Inhalt / Kritik

Der Zürich Krimi

„Der Zürich-Krimi: Borchert und der eisige Tod“ // Deutschland-Start: 4. Februar 2021 (Das Erste)

Als Kanzleichefin Dominique Kuster (Ina Paule Klink) eine anonyme Nachricht erhält, dass Franz Brosi (Siemen Rühaak) unschuldig sei, ist sie mehr als verblüfft. Schließlich hatte der vor elf Jahren darauf verzichtet, von ihr verteidigt zu werden. Mehr noch, er gab offen zu, einen Banker erschossen zu haben, weshalb er seit dieser Zeit wegen Mordes im Gefängnis sitzt. Zusammen mit Thomas Borchert (Christian Kohlund) beschließt sie, Brosi noch einmal einen Besuch abzustatten, der jedoch auf seiner Geschichte beharrt. Während Kuster den Fall damit zu den Akten legen will, ist die Neugierde Borcherts geweckt. Und so fährt er auf eigene Faust ins Unterengadin, um den anonymen Briefeschreiber ausfindig zu machen und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Doch nicht nur die Schneemassen der winterlichen Alpen werden dabei zum Hindernis. Auch die Leute vor Ort haben wenig Interesse daran, dass da jemand die alte Geschichte ausgräbt …

Ein etwas anderer Ermittler

Es müssen ja nicht immer Polizisten sein. Auch wenn bei Krimis aus naheliegenden Gründen meist offizielle Ermittler zum Einsatz kommen, wenn es darum geht Verbrechen aufzuklären, so gibt es doch jede Menge Alternativen – vor allem solche, die beruflich in dem Umfeld zu tun haben. Während Privatdetektive heute leider etwas aus der Mode gekommen sind, so gibt es mit der Figur des Anwalts aber noch eine weitere zeitlose Möglichkeit. Anwälte gibt es schließlich mehr als genug. Wobei Thomas Borchert sicher nur bedingt dem herkömmlichen Bild eines Anwalts entspricht. Der seit 2016 umhersuchende Protagonist der Reihe Der Zürich-Krimi ist ein harter Knochen, der seinen Gesprächspartnern trotz seines fortgeschrittenen Alters Respekt abnötigt.

In Der Zürich-Krimi: Borchert und der eisige Tod, dem mittlerweile zehnten Teil der ARD-Reihe, muss er deshalb auch gar nicht so wahnsinnig aktiv werden. Es reicht von Haus zu Haus zu gehen, irgendwann reden die Leute schon. Dass er eigentlich kein Mandat hat und ihm deshalb die Berechtigung für seine Ermittlungen fehlen, stört ihn nicht weiter. Er tut ja nichts weiter, will sich nur ein bisschen unterhalten. Einen größeren Actionanteil sollte man hier entsprechend nicht erwarten. Schusswechsel und Verfolgungsjagden sind aus naheliegenden Gründen kein Thema. Zwischendurch wird es zwar auch schon mal brisant, aber alles in Maßen.

Gefangen im Eis

Spannend ist Borchert und der eisige Tod dennoch. Zum einen ist das Setting natürlich sehr dankbar. Eine einsame Gegend, die völlig zugeschneit ist, das ist für einen Krimi immer prima, siehe etwa Das letzte Problem oder Agatha Christies Klassiker Die Mausefalle. Wobei man hier inhaltlich natürlich schon in eine andere Richtung geht. Während bei den genannten Geschichten klar ist, dass die Figuren mit einem Mörder eingesperrt sind, bleibt beim Zürich-Krimi lange unklar, ob es den überhaupt noch gibt. Schließlich ist mehr als ein Jahrzehnt vergangen, das ist mehr als genug Zeit um abzuhauen – sofern es nicht eh Brosi war, der noch immer brav in seiner Zelle hockt.

Drehbuchautor Wolf Jakoby gelingt es dabei ganz gut, das Publikum wirklich lange im Dunkeln tappen zu lassen. Nur langsam werden Alternativen zum Verurteilten aufgebaut, diese sind zudem nicht wirklich ausformuliert. Anders als beim klassischen Whodunnit, wo sich Ermittler und Zuschauer den „richtigen“ Täter aus einem größeren Angebot herauspicken müssen, da steht Borchert zunächst allein auf weiter Flur. Zum Rätseln ist das eher weniger geeignet. Das weitaus größere Manko in der Hinsicht ist aber, dass in Borchert und der eisige Tod einiges keinen Sinn ergibt. Da vertraute man offensichtlich darauf, dass daheim vor den Fernsehern niemand wirklich darüber nachdenkt oder es ihnen schlicht egal ist.

Die Tragik des Endes

Während Der Zürich-Krimi: Borchert und der eisige Tod als reiner Krimi deshalb von gemischter Natur ist, so überzeugt der TV-Film doch anderweitig. So gewinnt er gegen Ende eine unerwartete Emotionalität und Tragik, wenn aus dem zunächst so distanzierten Fall eine persönliche Geschichte wird. Eine Geschichte, die zudem zum Diskutieren über Recht und Gerechtigkeit einlädt. Und auch Hauptdarsteller Christian Kohlund sowie die Aufnahmen des verschneiten Hinterlandes inklusive suspektem Kloster tragen dazu bei, dass Fans von Mörderjagden hier einmal vorbeischauen können.

Credits

OT: „Der Zürich-Krimi: Borchert und der eisige Tod“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Roland Suso Richter
Drehbuch: Wolf Jakoby
Musik: Michael Klaukien
Kamera: Andrés Marder
Besetzung: Christian Kohlund, Ina Paule Klink, Pierre Kiwitt, Robert Hunger-Bühler, Lena Stolze, Siemen Rühaak, Kyra Kahre, Max von Pufendorf

Bilder

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Der Zürich-Krimi: Borchert und der eisige Tod
In „Der Zürich-Krimi: Borchert und der eisige Tod“ wird ein Jahre zurück liegender Fall noch einmal neu aufgerollt, entgegen dem Willen des geständigen Mörders. Der Krimi lässt einen geschickt im Dunkeln tappen, ergibt jedoch an mehreren Stellen keinen Sinn. Dafür sind die Aufnahmen des zugeschneiten Hinterlandes atmosphärisch, auch die emotionale Komponente der Geschichte überzeugt.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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