Kollege Short Vacation machte dieses Jahr vor, wie spannend es sein kann, wenn Kinder die Welt da draußen erkunden, obwohl unterwegs keine nennenswerten Ereignisse stattfinden. Die zurückhaltende Erzählweise fing sehr schön die spezielle Atmosphäre eines Kindersommers ein, bei dem alles irgendwie größer wirkt. Im Vergleich ist die deutsch-slowakische Coproduktion hier weniger fesselnd, selbst wenn es mehr Themen gibt. Zwischenzeitlich macht sich sogar Langeweile breit.

Zurück ins Leben

Die größte Emotionalität entwickelt Sommer-Rebellen natürlich, wenn es um das Thema des bei einem Bootsunglück verstorbenen Vater geht, welches bei allen Spuren hinterlassen hat. Darüber gesprochen wird zwar kaum, weil jeder auf seine Weise verdrängt. Wenn Opa Bernard sich vor der Bootsfahrt mit dem Enkel drückt, dann um die schmerzliche Erinnerung an den Verlust zu vermeiden. Eine tränenreiche Aussprache, wie man sich in einem solchen Film erwarten könnte, bleibt dabei aus. Regisseurin und Co-Autorin Martina Saková mag es auch in der Hinsicht etwas zurückhaltender. Dafür ist ihr Film, verdeutlicht an dem Großvater, eine Aufmunterung, wieder rauszugehen, aktiv zu werden und sich nicht vor der Welt zu verstecken. Und das ist dann doch wieder irgendwie sympathisch.

Credits

OT: „Summer Rebels“
Land: Deutschland, Slowakei
Jahr: 2019
Regie: Martina Saková
Drehbuch: Martina Saková, Sülke Schulz
Musik: Dota Kehr, Studio Bonaparte, Paul Eisenach, Das Paradies, Billy Barman, Para
Kamera: Jieun Yi
Besetzung: Eliáš Vyskočil, Pavel Nový, Liana Pavlíková, Kaya Marie Möller

Bilder

Trailer

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In „Sommer-Rebellen“ büxt ein Junge aus, um den Sommer bei seinem Großvater zu verbringen. Das Ergebnis ist ein Familienfilm, der sich ein wenig als Abenteuer verkauft, auch wenn eigentlich nicht sehr viel geschieht. Das ist teilweise charmant und sympathisch, teilweise aber auch etwas langweilig.
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