Kritik

Perfect Human

„Perfect Human“ // Deutschland-Start: 2. Juli 2020 (DVD/Blu-ray)

Die Freude war zunächst groß, als Sophie (Addison Timlin) und James (Drew Van Acker) von seinem Vater das Anwesen erbten, noch dazu jede Menge Geld. Doch sie merken schnell, dass ihnen das alles zu viel ist. Nach einigen erfolglosen Selbstversuchen suchen sie deshalb die Hilfe von Julian (James D’Arcy), der perfekte Androiden erschaffen hat, die den Menschen jeden Wunsch erfüllen. Am Ende fällt die Wahl auf Henry (Steven Strait), der nur zu gerne seinen beiden neuen Besitzern zur Hand geht. Vor allem Sophie ist von ihm angetan, hat sie in ihm endlich jemanden gefunden, mit dem sie sich über Literatur austauschen kann. Kompliziert wird es jedoch, als Henry noch ganz andere Gefühle auslöst …

Wenn wir Maschinen nach unserem Abbild entwickeln und ihnen beibringen, sich genau so zu verhalten, wie wir es selbst tun, ab welchem Zeitpunkt müssen wir sie dann selbst als Menschen ansehen? Das ist eine Frage, die in dem Science-Fiction-Genre immer wieder gestellt wird. In Ex Machina sollte ein junger Programmierer sich mit einer künstlichen Intelligenz in Gestalt einer Frau auseinandersetzen, um Antworten zu finden. Und dann gibt es natürlich noch die ganzen Cyberpunk-Vertreter wie Blade Runner oder Ghost in the Shell, in denen Menschen durch Technologien modifiziert werden, bis irgendwann die Grenze zwischen beidem verschwimmt.

Bei drei ist einer zu viel
Im Fall von Perfect Human scheint das anfangs hingegen noch alles klar zu sein: auf der einen Seite die Menschen, die bestimmen dürfen, auf der anderen die Roboter. Jeder hat da seinen Platz, weiß, was er zu tun hat und was er von anderen erwarten darf. So hat es Julien schließlich versprochen. Und er muss es wissen, hat er doch für den Papa von James gearbeitet und ist allein deshalb schon vertrauenswürdig. Oder so. Dass dies nicht auf Dauer so bleiben wird, ist kein Geheimnis, sonst gäbe es schließlich keine Geschichte zu erzählen. Und wenn sich ein Paar einen attraktiven, groß gewachsenen Burschen ins abgelegene Landhaus holt, in dem die Dame des Hauses meistens alleine ist, dann kann man sich schon in etwa ausmalen, was da irgendwann passieren wird.

Irritierender ist da schon die Dame an sich. Die ist überfordert davon, sich ständig bedienen zu lassen, weshalb sie das komplette Hauspersonal entlässt, mit James’ Geld großzügig entschädigt, dann feststellt, dass ein Haus ja Arbeit bedeutet und James befiehlt, bei seinem Job alles stehen und liegen zu lassen, um sich darum zu kümmern. Sie selbst ist zu beschäftigt, verbringt den Tag lieber mit Lesen. Ein weiblicher Android ist ihr auch nicht recht, die sehen zu gut aus, was sie mit ihrem Ego nicht in Einklang bringt. Eines muss man Perfect Human lassen: Derart unsympathisch wird eine Protagonistin nur selten eingeführt. James ist im Gegensatz zu seiner enervierenden Frau dafür komplett konturlos, sieht man einmal von seinem Waschbrettbauch ab, den er immer wieder vorführen darf. Da hat selbst Henry mehr Persönlichkeit.

Kribbelnde Erotik, wenig Spannung
Spannend ist eine solche Konstellation natürlich weniger, auch wenn sich Regisseur und Drehbuchautor Josh Janowicz große Mühe gibt, irgendwo ein bisschen Kribbeln hineinzubekommen. Das können die Machtspielchen zwischen den beiden Männern sein, die plötzlich Konkurrenten werden. Und natürlich hat ein Haushalt mit drei attraktiven Menschen automatisch eine erotische Komponente. Die emotionale Komponente, die Perfect Human für sich in Anspruch nimmt, die ist hingegen wenig überzeugend, allein schon der schwachen Charakterisierung wegen. Eigentlich gibt es keinen plausiblen Grund, warum man für einen von ihnen Gefühle haben sollten, die oberhalb der Gürtellinie ihren Ursprung nehmen. Das hindert aber niemanden daran, trotzdem ständig über Gefühle zu reden und bedeutungsschwangere Glückskekssprüche in den Himmel zu malen bei dem putzigen Versuch, tiefgründiger zu sein, als man es tatsächlich ist.

Zum Nachdenken regt Perfect Human daher eher weniger an. Das meiste ist schon vergessen, bevor es überhaupt geschehen ist. Bemerkenswert ist dafür das Ende, bei dem sich Janowicz tatsächlich etwas hat einfallen lassen. So sehr der Film weitestgehend Klischees nachplappert, so überraschend sind die letzten Minuten. Überzeugend sind die nicht, eigentlich ergibt das alles überhaupt keinen Sinn. Aber wenn aus langweiligem Trash bizarrer Trash wird, dann ist das ja schon mal ein Fortschritt. Allein dafür kann man sich das anschauen, Hauptdarsteller Steven Strait (The Expanse) tut zudem einiges dafür, aus dem Androiden irgendwie Leben herauszuholen. Das weibliche Publikum darf sich zudem auf zahlreiche Nacktaufnahmen der beiden Herren freuen. Wer jedoch einen spannenden Thriller erwartet, der muss diesen woanders suchen.

Credits

OT: „Perfect Human“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Josh Janowicz
Drehbuch: Josh Janowicz
Musik: Katy Jarzebowski
Kamera: Ben Goodman
Besetzung: Steven Strait, Addison Timlin, Drew Van Acker, James D’Arcy

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Perfect Human
„Perfect Human“ erzählt von einem jungen Paar, das sich einen attraktiven Androiden ins Haus holt – und damit jede Menge Ärger. Der Anfang ist umständlich, das Ende bizarr, dazwischen gibt es viel Langeweile, der Science-Fiction-Thriller bietet weder Spannung noch Stoff zum Nachdenken. Dafür gibt es viel nackte Haut und Hochglanztrash.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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