Kritik

Heli

„Heli“ // Deutschland-Start: 18. September 2014 (Kino) // 24. Juni 2016 (DVD)

Heli (Armando Espitia) ist ein junger Mann, der mit seiner Familie und seiner Frau in einem kleinen Haus am Rande einer Stadt in Mexiko wohnt. Während sein Vater in der Tagesschicht einer Automobilfirma arbeitet, ist Heli in der Nachtschicht und verbringt die Tage meistens vorm Fernseher oder im Bett. Als seine 12-jährige Schwester Estela (Andrea Vergara) ihm und seiner Frau davon berichtet, sie schwärme für einen fünf Jahre älteren jungen Mann, tun sie beide dies als harmloses Verliebtsein ab, ohne aber zu wissen, dass die Beziehung zu Alberto (Juan Eduardo Palacios) schon sehr viel ernster geworden ist. Das Pärchen plant sogar gemeinsam wegzulaufen, doch damit dies gelingen kann, brauchen sie Geld, sodass Alberto beschließt, von einem Ausbilder beim Militär, der gemeinsame Sache mit den Drogenkartellen macht, eine kleine Menge Kokain zu stehlen und diese zu verkaufen. Als Alberto die Drogen dann bei Estela zu Hause versteckt, setzt er damit allerdings eine fatale Spirale der Gewalt in Gang. Schnell haben die Drogenschmuggler herausgefunden, wer von ihnen gestohlen hat und nehmen sowohl Alberto wie auch Heli und seine Schwester gefangen. Für die drei beginnt eine qualvolle Zeit voller Ungewissheit, ob sie diese lebend überstehen werden.

Eine Welt ohne Gnade
Mit Heli legte der mexikanische Drehbuchautor und Produzent Amat Escalante seine insgesamt dritte Arbeit als Regisseur, die sich abermals mit den gesellschaftlichen und politischen Umständen seiner Heimat auseinandersetzt. Der Film, der auch im Wettbewerb bei den Filmfestspielen in  Cannes lief, zeigt das Bild einer gnadenlosen und kargen Welt, wie so viele der Werke Escalantes. Doch Heli ist nicht nur eine Darstellung eines gegenwärtigen Zustandes, sondern wirft auch einen Blick auf die mögliche Zukunft des Landes, welches in einer ebenso fatalen Spirale der Gewalt und der Korruption gefangen ist wie die Charaktere in Heli.

Während einer sehr aufschlussreichen frühen Szene nimmt Heli als einziger anwesender männlicher Vertreter seines Haushalts an einer Volkszählung teil und gibt in kurzen Sätzen Auskunft über den Zustand seiner Familie, wie viele Menschen in dem engen Haus leben, wer eine Arbeit hat und welchen Bildungsgrad sie erreicht haben. Von diesem Moment an ist klar, dass Heli und seine Familie nur ein Teil einer Statistik sind, in Zahlen und Prozentsätze verfremdet werden, aber in erster Linie allein gelassen sind mit ihren Problemen, fatalerweise auch innerhalb des eigenen Haushaltes.

Mittels kurze statischer Totalen und Halbtotalen ergänzt Kameramann Lorenzo Hagermann dieses Bild. Die karge Landschaft, die keinerlei Rückzugsmöglichkeit bietet, der Rost und der Dreck sowie die allgegenwärtigen Beschränkungen des Raumes durch Gitter oder Mauern ergeben zusammen den passenden Hintergrund für das insgesamt ebenfalls karge, freudlose Leben der Charaktere, die versuchen irgendwie zu überleben und sich ein kleines Stück Glück zu sichern. Ihnen gegenüber stehen die eigentlichen Machthaber im Land, vermummte Männer, die sich in der Gegenwart von teils Kindern auf brutale Weise foltern und damit ihren Status als die Stärkeren betonen. Gnade ist von ihnen keine zu erwarten und somit nicht von ihrer Welt.

Gesellschaftliche Abläufe
Ähnlich ernüchternd fällt Escalantes Urteil über die Institutionen des Landes aus. Sowohl Polizei wie auch Militär sind Teil eines großen Apparates, der auf Angst, Gewalt und Korruption aufbaut, was Escalante nur andeutet in seinen Bildern und dem Spiel seiner Darsteller. Eine Geste wie das Verbrennen einer Ladung Drogen und einiger Produktfälschungen ist bestenfalls Klientelpolitik, eine hohle Geste, deren Notwendigkeit allerdings Bände spricht.

Am Ende kehren die Charaktere zurück in diese Welt, in ihre Leben, doch sind seelisch völlig zerstört und zutiefst traumatisiert. Innerhalb der Logik der Geschichte, die gleichsam ein Bild Mexikos darstellt, blickt Escalante auf die Folgen dieser gesellschaftlichen Abläufe, die bereits ihre Narben in den Seelen der Menschen hinterlassen haben.

Credits

OT: „Heli“
Land: Mexiko, Frankreich, Deutschland
Jahr: 2013
Regie: Armat Escalante
Drehbuch: Armat Escalante, Gabriel Reyes
Musik: Lasse Marhaug
Kamera: Lorenzo Hagermann
Besetzung: Armando Espitia, Andrea Vergara, Linda González, Juan Eduardo Palacios

Bilder

Trailer

Filmfeste

Cannes 2013
Filmfest München 2013
International Film Festival Rotterdam 2014

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Heli
„Heli“ erzählt eine niederschmetternde Geschichte über die Macht der Drogenkartelle in Mexiko und welchen gesellschaftlichen Schaden sie hinterlassen. Armat Escalante zeigt ein deprimierendes Bild einer Gesellschaft der Starken, in welcher die Suche nach Glück oder Hoffnung brutal bestraft wird.
7von 10

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