In der Komödie Matze, Kebab & Sauerkraut (ZDF, 29. Oktober 2020 um 20.15 Uhr) wird die enge Freundschaft von Noah (Franz Dinda) und Hakim (Omar El-Saeidi) auf eine harte Probe gestellt, als sich beide in Charlotte (Christine Eixenberger) verlieben. Denn wo drei sind, da ist einer zu viel – oder etwa doch nicht? Wir haben Hauptdarsteller Franz Dinda im Vorfeld über seine Komödie befragt, das Geheimnis guter Freundschaft und was er schon für die Liebe getan hat.

Ihr Film Matze, Kebab & Sauerkraut handelt von zwei Kindheitsfreunden, deren Freundschaft mehrfach auf die Probe gestellt wird. Pflegen Sie selbst noch solche Kindheitsfreundschaften?
Meine älteste noch bestehende Freundschaft ist die mit meinem besten Freund aus der Schulzeit. Wir sind zusammen in die fünfte Klasse gekommen und diese Freundschaft besteht seitdem.

Wie pflegt man eine solche Kindheitsfreundschaft?
Ich denke, dass wahre Freundschaften unabhängig von den Lebensumständen funktionieren und auch unabhängig von Distanzen. Dementsprechend glaube ich, dass man Freundschaften pflegt, indem man sich selbst nicht zum Negativen verändert. Bei meinen alten Freundschaften spüre ich beispielsweise, dass es keine lange Anlaufzeit braucht, wenn wir uns nach geraumer Zeit wiedersehen. Man muss sich nicht groß beschnuppern. Es ist so, als wäre man nie getrennt gewesen.

Sind solche alten Freundschaften, gerade aus Kindheitstagen, die besseren Freundschaften?
Nein. Sie haben nur den Vorteil, dass es eine längere Zeit des Vertrauens gibt und man sich dementsprechend noch ein wenig tiefenentspannter fallen lassen kann. Späte Freundschaften können durchaus dieselbe Qualität haben.

Ist es heute schwieriger, solche tiefen Freundschaften zu pflegen? Aufgrund der sozialen Medien haben wir heute einerseits mehr Möglichkeiten, den Kontakt zu wahren. Gleichzeitig haben wir aber auch mit so viel mehr Leuten zu tun, dass Einzelne weniger im Fokus stehen.
Das fällt mir schwer zu beantworten, da ich mich schon immer auf eine eher kleine Anzahl an Freundschaften konzentriert habe, weil das zu wesentlich innigeren Verhältnissen geführt hat. Und das war von Anfang an eher das, was ich für mich gesucht habe.

Ich frage auch deshalb, da es immer wieder heißt, Langzeitbeziehungen im Sinne einer Partnerschaft werden seltener, weil wir in einer Wegwerfgesellschaft leben und die Auswahl potenzieller Partner so groß ist. Und die Frage ist, inwieweit das auch für Freundschaften gilt.
Sie haben völlig recht, dass die Auswahl größer geworden ist. Aber ich denke, dass in eben einer solchen Gesellschaft auch ein Bewusstsein dafür entsteht, was zwischenmenschlich und auch ganz allgemein wichtig ist. Vielleicht führt dieses Überangebot also sogar zu einer größeren Klarheit, worum es uns eigentlich geht.

Haben Sie ganz allgemein einen Rat in Hinblick auf Freundschaften?
Wer Freunde haben will, muss selber einer sein.

Nun können Freundschaften und Liebe auch in Konkurrenz zueinander treten, wie man in Matze, Kebab & Sauerkraut sieht, als sich die beiden Freunde in dieselbe Frau verlieben. Sind Sie jemals in einer solchen Situation gewesen?
Nein, Gott sei Dank ist dieser Kelch an mir vorübergegangen (lacht).

Gibt es in einem solchen Fall überhaupt eine richtige Entscheidung, sofern man eine Entscheidung treffen muss?
Ich finde es schwierig, das pauschal zu beantworten. Ich wünsche niemanden, in solch eine Situation zu geraten.

Beide Männer verlieben sich in dem Moment in Charlotte, als sie ihr das erste Mal begegnen. Glauben Sie an die Liebe auf den ersten Blick?
Ja. Nur ist Liebe ein fürchterlich kitschig belegtes Thema, zu dem viel gesagt und geschrieben wurde. Wir sollten mit diesen Begrifflichkeiten vorsichtig umgehen, mit denen wir heute so selbstverständlich um uns werfen. Sonst wird man der Sache nicht gerecht.

Die beiden Kontrahenten im Film legen sich richtig ins Zeug, um Charlotte für sich zu gewinnen. Was war das Verrückteste, das Sie je für eine Frau getan haben?
Ich bin bei meiner Jugendfreundin auf das Dach gestiegen und habe für sie dort 100 Luftballons angebunden, mit Karten daran, die der entsprechende Finder mit Geburtstagsgrüßen zurückschicken konnte. Dabei bin ich erstens fast abgestürzt. Zweitens war mir nicht wirklich klar, dass diese 100 Ballons auch mit Helium aufgeblasen werden müssen. Danach konnte ich meine beiden Daumen tagelang nicht bewegen (lacht). Aber es hat funktioniert, die Überraschung war durchaus gelungen.

Und wie viele Karten sind zurückgekommen?
Tatsächlich fast 20, aus zum Teil überraschend weiten Entfernungen.

In dem Film spielt neben Freundschaft und Liebe auch die Religion ein Thema, da alle unterschiedlichen Religionen angehören. Ist das heute in Deutschland noch ein Kriterium bei der Partnerwahl?
Ich bin mir sicher, dass es sogar beängstigend oft noch ein Thema ist. Umso wichtiger ist es, dass wir uns immer wieder vor Augen führen, dass wir eine vielfältige Gesellschaft sind, mit unterschiedlichen Kulturen und Religionen, die man im gegenseitigen Respekt achten sollte. Persönlich wünsche ich mir auch, dass Religion kein Hindernis ist im alltäglichen Leben. Religion sollte vielmehr eine Stütze sein, um ein Leben leben zu können. Ich betrachte deshalb immer mit Kopfschütteln und großer Sorge, wenn Konflikte religiös motiviert sind, weil das mit Sicherheit nicht im Sinne des Erfinders ist.

Welche Rolle spielt Religion in Ihrem eigenen Leben?
Ich bin Pfarrerssohn, meine Mutter ist Pastorin in Süddeutschland. Ich bin also mit der Kirche groß geworden und habe die Hälfte meiner Kindheit im kirchlichen Dienst verbracht. Wobei für mich Glauben und Kirche zweierlei sind, das trenne ich. Ich sehe die Aufgabe von Religion wie gesagt als eine Stütze an, um den Alltag besser meistern zu können. Wenn dies aber in Pflichten und Zwänge übergeht, die zudem noch von Menschen gemacht werden, fange ich an misstrauisch zu werden.

Was sind Ihre nächsten Projekte?
In Corona-Zeiten lässt sich darüber ja nur spekulieren, aber das nächste halbe Jahr ist theoretisch verplant mit Dreharbeiten. Zu sehen bin ich am 26.10. in Tal der Mörder, am 29.10. folgt Matze, Kebab & Sauerkraut, beides im ZDF.

Eine eigene Themenwoche haben Sie dort aber noch nicht?
Ein absoluter Skandal (lacht).

Franz Dinda

© Murat Safin

Zur Person
Franz Dinda wurde am 25. März 1983 in Jena geboren. Schon während der Schulzeit entdeckte er sein Interesse für die Schauspielerei. Nach dem Abitur absolvierte er in Berlin eine private Schauspielausbildung. Seinen Durchbruch hatte er 2006 in dem Katastrophenfilm Die Wolke nach dem gleichnamigen Roman von Gudrun Pausewang. Dinda ist neben der Schauspielerei auch als Autor, Künstler und Sprecher von Hörbüchern tätig.



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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