Kritik

„Der Killer in mir“ // Deutschland-Start: 20. November 2020 (DVD/Blu-ray)

Nach außen hin erscheint Luke Nightingale (Miles Robbins) eigentlich ganz normal, wenn auch etwas verschlossen zu sein, doch der junge Mann kämpft mit Angstzuständen sowie der Sorge um seine an psychischen Störungen leidende Mutter (Mary Stuart Masterson). Da sich ihr Zustand zusehends verschlechtert, beschäftigt sich Luke mit der Sorge, wie sie zu werden, besonders, wenn er an seine Kindheit denkt, als ihn sein imaginärer Freund Daniel nicht nur sein einziger Spielgefährte war, sondern ihn zudem beinahe dazu brachte, seine Mutter umzubringen. Nun da Luke erwachsen ist, holt er Daniel (Patrick Schwarzenegger) zurück, der ihm zunächst vor allem hilft, mit seinen Angstzuständen umzugehen sowie bei Lukes Annäherungen an die schöne Künstlerin Cassie (Sasha Lane). Als beide eine Liebesnacht miteinander verbringen, scheint Luke auf dem Weg zu Besserung zu sein, jedoch hat Daniel nicht vergessen, dass man ihn einst verbannte. Mit der Zeit nimmt Daniels Einfluss auf Lukes Leben zu, bis hin zu Momenten, in denen der die totale Kontrolle über Lukes Körper hat. In der Rolle des Beobachters verbannt, muss Luke zusehen, wie Daniel sich immer öfter einen Weg in die echte Welt bahnt.

Der Kampf um den eigenen Körper
Nach Some Kind of Hate (2015) markiert Der Killer in mir die zweite Kollaboration von Regisseur Adam Egypt Mortimer mit Drehbuchautor Brian DeLeeuw. Ihr gemeinsam geschriebenes Skript basiert auf DeLeeuws Roman In This Way I Was Saved und setzt sich in erster Linie mit der Wahrnehmung von Menschen auseinander, die an psychischen Störungen wie Schizophrenie und Paranoia leiden. Ihre Geschichte, die Elemente von Drama, Thriller und Horror vereint, läuft unter anderem auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest und stellt den Kampf um den eigenen Körper in den Vordergrund sowie die Frage nach dem Selbst für einen Menschen, der an einer psychischen Störung leidet.

In Mortimers Film ist der Körper der eigentliche Feind des Protagonisten und gleichzeitig Objekt der Sehnsucht seines imaginären Freundes. In einem Umfeld, welches sich durch Gewalt, die Streitereien seiner Eltern, die sich schon bald scheiden lassen, sowie dem problematischen Geisteszustand seiner Mutter geprägt ist, stellt der imaginäre Freund einen Lichtblick für Luke dar. Wie in David Finchers Fight Club ist dieses Gegenüber Ergänzung und Mitleidender, wenn es einem nicht gut geht, doch dann auch wieder jemand, der man gerne sein würde, der selbstsicher auftritt und nicht von Angst gehemmt zu sein scheint. Für Luke ist dieser Freund ein zweischneidiges Schwert, auf der einen Seite jemand, den er sich sehr als seinen Begleiter wünscht, doch dann auf der anderen Seite jemand, der ihn vom Typ her auf der Straße wahrscheinlich keines Blickes würdigen würde.

Gerade dieser Zwiespalt und die Unterschiedlichkeit von Luke und Daniel wird in der Inszenierung sowie dem Zusammenspiel der beiden Darsteller besonders deutlich. Ihre letztlich unüberbrückbare Diskrepanz, verbunden mit Lukes Angst vor dem eigenen Körper, führt zu einer Krise für den einen und einem Kampf um die physische Hülle, also einem Kampf um das Leben in der Wirklichkeit.

Feind im Spiegel
Nicht nur der eigene Körper und das Ich, die ganze Welt ist in einem Prozess der Verzerrung begriffen mit dem Wiedereintritt Daniels in Lukes Leben. Ironischerweise ist die Annäherung an die Welt, die Beziehung zu Cassie sowie das Finden von Freunden auf dem Campus verbunden mit einer Affirmation des mentalen Gefängnisses, dessen Eigenschaften Daniel wie kein anderer kennt – war er sich jahrelang darin eingesperrt – und nun für seien eigenen Zwecke ausnutzt. Für beide ist entscheidend die Ausmerzung des Spiegelbildes, des Gegenübers, was ein Schritt zur Heilung sein kann, aber auch in der absoluten (Selbst-) Zerstörung enden kann.

Neben der schauspielerischen Ebene unterstützt vor allem die visuelle Ebene Aspekte der Geschichte, wie die Ambivalenz des Ich. Insbesondere das Design der Spiegelwelt als eine Art Mischung aus kindlichem Albtraum und Ich-Obsession ist sehr gelungen, betont den Schmerz eines Menschen, der gerne „normal“ sein würde, aber dies aus eigenen Stücken nicht mehr schafft und immer mehr abstürzt.

Credits

OT: „Daniel Isn’t Real“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Adam Egypt Mortimer
Drehbuch: Brian DeLeeuw, Adam Egypt Mortimer
Vorlage: Brian DeLeeuw
Musik: Clark
Kamera: Lyle Vincent
Besetzung: Miles Robbins, Patrick Schwarzenegger, Sasha Lane, Mary Stuart Masterson, Hannah Marks, Chukwudi Iwuji

Bilder

Trailer

Filmfeste

SXSW 2019
Fantasia Film Festival 2019
Sitges 2019
Fantasy Filmfest 2020

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Der Killer in mir
„Daniel Isn’t Real“ ist ein visuell spannender und verstörender Film über eine gespaltene Psyche und das Hadern mit der Identität. Adam Egypt Mortimer erzählt eine Geschichte, die von der Angst handelt, in den Tiefen einer Krankheit verloren zu gehen und zu jemandem zu werden, den man letztlich selbst nicht mehr erkennt.
7von 10

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