Eli Ben-David ist ein israelischer Drehbuchautor, Regisseur, Cutter und Schauspieler. In erster Linie ist er in seiner Heimat wegen seiner Arbeit für das israelische Fernsehen bekannt, für das er Serien wie Anachnu BaMapa inszenierte. Bezüglich des Genres ist Ben-David vielfältig aufgestellt, interessiert sich für Comedy, aber auch für ersten Themen wie in seiner neuen Serie The Attaché, die in Deutschland ab dem 14. März über den Streamingdienst Starzplay ausgestrahlt wird. In The Attaché befasst sich Ben-David, der neben seiner Funktion als Regisseur und Autor auch die Hauptrolle des israelischen Musikers Avshalom spielt, mit einer Familie, die nach Frankreich für ein Jahr umzieht. Was eigentlich ein Jahr sein sollte, was die beiden Eheleute stärker zueinander bindet, steht im Schatten der Terroranschläge in Paris im Jahre 2015. Im Interview unterhalten wir uns mit Eli Ben-David über die Inspiration zu der Geschichte und über die Herausforderung, eine neue Sprache zu lernen.

Am Ende der zweiten Episode sagt dein Charakter zu seiner Frau, gespielt von Héloïse Godet, sie sei nun auch Mitglied im Club, wobei er auf die Anschläge und das Gefühl der mangelnden Sicherheit anspielt. Glaubst du, es ist für ihn eine Erleichterung, dass sie nun auch diese Angst spürt?

An dieser Szene mag ich, wie minimalistisch sie ist und es war eine tolle Erfahrung, sie zu drehen, denn in gewisser Weise spiegelt sich darin ein Teil meiner eigenen Erfahrung wider. Avshalom ist in einer völlig neuen Welt für ihn, nicht nur, weil er die französische Sprache nicht beherrscht, sondern auch, da er gelernt hat, mit seiner Angst anders umzugehen und diese nicht nach außen hin zu zeigen. Dieser Umgang mit Ängsten macht seine Identität zu einem großen Teil aus. Wenn er Annabelle also sagt, er heiße sie willkommen in diesen Klub, zeigt er an, dass sie nun vielleicht diesen Teil von ihm verstehen kann.

Diese Szene ist, wie ich schon sagte, sehr von meiner eigenen Erfahrung geprägt, denn als Folge der Anschläge von 2015 fühlte ich eine mir sehr bekannte Angst, die meine Frau nicht verstehen konnte oder kann. Dadurch fällt eine Form der Intimität mit dem Partner weg, denn der kann nicht verstehen, wie man fühlt und worauf die Angst beruht.

Besonders die ersten beiden Episoden von The Attaché sollten dieses Gefühl zum Ausdruck bringen, dass hier ein Mensch ist, der nicht in seinem Element ist, weil er zum einen nicht die Sprache spricht, aber auch weil seine Mitmenschen einen Teil, der wichtig für seine Identität ist, nicht nachempfinden können. Den Rest der Geschichte, die kommenden Folgen, habe ich auf dieser Erfahrung beruht, weil sie zu einer Probe für die Beziehung von Annabelle und Avshalom wird.

Das hört sich interessant an. Kannst du die Grundlage der Serie und wie diese entstand vielleicht noch etwas mehr erklären?

Eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, über die Erfahrung zu schreiben oder eine Geschichte darüber zu erzählen. Viele Jahre hatte ich in Israel gearbeitet, hatte Drehbücher geschrieben und fürs Fernsehen Regie geführt, doch eines Tages sagte mir meine Frau, wie Annabelle zu Avshalom in der Serie, jetzt sei sie einmal an der Reihe. Sie hatte ein Jobangebot bekommen, was es ihr ermöglichte, für eine bestimmte Zeit zurück nach Europa zu ziehen, wo sie geboren und aufgewachsen war. Ihre Arbeit würde sie nach Belgien bringen, also in ihre Heimat.

Ich bin der festen Überzeugung, dass man nicht mit den Träumen anderer Menschen, besonders nicht mit jenen, die einem am nächsten stehen, spielen sollte und so unterstützte ich sie. Also zogen wir um und die erste Zeit fühlte ich mich in Europa sehr unwohl und verloren.

Irgendwann rief mich dann jemand von Hot, einer der bekanntesten TV-Sender Israels, an und fragte mich, ob ich schon an einem neuen Projekt arbeiten würde. Ich erzählte ihnen, dass ich keine Ideen hätte und keine Zeit, weil im Moment so viel Neues in meinem Leben passierte, doch so leicht ließ man nicht locker und schlug mir vor, doch daraus eine Geschichte zu machen.

Schließlich ging ich auf den Vorschlag ein, setzte mich mit einem Team aus Autoren zusammen und machte mich daran, eine Geschichte zu schreiben. Eigentlich war es sogar vielmehr ein work-in-progress, denn jedes Mal, wenn ich wieder etwas erlebte, beispielsweise, als man mich in die Schule meines Sohnes bestellte, aber die Kommunikation mit dem Direktor an meinen mangelhaften Sprachkenntnissen scheiterte, schrieb ich dies nieder und es wurde ein Teil der Geschichte.

Meine Arbeit an dem Projekt wurde begleitet von den Folgen der Terroranschläge in Europa und welche gesellschaftlich-politischen Konsequenzen sich aus ihnen ergaben. Doch letztlich bilden diese Ereignisse für The Attaché einen Hintergrund, einen Auslöser bestimmter Entwicklungen für die Familie in der Geschichte, denn eigentlich geht es um Beziehungen, vor allem um die Rolle von Unabhängigkeit in einer Partnerschaft, sprich, dass man zwar füreinander da ist, aber dennoch eigene Träume hat und diese verfolgen will.

Wie in vielen deiner anderen Projekte bist du ja schwer beschäftigt, übernimmst eine Hauptrolle und bis hinter der Kamera als Regisseur und Autor tätig. Wie schaffst du es, all diese Positionen zu verwalten?

Das schaffe ich überhaupt nicht. (lacht)

Eigentlich wollte ich zunächst nicht die Hauptrolle spielen, doch letztlich ergab es sich einfach so, was vor allem an meiner Zusammenarbeit mit Héloïse Godet lag, die für die Rolle der Annabelle Hebräisch lernen musste und der ich meine israelische Heimat zeigte, da sie noch nie in Israel gewesen war.

Darüber hinaus fragte mich mein Produzent immer wieder, ob ich nicht die Rolle des Avshalom spielen wolle, vor allem wegen meiner Schauspielerfahrung. Schließlich meinte sogar meine Frau, dass ich ihn spielen sollte. Schließlich habe ich dann aufgegeben und es gemacht. (lacht)

Hinzu kommt noch, dass die Dreharbeiten sehr anspruchsvoll waren. Wir drehten in Frankreich, in Israel und in der Ukraine, und es war immer ein großes Sprachenwirrwarr. So muss sich wahrscheinlich auch Avshalom in Paris vorkommen, wenn alle um ihn herum kommunizieren, aber er kein Wort versteht. Speziell in den Drehpausen, als ich mit der Crew und den Schauspielern einen Kaffee trank, war ich in dieser Situation, denn oft wusste ich nicht, worum es gerade ging und verpasste den Anschluss.

Alles in allem war die Drehzeit eine schwierige und sehr hektische Zeit. Ich glaube nicht, dass ich so etwas noch einmal machen werde. (lacht)

Wo wir gerade bei dem Thema Sprache sind, würde ich dich fragen, wie es denn für dich war, Französisch zu lernen? Ist Avshaloms Lehrerin in der Serie inspiriert von deiner eigenen?

Diese Figur basiert auf einer meiner Lehrerinnen, die zu jeder Stunde mit einem Sammelsurium an Taschen auftrat. Sie machte einen einsamen, aber netten Eindruck und wir halten bis heute Kontakt zueinander, denn in den Stunden war es so, als ob zwei einsamen Seelen zueinander gefunden hatten, wenn man das so sagen kann.

Mit dem Lernen des Französischen lernt man auch gleich die Kultur mit, zumindest kam es mir so vor. Es zeigte mir die Unterschiede auf zu Israel und zum Hebräischen, und noch heute ist es für mich eine Herausforderung, einer Unterhaltung in einem französischen oder belgischen Café zu folgen.

Vielen Dank für das nette Gespräch.



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