Gabriel Leone ist in seiner Heimat Brasilien vor allem durch seine Arbeit am Theater, in Musicals sowie in zahlreichen TV-Serien bekannt. Auch in zahlreichen Kinofilmen konnte er bislang mitwirken, wobei die Mehrheit dieser vor allem dem südamerikanischen Publikum ein Begriff sein dürften. Für seine darstellerischen Leistungen durfte Leone bereits viele Preise in seiner Heimat entgegennehmen, wie beispielsweise den Brasilianischen Jugendpreis als Bester Schauspieler sowie als Bester Nebendarsteller.

Durch die seit 4. Juni 2019 auf Amazon Prime laufende Serie Dom könnte Leone bald auch international bekannt werden. In der Serie spielt er die Figur Pedro Dom, einen jungen Mann, der sich in der Unterwelt Rios einen Namen macht und immer weiter in dessen Hierarchie aufsteigt.

Anlässlich des bevorstehenden Starts der Serie sprechen wir mit Gabriel Leone über seine Rolle in der Serie, über deren Hintergründe sowie über das Knacken von Schlössern.

Im Vorspann von Dom heißt es, dass die Serie auf einer wahren Begebenheit beruht. Kannst Du uns vielleicht etwas zu diesen Hintergründen verraten?

Die wahre Geschichte um meinen Charakter in der Serie spielte sich Anfang der 2000er Jahr ab, als ich noch sehr jung war. Selber erinnere ich mich daher nicht an Pedro Dom, doch meine Eltern kennen seine Geschichte. Als wir die Serie drehten, kamen wir an Orte, an denen auch der echte Pedro Dom zeit verbrachte oder die wichtig waren in seinem Leben und es kamen tatsächlich Menschen zu uns, die ihn kannten und mit uns über ihn redeten. Sie sprachen über Erlebnisse, die sie mit Pedro Dom bis heute verbinden, sodass ich das Gefühl hatte, dass die Erinnerung an diesen Menschen nach wie vor sehr präsent ist, an diesen Orten wie auch in den Köpfen vieler Menschen, auch wenn dies alles schon 20 Jahre zurückliegt.

Was mich an der Geschichte, die Dom erzählt, interessierte, war, inwiefern die Serie über das hinausgeht, was damals in den Medien kursierte. Natürlich geht es um die Welt des Verbrechens und wie Dom Zugang in diese Welt fand, doch es geht auch um die sehr komplizierte Beziehung zu seinem Vater, der viele Jahre seines Lebens damit verbrachte gegen jenes Verbrechens zu kämpfen, von dem sein Sohn dann ein Teil wurde. Die Serie erlaubte uns einen Blick, in diese Beziehung und die Hintergründe um Pedro Dom.

Was faszinierte dich so an der Rolle des Pedro Dom und was war die größte Herausforderung für dich als Schauspieler, die dieser Charakter mit sich brachte?

Als klar war, dass ich die Rolle spielen würde, lud mich Regisseur Breno Silveira zu einem Gespräch ein, in dessen Verlauf er mich über die Hintergründe zu der Rolle aufklärte. Alles, was er wusste, hatte er von Doms Vater 10 Jahre zuvor erfahren, und Breno hatte wohl diese Zeit gebraucht, um zu verstehen und zu verarbeiten, was er damals gehört hatte. Als er mir diese Anekdoten rund um meine Rolle erzählte, glaubte ich, er würde mich auf den Arm nehmen, denn vieles klang einfach so absurd und so unwahrscheinlich, doch sie waren alle wahr und hatten so stattgefunden. Die Szene gleich in der ersten Folge der Serie, als Pedros Vater eine Party in der Favela aufsucht, in die Luft mit seiner Pistole schießt und verlangt, seinen Sohn zu sehen, damit er ihn mit nach Hause nehmen könne, ist tatsächlich so geschehen.

Das war dann auch eine Herausforderung an dem Projekt, denn diese Episoden mussten so erzählt und gespielt werden, dass sie für den Zuschauer glaubhaft werden. Es ist für mich faszinierend an der Schauspielkunst, wie wir durch unsere Gefühle und die Darstellung dieser eine Weg finden, solche Momente nicht nur zu spielen, sondern auch dem Zuschauer zugänglich zu machen. Diesen Zugang zu dieser Welt und zu einem so facettenreichen Charakter wie Pedro zu finden, war für mich faszinierend.

Viele Szenen in der Serie sind sehr emotional und verlangen von mir als Darsteller sehr viel. Nach dem Dreh musste ich immer wieder zurückkommen in die reale Welt und wieder zu Gabriel werden. Die Crew half mir wie auch den anderen Darstellern bei diesem Prozess, aber dennoch mussten wir auf uns selbst acht geben, was in meinen Augen die wahrscheinlich größte Herausforderung war.

Einerseits ist Dom die Geschichte einer Vater-Sohn-Beziehung, aber dann, wie du gerade angedeutet hast, auch so etwas wie ein Gesellschaftsporträt. Inwiefern kann man Dom als Kommentar über die brasilianische Gesellschaft auffassen?

Das denke ich schon. Dom zeigt, wie sich Rio zwischen 1970er Jahren, als unsere Geschichte beginnt, bis hin zu den 2000er Jahren entwickelt. In den 70ern, während der Militärdiktatur, kam Kokain nach Brasilien und in den 2000ern ist es aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Pedro wurde in eine Welt hineingeboren, die von Drogenkartellen kontrolliert wurde und wurde selbst zu einem Junkie.

In Dom sieht man, wie sich Rio mit der Zeit ändert, insbesondere wie das Drogengeschäft die Geografie der Stadt nachhaltig veränderte. Breno war daran gelegen, diese Veränderungen unter die Lupe zu nehmen, die sich noch heute in der Stadt zeigen und ihrer komplexen Realität, in welcher die Polizei vollkommen unvorbereitet scheint, dem Problem der Drogenkriminalität etwas entgegenzusetzen. Der Zuschauer soll sehen, wie das Problem anfing und wie es sich im Laufe der Zeit entwickelte.

Für deinen Charakter in der Serie ist es eine Art Initiation zur Unterwelt, als er lernt, wie man Schlösser knackt. Hast du das eigentlich für die Serie wirklich gelernt? Wenn ja, wie gut würdest du dich einschätzen?

(lacht) Für die Rolle habe ich tatsächlich gelernt, wie man ein paar Schlösser knackt. In der Szene, als ich an Bett gefesselt bin mit einer Handschelle, konnte ich mich tatsächlich selbst befreien mittels einer Büroklammer, wie man es mir beigebracht hatte. Darauf war ich schon etwas stolz, aber ich glaube nicht, dass ich das Knacken von Schlössern darüber hinaus noch weiter verfolgen werde. (lacht)

Vielen Dank für das tolle Gespräch.



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