Kritik

„One Word“ // Deutschland-Start: 4. November 2020 (Video on Demand)

Auch wenn er mittlerweile nicht mehr zu übersehen ist, leugnen immer noch Menschen, Privatpersonen wie auch Wissenschaftler, den Klimawandel. Natürlich gibt es zu jeder Theorie und jeder Entwicklung, Thesen, die gegen diese sprechen. Doch sind die Hinweise auf eine Berechtigung eben jener Forschungen und Erkenntnisse inzwischen kaum zu übersehen, die uns in Sachen Klimawandel zu einem dringenden Handeln aufrufen, unabhängig davon, wie betroffen jedes einzelne Land auch sein mag, da wir ansonsten unseren Lebensraum auf Spiel setzen. Politiker, die sich den Leugnern anschließen, beschleunigen einen Prozess, der schon jetzt in vielen Teilen der Welt unausweichlich ist und die Hoffnung, dass irgendwann irgendjemand schon etwas entwickeln wird, ist wohl eher utopisch.

Auf den Marshallinseln, einer Republik in Ozeanien, ist der Klimawandel zu einem Faktor des täglichen Lebens geworden, dessen Auswirkungen sich jedes Jahr spürbar zeigen. In ihrer Dokumentation One Word zeigt uns die gelernte Politikwissenschaftlerin Viviana Uriona diese Entwicklungen, beschreibt mittels einer extensiven Recherche sowie vieler Gesprächspartner das kulturelle, politische und wirtschaftliche Gefüge der Republik, die sich akut in Gefahr sieht, in nicht allzu ferner Zukunft nicht mehr zu sein, sondern unter den Wellen des Ozeans begraben zu sein. Das Projekt basiert auf einem interessanten Ansatz, denn es handelt sich um einen partizipativen Dokumentarfilm, der auf den Ergebnissen zahlreicher Filmworkshops auf den Marshallinseln entstand. Wie es auf der offiziellen Seite zum Film heißt, vertrauten Uriona und ihr Team darauf, dass die Bewohner der Inselgruppe die vielleicht besten Experten sind, was ihre Heimat angeht, sodass sie sich für dieses Vorgehen entschieden.

Ein Wechsel des Narratives
Zwar widmet sich One Word der Kultur der Marshallinseln, doch lässt der Gesamtkontext keinen Zweifel daran, dass es sich um ein Beispiel handelt, welches in gewisser Weise repräsentativ steht für eine Entwicklung, die immer näher kommt. Speziell auf den Marshallinseln kann man den Wechsel des Narratives, wie es eine der zahlreichen Interviewpartner im Film erklärt, beobachten, welches nicht mehr länger von einem möglichen Szenario ausgeht, sondern von etwas Unaufhaltsamem. Immer mehr Land tragen die Wellen von den Inseln ab, sind bedrohlich nahe an die Häuser und Straßen herangerückt und sorgen dafür, dass immer mehr Menschen sich fragen, wie lange sich noch auf ihrem Land werden leben können. Die Archivaufnahmen von Fluten, von überschwemmten Straßen sowie die wissenschaftlichen Grafiken, auf welche Uriona und ihr Team sich beziehen, betonen die Dramatik der Situation.

Während der Klang der Wellen nicht mehr länger entspannend, sondern beunruhigend klingt und das Paradies gar nicht mehr so idyllisch anmutet, wie zunächst vermutet, stellt sich die Frage, was nun noch zu tun ist und ob man überhaupt noch etwas tun kann. Wie viele andere Veröffentlichungen, Dokumentation, Spielfilme aber auch wissenschaftliche Veröffentlichungen, stellt sich diese Frage dem Zuschauer immer wieder, definiert die Handlungsoptionen des resignativen Wegblickens oder des aktiven Handelns. Uriona scheint es mehr darum zu gehen, wie der Titel vermuten lässt, wie wir uns mit diesen Gegebenheiten verändern, ob die Menschen sich mit der Welt verändern können oder andere Belange sich weiterhin als wichtiger erweisen und den Prozess weiter beschleunigen, noch verheerender machen.

Credits

OT: „One Word“
Land: Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Viviana Uriona
Musik: Boris Löbsack
Kamera: Mark Uriona

Bilder

Trailer



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One Word
„One Word“ ist eine Dokumentation, die am Beispiel der Marshallinseln und ihrer Bewohner auf drastische Weise die Folgen des Klimawandels aufzeigt. Viviana Uriona und ihrem Team gelingt dabei es dabei die wissenschaftlichen wie auch die menschlichen Aspekte dieses Wandels zu beleuchten und ihren Zuschauer mit der Frage zu konfrontieren, inwiefern dieser bereit ist, sich zu verändern, wenn die Welt schon dabei ist, es zu tun.
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