Inhalt / Kritik

Los Reyes – Königliche Streuner

„Los Reyes – Königliche Streuner“ // Deutschland-Start: 8. Juli 2021 (Kino)

In der Literatur, der Kunst wie auch im Film ist die Sicht des Außenseiters eine immer wieder gern genommene Basis, um eine Geschichte zu erzählen. Die Randbezirke und die Figuren, die sie behausen, geben meist eine bessere und klarere Sicht auf gesellschaftliche, politische wie auch ökonomische Umstände, deren ganzes Ausmaß dem Betrachter vielleicht verschlossen bleibt. Während die Darstellung von Herrschern viel vor allem über deren Selbstbild und Art zu regieren verrät, sind die Bilder, welche Bettler oder Kranke zeigen, sehr viel interessanter, denn auch wenn es dem Künstler an Talent mangelt, zeigen sie eine sehr erhellende, vielleicht sogar neue Welt. Dabei müssen es noch nicht einmal Menschen sein, die im Zentrum stehen, wie aktuell Filme wie Elizabeth Los Streuner – Unterwegs mit Hundeaugen oder Space Dogs von Elsa Kremer und Levin Peter zeigen. Die Straßenhunde in beiden Dokumentationen streifen durch die Straßen Moskaus oder Istanbuls, wobei sehr deutlich soziale Strukturen gezeigt werden, aber auch der Alltag derer, die täglich, wie auch die Hunde, um ihr Überleben kämpfen müssen.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgen auch die Filmemacher Bettina Perut und Iván Osnovikoff mit ihrer Dokumentation Los Reyes – Königliche Streuner, auch wenn der fertige Film von der Grundidee eigentlich abweicht. Ursprünglich planten Perut und Osnovikoff eine Dokumentation über die Gemeinschaft der Skater in Los Reyes, einem Skatepark in Santiago de Chile, doch als die Finanzierung nicht zustande kam, machte die Beobachtung zweier Hunde, die mit einem Tennisball im Park spielten den Unterschied. Als die Regisseure sich genauer mit den beiden Streunern Chola und Football befassten, war ihnen schnell klar, dass der Film von ihnen handeln musste. Herausgekommen ist ein beeindruckendes Porträt über gesellschaftliche Außenseiter sowie ein Einblick in den Mikrokosmos des Lebens in und um den Skatepark.

Der Skaterpark als Revier

Während der 78 Minuten begleitet die Kamera mehrere Wochen im Leben der beiden Hunde, die niemals sehr weit voneinander entfernt sind, denn während Chola mit ihrem Tennisball spielt oder berittene Polizisten anbellt, die sich bisweilen in den Park verlaufen, begleitet der zottelige, aber stämmige Rüde Football die Hündin. Auf den Wiesen oder auf dem grauen Betonboden der Skateanlage dösen die beiden Hunde, überwachen scheinbar das Treiben um sie herum, ohne aber wirklich je mit den Skatern oder der Spaziergängern aneinander zu geraten, außer es gesellt sich ein fremder Hund dazu. Perut und Osnovikoff interessieren sich für Abläufe, für Routinen sowie für Abweichungen von diesen, beispielsweise wenn ein Skatewettbewerb im Park stattfindet.

Ähnlich wie die Skater, deren Stimmen wir hören und von denen die Kamera nur Details einfängt, haben auch die beiden Hunde den Park zu ihrem Revier erkoren. Dieses beschützen sie, liefert ihnen Zuflucht, ein Zuhause und einen Rückzugsort, was durch die Geschichten der Jugendlichen, die von ihrem zerrütteten Elternhaus oder ihren Konflikten mit dem Gesetz sprechen. Zwar verlassen sie später den Park, doch als Außenseiter erscheinen sie wie auch die Hunde – ohne dieses Etikett jedoch als Manko zu betrachten, sondern vielmehr als eine Art Auszeichnung oder Schutzschild. Wenn dann die Kamera den Park bei Tag oder Nacht einfängt, mit der Skyline der chilenischen Hauptstadt im Hintergrund, wird klar, dass die Gesichter der Skater zwar wechseln, nicht aber die Geschichten und auch nicht die beiden Hunde, die nach wie vor dort hausen und auf jemanden warten, der ihnen vielleicht einmal einen Leckerbissen zuwirft.

Credits

OT: „Los Reyes“
Land: Chile, Deutschland
Jahr: 2018
Regie: Bettina Perut, Iván Osnovikoff
Musik: Michael Fakesch
Kamera: Pablo Valdés, Adolfo Mesías

Bilder

Trailer

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Los Reyes – Königliche Streuner
„Los Reyes – Königliche Streuner“ ist eine sehr warmherzige Dokumentation über Außenseiter. Durch den Fokus auf die beiden vierbeinigen Protagonisten gelingt Bettina Perut und Iván Osnovikoff ein Einblick über den Alltag am Rande der Gesellschaft und über Zusammenhalt.
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