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Inhalt / Kritik

Deutschland 89

„Deutschland 89“ // Deutschland-Start: 25. September 2020 (Amazon Prime Video) // 12. Februar 2021 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich sollte der im Geheimen als Kurier arbeitende Martin Rauch (Jonas Nay) dafür sorgen, dass in der DDR keine weiteren liberalen Reformen beschlossen werden. Stattdessen kommt es zu einer weiteren Öffnung dem Westen gegenüber, als nach andauernden Protesten die Berliner Mauer fällt. Für die Agenten und Agentinnen bedeutet dies eine echte Zweckmühle, wissen sie doch nicht, ob sie sich nun am Westen oder am Osten orientieren soll. Für Martin selbst stellt sich diese Frage nicht, schließlich wird er von Brigitte Winkelmann (Lavinia Wilson) gezwungen, eine westdeutsche Terrorzelle zu infiltrieren. Zeitgleich kommt seine Tante Leonora (Maria Schrader) aus dem Gefängnis frei und schmiedet bereits eifrig neue Pläne …

Eine deutsch-deutsche Erfolgsgeschichte

Noch bevor Netflix mit Produktionen wie Dark viel für das internationale Renommée deutscher Serien tat, sorgte bereits Deutschland 83 für Furore. Die Geschichte um einen DDR-Agenten, der im Westen unter falscher Identität arbeitet, war ebenso unterhaltsam wie spannend. So kombinierte man typische Elemente des Spionagethrillers mit einer kleinen deutsch-deutschen Geschichtsstunde. Gerade der ständige Perspektivenwechsel zwischen West und Ost mit den damit verbundenen Reibereien machte jede Menge Spaß. Hinzu kam der doppelte Nostalgiefaktor. Trotz begeisterter Kritiken waren die Zuschauerzahlen jedoch nicht überragend, weshalb man bei der zweiten Staffel Deutschland 86 das lineare Fernsehen zugunsten von Amazon Prime Video hinter sich ließ.

Auch bei Deutschland 89, der dritten und letzten Staffel, folgte die Erstveröffentlichung auf dem Streamingdienst, bevor der reguläre Release auf DVD und Blu-ray anstand. Gleich, auf welchem Medium: Inhaltlich knüpft die Serie nahtlos an die beiden vorangegangenen Staffeln an. Tatsächlich sollte man die auch unbedingt gesehen haben und einem die Ereignisse einigermaßen präsent sein. Die grundsätzliche Handlung ist dabei zwar schon eigenständig, sodass auch Neulinge ihr folgen können. Bei den Figuren ist es aber von einem großen Vorteil, wenn man weiß, wer wer ist und in welchen Beziehungen die zueinanderstehen. Vor allem die zwischen Martin und Leonora ist dabei essentiell.

Wer sind die ganzen Leute?

Aber selbst wer die ersten Staffeln gesehen hat, wird geistig gefordert. So gab es in der Serie von Anfang an eine hohe Zahl an Figuren mit jeweils eigenen Handlungssträngen, die sich mal überkreuzen, zum Teil aber auch unabhängig voneinander verlaufen. Bei Deutschland 89 ist das nicht anders. Hier mischen so viele Parteien mit, jeder mit einer eigenen Agenda, dass man schnell den Überblick verlieren kann. Während manche Geschichten politischer Natur sind, da sind andere eher persönlich. Ganz zu trennen ist das aber nicht immer: Wer als Agent oder Agentin unterwegs ist, der kann nie so wirklich abschalten. Der kann sich auch nie ganz sicher sein, was das Gegenüber nun gerade plant oder will. Intrigen sind da kein Sonderfall, sondern fester Bestandteil der Berufsbeschreibung.

Das Besondere ist nur, wie Deutschland 89 diese eher universellen Genrebestandteile mit deutscher Geschichte und einem Zeitporträt verbindet. Bei Deutschland 86 war dieser Aspekt etwas aus den Augen verloren worden, weshalb die zweite Staffel auch gegenüber dem Auftakt abfiel. Beim Finale findet die Serie aber zu alter Form zurück, was nicht zuletzt am dankbaren Thema liegt: Der Mauerfall und die deutsch-deutsche Annäherung brachte natürlich viele Möglichkeiten mit sich. Für Menschen, die von dem Konflikt der beiden Seiten lebten, war dies jedoch eine Katastrophe. Hinzu kam, dass die zum Teil sehr unterschiedlichen Weltansichten nun unmittelbar aufeinanderprallten, da sie keine Mauer mehr trennte. Das bedeutete in mehrfacher Hinsicht Kämpfe, wenn es darum ging, die weitere Richtung zu bestimmen.

Stark gespielt

Das ist erneut unterhaltsam, wenn wahre Begebenheiten und Fiktion so untrennbar miteinander verknüpft werden, bis man selbst nicht mehr weiß, was wahr ist und was gelogen. Und es ist erneut prima gespielt. Jonas Nay (Wir sind jung. Wir sind stark.) und Maria Schrader (Unorthodox) fungierten dabei von Anfang an als die beiden Aushängeschilder, wenn Neffe und Tante im selben Bereich tätig sind, sich dabei aber immer wieder in die Quere kommen. Hinter den beiden wurde aber von Anfang an ein talentiertes und namhaftes Ensemble versammelt, welches die Geschichte spür- und erlebbar macht. So verworren und übertrieben die Serie manchmal ist, es gelingt ihr doch, das Menschliche in dem Getriebe zu finden und aufzuzeigen, warum wer was macht – oder zumindest so tut als ob.

Credits

OT: „Deutschland 89“
Land: Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Randa Chahoud, Soleen Yusef
Drehbuch: Roger Drew, Ed Dyson, Steve Bailie, Lily Idov, Michael Idov
Musik: Reinhold Heil
Kamera: Stephan Burchardt
Besetzung: Jonas Nay, Maria Schrader, Lavinia Wilson, Sylvester Groth, Carina Wiese, Alexander Beyer, Uwe Preuss, Niels Bormann, Anke Engelke, Florence Kasumba, Fritzi Haberlandt, Ari Kurecki, Svenja Jung, Corinna Harfouch

Bilder

Trailer

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Deutschland 89
Nach einem Durchhänger bei der zweiten Staffel findet „Deutschland 89“ zu alter Stärke zurück. Erneut ist die Mischung aus historischen Begebenheiten, persönlichen Geschichten und bewährten Spionageelementen unterhaltsam sowie gut gespielt, selbst wenn das natürlich gern alles etwas überzogen und übertrieben verworren ist.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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