Kritik

Die letzte Schlacht Battle of the Bulge

„Die letzte Schlacht“ // Deutschland-Start: 7. April 1966 (Kino)

Dezember 1944: Die alliierten Truppen haben die Deutschen in die Enge gedrängt, der Sieg steht unmittelbar bevor. Doch noch ist es zu früh für Freude. So warnt der US-amerikanische Geheimdienstoffizier Daniel Kiley (Henry Fonda) General Grey (Robert Ryan) davor, dass der Feind weit davon entfernt ist, aufgeben zu wollen. Im Gegenteil: Ein Überraschungsangriff steht bevor, der noch einmal alles ändern soll. Da stichhaltige Beweise fehlen, wird diese Warnung jedoch ignoriert. Dabei soll Kiley Recht behalten: Unter dem Kommando von Oberst Martin Hessler (Robert Shaw) bereitet sich die Wehrmacht auf eine große Gegenoffensive vor und plant mit seinen Panzern, die amerikanischen Truppen zu überrollen …

Entscheidungskampf

Für Filmschaffende ist der Zweite Weltkrieg eine wohl nie versiegende Quelle, wenn es darum geht, Geschichten zu erzählen. Vor allem wenn es darum geht, große Heldenschicksale zu porträtieren, ist das Thema dankbar. Dabei gibt es natürlich einige Ereignisse, die beliebter sind als andere. Da wäre zum einen die Landung der Alliierten im Juni 1944, gern abgekürzt als D-Day für „Decision Day“, der Tag der Entscheidung. Aber auch die Ardennenoffensive wird immer wieder gern herangezogen, um heroische Kämpfe zu zeigen. Schließlich handelte es sich dabei um die größte Landschlacht der US-Amerikaner. Wäre es der deutschen Streitmacht zudem geglückt, wie geplant den Hafen von Antwerpen zurückzuerobern und damit die Alliierten von ihrem Nachschub zu trennen, der Krieg hätte noch einmal einen anderen Verlauf nehmen können.

Geschichte? Nebensache

Einer der Filme, der sich an dieser Schicksalshaftigkeit berauscht, ist Die letzte Schlacht von 1965. Im Mittelpunkt steht dabei aber weniger die tatsächliche Geschichte dieser Gegenoffensive. Dass man es bei dem Drehbuch nicht ganz so genau nahm in Hinblick auf die historische Genauigkeit, wird hier schon früh verraten. Tatsächlich ist der Film sogar berüchtigt dafür, dass man sich eine ganze Reihe von Freiheiten herausnahm. Der ehemalige US-Präsident Dwight David Eisenhower sah sich sogar genötigt, sich noch einmal aus dem Ruhestand heraus zu melden und in einer Pressekonferenz zu verkünden, dass da inhaltlich unverschämt viel verfälscht wurde.

An einer zu kritischen Darstellung seiner Landsmänner dürfte sich Eisenhowers Zorn hingegen kaum entzündet haben. Zwar zeigt Die letzte Schlacht zu Beginn, dass es durchaus Warnungen vor der großen Offensive gab, die aber nicht ernst genug genommen wurden – mit fatalen Folgen. Ansonsten aber ist der Film mal wieder einer Heroisierung des US-Amerikaners an sich, ohne den die Welt nichts auf die Reihe bekommt. Das Kriegsspektakel ist dann auch den Soldaten der damaligen Zeit gewidmet, soll an den Stolz und den Patriotismus der Mitbürger appellieren, mit dem Ziel, viel Geld damit zu verdienen. So richtig erfolgreich war das aber nicht. Ein Klassiker ist Regisseur Ken Annakin hiermit sicher nicht geglückt.

Aufwendiges Actionspektakel

Das bedeutet aber nicht, dass Die letzte Schlacht nicht auch seine Vorzüge hat. So gefällt beispielsweise Robert Shaw (Der weiße Hai) als deutscher Oberst, der um jeden Preis den Krieg fortsetzen will, selbst wenn er weiß, dass dieser eigentlich nicht mehr zu gewinnen ist. Außerdem hielt man sich bei der Ausstattung nicht zurück. Der Film wird seinem Titel auf jeden Fall gerecht und bietet eine gewaltige Materialschlacht, bei der unentwegt irgendwas geschieht und gewaltige Truppen zum Einsatz kommen. Dem Publikum sollten schließlich ordentlich Schauwerte geboten werden, damit es was für sein Geld bekommt und erst gar nicht Gefahr läuft, sich zu langweilen.

Dieser Plan kann aufgehen, sofern man mit den richtigen Erwartungen an den Film geht. Wer eine tatsächliche Aufarbeitung der Kriegsereignisse erwartet, der ist bei Die letzte Schlacht fehl am Platz. Allgemein ist der Inhalt eher mäßig, lebt von vielen Klischees und fragwürdig gezeichneten Figuren. Da war Duell im Atlantik psychologisch doch interessanter. Als Actionspektakel, das rein auf Unterhaltung schielt anstatt auf Tiefgang, ist das dafür schon zu gebrauchen. Immer wieder knallt und kracht es irgendwo, im Zweifel wird einfach alles niedergeknallt. Allerdings braucht es aber auch ein gewisses Sitzfleisch, um diesem Dauerfeuer etwas abgewinnen zu können. Mit einer Laufzeit von zweieinhalb Stunden ist das schon ziemlich lang geworden, das zermürbt mit der Zeit.

Credits

OT: „Battle of the Bulge“
Land: USA
Jahr: 196
Regie: Ken Annakin
Drehbuch: Milton Sperling, Philip Yordan, John Melson
Musik: Benjamin Frankel
Kamera: Jack Hildyard
Besetzung: Robert Shaw, Henry Fonda, Charles Bronson, Robert Ryan, Dana Andrews, George Montgomery, Ty Hardin, Pier Angeli, Barbara Werle, Telly Savalas

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Golden Globes 1966 Bester Nebendarsteller Telly Savalas Nominierung
Beste Musik Benjamin Frankel Nominierung

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Die letzte Schlacht
„Die letzte Schlacht“ ist ein groß angelegter Kriegsfilm, der sich der Ardennenoffensive im Winter 1944 annimmt. Historisch korrekt ist der Film nicht, Tiefgang darf man von der Heldenromantisierung allgemein nicht erwarten. Als Actionspektakel sorgt das aber schon für eine gewisse Unterhaltung, sofern man sich nicht an der Überlänge stört.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Eine Antwort

  1. Martin Zopick

    Trotz Starensemble nur mäßige Spannung mit teilweise unrealistischen Szenen. Die Panzerkolonnen fahren in Reih und Glied, was schön anzuschauen ist, aber so nie stattgefunden hat. Es sind Kriegsspiele wie im Sandkasten mit Panzern. Einziger Anknüpfungspunkt an die Wirklichkeit des vorletzten Kriegsjahres ist die allgemeine Kriegsmüdigkeit auf beiden Seiten. Die einseitige Liebensgeschichte zwischen Sgt. Guffy (Telly Savalas) einem Schwarzhändler und Louise (Pier Angeli) mag noch durchgehen als unerfüllte Romanze. Wird hier aber eher unglücklich eingesetzt. Ähnlich wie die Uneinigkeit unter dem deutschen Offizierskorps. Ein Unding. Viel peinlicher sind die historischen Unwahrheiten wie z.B. die Tatsache, dass die geschlagene deutsche Armee zu Fuß nach Hause läuft., während die Kamera via Drohne über eine schier unbegrenzte Armee von stehenden Panzern hinwegfliegt. Manche Szenen sind mehr als fragwürdig wie das Massaker an US-Kriegsgefangenen durch die SS. Ab und zu sagen Henry Fonda auf alliierter Seite und Robert Shaw auf deutscher auch mal was Richtiges. Allein Christian Blech bleibt sich treu als echter deutscher Unteroffizier. Da kann Leutnant Weaver (James MacArthur) auch mal ein Feigling sein und Robert Ryan den knorrigen General Grey geben. Das meiste kommt aber aus der Ecke Märchenstunde des Krieges. Kintop, der vom Kriege handelt.

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