Inhalt / Kritik

Der gebrochene Pfeil Broken Arrow

„Der gebrochene Pfeil“ // Deutschland-Start: 6. September 1951 (Kino) // 1. Dezember 2011 (DVD)

Eigentlich wollte Tom Jeffords (James Stewart) nur nach Gold suchen. Stattdessen findet er einen jungen, verletzten Apachen. Obwohl die Weißen mit ihnen im Krieg sind, beschließt er, dem Jugendlichen zu helfen und gesund zu pflegen. Der wiederum setzt sich aus Dank für ihn ein, als die anderen aus seinem Volk hinzustoßen und Jeffords töten wollen. Inspiriert von dieser ersten Annäherung, setzt der es sich daher später zur Aufgabe, den Apachen-Häuptling Cochise (Jeff Chandler) aufzusuchen und einen Frieden auszuhandeln. Tatsächlich gelingt es ihm, das Vertrauen des Volkes zu gewinnen und verliebt sich dabei in Sonseeahray (Debra Paget). Doch damit sind die Probleme noch nicht überwunden, wie er bald nach seiner Rückkehr feststellen muss …

Mehr als nur ein Feind

Früher war die Welt noch irgendwie einfacher. Da „wusste“ man noch, wer gut und wer böse ist. Oder man tat wenigstens so. Im Genre des Westerns zum Beispiel ging das meistens so: Die zivilisierten Weißen kämpfen gegen die wilden Indianer. Wenn es also mal wieder zu Schlachten kam, war klar, für welche Seite man zu sein hatte. Erst mit der Zeit setzte sich die Ansicht durch, dass eine Geschichte, die von den Siegern geschrieben wird, deshalb nicht automatisch der Wahrheit entspricht. Dass weiße Männer Ureinwohner vertreiben und töten kein Ausdruck heroischen Pioniergeistes ist, sondern schlicht Völkermord war und die blutigen Aktionen der Unterdrückten unter Notwehr fallen würden, wenn da Leute kommen und ihnen ihr Land rauben.

Der gebrochene Pfeil war einer der ersten großen Western der Hollywood-Studios, die sich um ein differenzierteres Bild bemühten. So ist das Volk der Apachen hier zwar zu unfassbaren Grausamkeiten bereit, wie in einer frühen Begegnung mit dem Feind deutlich wird. Gleichzeitig macht die Adaption eines Romans von Elliott Arnold aber klar, dass es diese Taten als Reaktion auf die vorangegangenen Angriffe der Weißen versteht. Man habe diesen Krieg weder angefangen noch gewollt, so wird zu verstehen gegeben. Man werde diesen aber auch nicht fürchten und um das eigene Land kämpfen – was zu einem fatalen Teufelskreis der Gewalt führt.

Der ganz normale Held

Um diesen zu durchbrechen, braucht es daher viel guten Willen – und einen Vermittler. Dass diese Rolle Tom Jeffords zufiel, klingt für heutige Ohren verdächtig nach White-Saviour-Syndrom. Tatsächlich spielte er aber im 19. Jahrhundert eine große Rolle beim Abschluss eines Friedensvertrages zwischen den Truppen der Weißen und den Apachen, auch wenn drumherum die eine oder andere Legende gesponnen wurde. Der gebrochene Pfeil hält sich dann auch nur sehr bedingt an die historisch überlieferten Ereignisse. Stattdessen sollte das Publikum mit einem besonders emotionalen Werk erfreut werden. Ein Bestandteil davon: die hinzugedichtete Sonseeahray, welche Jeffords noch einen zusätzlichen Grund gibt, sich für Frieden einzusetzen.

James Stewart (Der Mann, der zuviel wusste, Ist das Leben nicht schön?) war für eine solche Rolle natürlich die Idealbesetzung. Kaum einer schaffte es wie er, gleichzeitig der typische Alltagsamerikaner und ein strahlender Held zu sein. Jemand also, mit dem sich alle identifizieren und gleichzeitig zu ihm aufblicken konnten. Natürlich ist diese Mischung aus Moralität und Mut ziemlich idealisiert. Eine mögliche Ambivalenz in ihm wird zwar an einer Stelle angedeutet, aber nicht wirklich ausgearbeitet. Das war den Zuschauern und Zuschauerinnen wohl nicht zuzumuten. Die Figurenzeichnung ist sowohl bei ihm wie auch den anderen Charakteren, gleich auf welcher Seite sie stehen, eher an der Oberfläche. Dafür gibt es dann zum Ende hin dick Pathos und ein erzwungenes Melodram.

Gefangen in Stereotypen

Aus heutiger Sicht gibt es daher schon einiges, was nicht mehr zeitgemäß ist. Dazu zählt gerade die stereotype Darstellung der Apachen. Die sind hier zwar nicht allein die brutalen Wilden, sondern sind auch von einem Ehrenkodex bestimmt, der auf der Gegenseite eher angezweifelt werden darf. Aber es bleibt dann eben doch kein Raum, um die Männer und Frauen als Individuen darzustellen. Vielmehr werden sie durch den Kampf bestimmt, Der gebrochene Pfeil interessiert sich vor allem für ihren Status als Krieger. Darauf muss man sich einlassen können, ebenso darauf, dass die Apachen von Weißen dargestellt werden oder Debra Paget damals eine Teenagerin war, was die Romanze mit dem 25 Jahre älteren Stewart etwas unangenehm macht. Dafür gibt es schöne Naturaufnahmen und Kulissen, welche einen daran glauben lassen, noch einmal im Wilden Westen unterwegs zu sein. Und die versöhnliche Aussage ist zu einer Zeit der maximalen Konfrontation ohnehin sehr willkommen.

Credits

OT: „Broken Arrow“
Land: USA
Jahr: 1950
Regie: Delmer Daves
Drehbuch: Albert Maltz, Michael Blankford
Vorlage: Elliott Arnold
Musik: Hugo Friedhofer
Kamera: Ernest Palmer
Besetzung: James Stewart, Jeff Chandler, Debra Paget, Basil Ruysdael, Will Geer, Joyce Mackenzie, Arthur Hunnicutt

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1951 Bester Nebendarsteller Jeff Chandler Nominierung
Bestes Drehbuch Albert Maltz Nominierung
Beste Kamera (Farbe) Ernest Palmer Nominierung
Golden Globes 1951 Best Film Promoting International Understanding Sieg
Beste Kamera (Farbe) Ernest Palmer Nominierung

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Der gebrochene Pfeil
In „Der gebrochene Pfeil“ versuch ein Mann, Frieden zwischen den Weißen und den Apachen zu schließen, muss dabei aber jede Menge Hindernisse aus dem Weg räumen. Die versöhnliche Aussage und der Versuch, aus den Ureinwohnern mehr als brutale Wilde zu machen, waren seinerzeit etwas Besonderes. Andere Teile des Westerns sind hingegen weniger gut gealtert.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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