Kritik

Hail to the Deadites

„Hail to the Deadites“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Das Wort „Kult“ ist in der heutigen Medienlandschaft ein Begriff, der nicht nur sehr oft, sondern auch meist verfrüht oder schlichtweg falsch benutzt wird. Gerade der Zeitfaktor spielt eine bestimmte Rolle, wenn es darum geht, dass ein Roman oder Film sich in das kollektive kulturelle Gedächtnis verewigt hat, so dass man nur wenige Textzeilen oder ein Bild sehen muss und schon weiß jeder, was gemeint ist. Speziell im Horrorgenre, welches sich einer sehr treuen und speziellen Fanbasis erfreut, gibt es um Figuren wie Freddy Krueger, Leatherface oder Jason Vorhees einen echten Kult, der nicht zuletzt auch die Karrieren ihrer Darsteller geprägt hat. Die von Bruce Campbell gespielte Figur des Ash Williams aus Sam Raimis Tanz der Teufel hat schon seit langem jenen Olymp der ikonischen Charaktere des Genres bestiegen und gehört damit zu den wenigen Helden – auch wenn man diesen Begriff in Bezug auf Ash eher vorsichtig benutzen sollte –, die es in diesen erlauchten Kreis geschafft haben.

In seiner Dokumentation Hail to the Deadites, die unter anderem auf dem diesjährigen Fantasia Festival läuft, geht der kanadische Regisseur dem Kult um Tanz der Teufel und seine bekannteste Figur auf den Grund. Neben zahlreichen Interviews mit Bruce Campbell sowie dem Rest der Besetzung oder Tom Sullivan, der für die Effekte und Requisiten in Tanz der Teufel war, führt ihn die Dokumentation vor allem zu den Fans sowie ihren Geschichten. Eben jene Fans begleitet er zu diversen Messen und Treffen mit den Stars des Films, alles unterlegt von diversen Fanvideos und Musikstücken, allesamt Verbeugungen vor jenem Horrorfilm, den der noch gänzlich unbekannte Sam Raimi mit einem sehr kleinen Budget im Jahre 1981 drehte.

Der Wunsch, ein Teil von etwas zu sein
Wie im Falle von The Texas Chain Saw Massacre oder Die Nacht der lebenden Toten hat der Kult um Tanz der Teufel inzwischen ein Eigenleben entwickelt. Die Geschichten der drei Filme sowie der kurzlebigen Serie und ihrer Figuren ist schon längst nicht mehr in der Hand der Macher, der Schauspieler oder der Autoren, sondern zum Eigentum einer großen Gemeinschaft geworden, die mehrere Generationen umfasst. Neben den etwas banalen, aber gleichwohl unterhaltsamen Geschichten um Fans, die auf Messen ihrer Liebsten einen Antrag machten, während sie beide das Buch der Toten aus dem Film in den Händen halten, sind es vor allem die Episoden um die Cosplayer und Sammler, die am interessantesten an Villeneuves Film sind.

So unwahrscheinlich und befremdlich es für den Außenstehenden auch sein mag, ist dieser wilde Mix aus Horror und Komödie zu einem Teil des Lebens vieler Menschen geworden. Wenn der unnachahmliche Bruce Campbell auf eine Reihe Ash-Cosplayer trifft ist dies nicht nur unterhaltsam, sondern auch eine Begegnung mit einem jüngeren, aber auch einem anderen Selbst, welches die Fans in Anlehnung an den Film, aber immer mit kleinen Individualitäten ausgestattet haben. Es ist nicht mehr länger nur der Wunsch ein Teil von etwas zu sein, denn diese Menschen sind es bereits, mit Herz und Seele. So ist Hail to the Deadites letztlich auch eine Dokumentation über die Leidenschaft und die Liebe, die man zu Figuren und ihren Geschichten verspürt und welches Gemeinschaftsgefühl diese auslösen können.

Credits

OT: „Hail to the Deadites“
Land: Kanada
Jahr: 2020
Regie: Steve Villeneuve
Drehbuch: Steve Villeneuve, André Farant
Musik: Ian Blumfield
Kamera: William Dio

Trailer

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Hail to the Deadites
„Hail to the Deadites“ von Steve Villeneuve ist eine unterhaltsame, mit viel Herzblut geschaffene Dokumentation um den Fankult von „Tanz der Teufel“. Es ist ein Beispiel über die Macht des Fans, wie diese sich aus Liebe zu diesen Figuren und Geschichten versammeln und sie zu ihrem Eigentum machen.
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