A Month of Single Frames

A Month of Single Frames

Inhalt / Kritik

„A Month of Single Frames“ // Deutschland-Start: 8. März 2021 (MUBI)

Nicht nur in der Kunst, sondern auch im Leben eines jeden Menschen ist die Begegnung mit einem Ich, welches man lange hinter sich gelassen hat oder zumindest davon überzeugt ist, dies getan zu haben, eine sehr lehrreiche und spannende Erfahrung. Dabei muss es nicht notwendigerweise um die Lektüre eines Tagebuchs oder das Blättern in einem Fotoalbum an sich gehen, sondern vor allem um die Frage, welchem Menschen man begegnet und was einen nach wie vor mit diesem verbindet. Speziell innerhalb der Kunst ist gerade der Zeitfaktor ein wichtiger Aspekt, definiert dieser doch das Verhältnis des Künstlers zum Werk und darüber hinaus des Betrachters zu diesem. Ähnliches vollzieht sich in der Auseinandersetzung mit diesem früheren Ich, dieser „alten“ Version von einem Menschen, der einem sehr sympathisch, naiv oder gar völlig fremd vorkommen mag. In diesem Projekt formuliert sich eine Chance für den Menschen, die Möglichkeit einer wichtigen Interaktion und eine Überwindung von Zeit.

Vielleicht bildet diese Idee auch das Fundament für ein Projekt wie A Month of Single Frames, eine Kollaboration der beiden Filmemacherinnen Lynne Sachs und Barbara Hammer. Im Jahre 1998 durfte sich Hammer, unterstützt von einem gemeinnützigen Verein, auf Cape Cod, einer Halbinsel, die dem US-Bundestaat Massachusetts angehört, für einige Monate in eine Dünenhütte zurückziehen. Dort gab es weder fließend Wasser noch Strom und Hammer nutzte die Zeit, um die Natur zu filmen, diverse Filmtechniken auszuprobieren, sie führte ein Journal wie auch ein Tagebuch. Zwanzig Jahre später übergab Hammer die Dokumente wie auch die Aufnahmen an Lynne Sachs, welche gemeinsam mit ihr diese nicht nur sichtete, sondern den Dialog über die Bilder, Eindrücke und Berichte zu einem Kurzfilm verband.

Dialog mit der Welt, ein Dialog mit dem Menschen

Wie Hammer an einer Stelle in A Month of Single Frames erwähnt, gleicht der Aufenthalt in der Dünenhütte in gewisser Weise den Studien eines Henry David Thoreau, dessen Werk Walden die Erfahrung des Autors widerspiegelt, der sich über einen langen Zeitraum in eine Holzhütte tief in den Wäldern Massachusetts begab. So ist der Kurzfilm auf der einen Seite eine Studie der Begegnung mit der Natur, derer sich Hammer über das Schreiben wie auch das Filmen annähert. Ein Sonnenaufgang oder der Wind über den Dünen wird eingefangen mittels diverser Farbfilter, verlangsamt oder teils verfremdet, bisweilen gar verändert, wenn Hammer beschreibt, wie sie kleine, bunte Papierfähnchen in die Gräser hing. Das Ausprobieren, was gleichzeitig auch eine Annäherung an diese Umgebung ist, wird immer wieder durchbrochen von einer gewissen Skepsis, einer Frage danach, warum es überhaupt eines Kunstgriffes bedürfte, dass man sich der Natur annähere.

Ein ähnliches Zögern lässt sich im nachträglichen Sichten und Bearbeiten des Filmmaterials und der Aufzeichnungen wahrnehmen. Hammers Kommentar wie auch die eingeblendeten Texte scheinen in einen Dialog treten zu wollen mit dem anderen Ich, mit der Welt der gar mit dem Zuschauer an sich. Die Ambivalenz der Bilder, deren Faszination und Fremde machen den Reiz dieses Projektes für den Betrachter aus, zeugen vom Finden einer Sichtweise auf die Welt und auf sich selbst, versuchen die zeitliche Distanz zu überwinden und die Erinnerung nach so vielen Jahren zu ergründen.

Credits

OT: „A Month of Single Frames“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Lynne Sachs, Barbara Hammer
Kamera: Barbara Hammer

Trailer

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„A Month of Single Frames“ ist ein Kurzfilm über Erinnerung, Zeit und die Auseinandersetzung mit dem jüngeren Ich. Lynne Sachs und Barbara Hammer gelingt ein ehrliches Bild des Künstlers wie auch des Menschen, der nach einer Sicht auf sich selbst, seine Geschichte und seine Umgebung sucht. Dies mündet in einem sehr philosophischen, schönen und sehr nachdenklichen Film.