Inhalt / Kritik

„James Bond 007: Man lebt nur zweimal“ // Deutschland-Start: 14. September 1967 (Kino)

Als eine US-amerikanische Raumkapsel wie vom Erdboden verschwindet, fällt der Verdacht natürlich sofort auf die Sowjetunion. Doch auch der Erzfeind wird zum Opfer feindlicher Übernahmen. Während die Spannungen auf beiden Seiten zunehmen, vermutet die britische Regierung, dass die Antwort in Japan zu finden ist, schließlich soll das Raumfahrzeug dort gelandet sein. Um der Sache nachzugehen, wird der Geheimagent James Bond (Sean Connery), der kurz zuvor seinen Tod vorgetäuscht hat, nach Fernost geschickt. Tatsächlich verhält sich der japanische Großindustrielle Osato (Teru Shimada) sehr verdächtig und treibt hinter der Fassade zwielichtige Geschäfte. Aber auch Ernst Stavro Blofeld (Donald Pleasance), mit dem Bond schon mehrfach das Vergnügen hatte, scheint irgendwie in die Geschichte verwickelt zu sein …

Das (Nicht-)Ende einer Ära

Der König ist tot, lang lebe der König! Das gilt bei James Bond 007: Man lebt nur zweimal gleich doppelt. Nicht nur, dass der fünfte Teil der beliebten Spionagereihe mit dem vermeintlichen Tod des Protagonisten beginnt, bevor er quicklebendig einen bösen Burschen vermöbelt. Eigentlich hätte der Film auch der letzte mit Sean Connery sein sollen, der nach einem mehrjährigen Dauerfeuer keine rechte Lust mehr auf das Franchise hatte. Als jedoch Im Geheimdienst Ihrer Majestät, der darauffolgende erste Film ohne den Schotten, an den Kinokassen enttäuschte, holte man für Diamantenfieber noch einmal das Original zurück. Zu wichtig und ertragreich war die Reihe, Experimente waren da nicht angesagt.

Das galt aber auch schon für Man lebt nur zweimal, das schon sehr nach der bisherigen Formel gestrickt war. Das war auch deshalb enttäuschend, weil das Drehbuch immerhin von Roald Dahl stammte, dem Meister des skurrilen und schwarzen Humors. Da durfte man schon eine ganz eigene Variation der Reihe erwarten. Der mit Ian Fleming befreundete Autor nahm sich dabei auch durchaus die Freiheit, den zugrundeliegenden Roman derart umzuschreiben, bis kaum noch etwas davon wiederzuerkennen war. Er verpasste es jedoch, dem Ganzen auch eine Frischzellenkur zu verpassen. Stattdessen gibt es hier die üblichen Elemente, die man von den Vorgängern kannte: exotische Schauplätze, jede Menge Gadgets, dazu schöne Frauen, die dem Obermacho mit der Lizenz zum Töten ohne jegliche Gegenwehr zu Füßen liegen.

Nicht ganz runde Mischung

Auf der einen Seite ist das natürlich absolut legitim. Es hatte schließlich seine Gründe, warum die Reihe weltweit eine derart große Fanbasis aufbaute. Diese Elemente aber einfach nur abzuarbeiten, ist ein bisschen wenig. Dabei hat James Bond 007: Man lebt nur zweimal das Problem, gleichzeitig zu viel und zu wenig zu bieten. Szenen wie die Entführung der Raumfahrzeuge oder die Ninja-Truppe, welche den Geheimagenten beim Sturm auf den Feind unterstützt, ist schon sehr campy. Bei den Gadgets wird sowieso rausgehauen, was auch immer geht – oder nicht geht. Dazwischen gibt es aber auch Passagen, die so eintönig sind, dass man sich wünschen würde, der Film wäre kürzer. Zwei Stunden ist für den inhaltlich ziemlich dünnen Agententhriller dann doch einfach zu viel.

Ein wenig enttäuschend sind zudem die Figuren. Zwar kann sich James Bond 007: Man lebt nur zweimal damit rühmen, den bislang immer nur von hinten gezeigten Oberschurken Blofeld tatsächlich vorzuführen, der zudem von Donald Pleasance unterhaltsam verkörpert wird. Ansonsten wuseln hier zu viele Leute herum, an die man sich im Anschluss kaum erinnern wird: Weder die Gegner, noch die Bond Girls oder Verbündeten hinterlassen einen nennenswerten Eindruck. Von dem Höhepunkt Goldfinger, das mit einer ganzen Reihe interessanter Charaktere von sich reden machte, ist man hier nicht nur in der Hinsicht doch ein ganzes Stück entfernt.

Schwächer, aber immer noch sehenswert

Für sich genommen ist James Bond 007: Man lebt nur zweimal dabei durchaus noch sehenswert. So gibt es einige schöne Schauplätze, besonders für ein Publikum, das eine Schwäche für Japan pflegt. Die etwas eigene Trutzburg von Blofeld ist ebenfalls schön anzusehen mit einer nett gemeinen Vorrichtung, um ungeliebte Personen aus der Welt zu schaffen. Die grundsätzliche Idee, die USA und die Sowjetunion aufeinander zu hetzen, um als lachender Dritter vom Feld zu gehen, ist zudem mehr als 50 Jahre später eine Strategie, die einem bekannt vorkommt. In Kombination mit den diversen Actionszenen kommt auf diese Weise schon genug zusammen, um mit dem Film seinen Spaß zu haben. Er mag dabei unter den Connery-Bonds am unteren Ende der Skala stehen, ist aber trotz allem besser als vieles, was später in der Reihe folgte.

Credits

OT: „You Only Live Twice“
Land: UK, USA
Jahr: 1967
Regie: Lewis Gilbert
Drehbuch: Roald Dahl
Vorlage: Ian Fleming
Musik: John Barry
Kamera: Freddie Young
Besetzung: Sean Connery, Akiko Wakabayashi, Mie Hama, Tetsurō Tamba, Teru Shimada, Karin Dor, Donald Pleasence

Bilder

Trailer

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James Bond 007: Man lebt nur zweimal
Der eigentlich als Schlusspunkt der Connery-Bonds gedachte „James Bond 007: Man lebt nur zweimal“ gehört zu den schwächeren Teilen des Schauspielers. Die Geschichte ist mal überzogen, dann wieder langweilig zusammengeklaubt. Und auch bei den Figuren mischen sich Licht und Schatten. Trotz der Schwächen ist aber auch der fünfte Teil der Agentenreihe unterhaltsam.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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