Kritik

Es liegt ein bisschen in der Natur des Menschen, dass er unangenehme Erinnerungen lieber etwas beiseiteschiebt, um seine Ruhe zu haben. Das musste auch Bastien Dubois bei den Gesprächen mit seinem Großvater feststellen, der sich beharrlich weigerte, von seinen Erfahrungen während des Algerienkrieges zu sprechen. Also ließ der junge Regisseur seiner Fantasie freien Lauf und drehte einen eigenen, blutigen, tendenziell eher geschmacklosen Animationsfilm, um diese Lücke zu schließen und eine Antwort zu geben, die ihm vorenthalten wurde. Ein Kopf voller Erinnerungen, alternativ unter dem Originaltitel Souvenir, souvenir bekannt, erzählt von diesen Versuchen und dem langsamen Kampf um die Wahrheit.

Das ist einerseits visuell interessiert, wenn sowohl der Kurzfilm selbst wie auch der fiktive Kurzfilm miteinander verknüpft werden, jeweils mit verschiedenen Animationstechniken und Stilen ausgeführt. Ein Kopf voller Erinnerungen ist aber auch inhaltlich spannend, wenn sich Dubois mit dem Thema der Verdrängung und der Scham befasst, welche in seinem Großvater wucherte. Das geht dann zwangsläufig nicht in die Tiefe, zumal 15 Minuten dann doch nicht sehr viel ist. Aber es ist trotzdem sehenswert als eine sehr persönliche Geschichte, die berührt und dabei doch auch universelle Themen anschneidet.

Credits

OT: „Souvenir, souvenir“
Land: Frankreich
Jahr: 2020
Regie: Bastien Dubois
Drehbuch: Bastien Dubois

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Ein Kopf voller Erinnerungen
In „Ein Kopf voller Erinnerungen“ erzählt Bastien Dubois von seinem Großvater und dem Versuch, dessen Erfahrungen während des Algerienkriegs zu entlocken. Der animierte Kurzfilm ist dabei sowohl visuell wie auch inhaltlich spannend, einerseits sehr persönlich und dabei zugleich universell.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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