Kritik

Vampire's Kiss

„Vampire’s Kiss“ // Deutschland-Start: 24.08.1989 (Kino) // 12. März 2020 (Mediabook)

Die Nächte New York Citys, dessen Clubs und Bars sind das Jagdrevier des erfolgreichen Literaturagenten Peter Loew (Nicolas Cage), der in seinem Job eher wenig Ablenkung findet. Wenn er nicht gerade seine Sekretärin Alva (María Conchita Alonso) demütigt oder anderweitig drangsaliert, beichtet er seiner Therapeutin Dr. Glaser (Elizabeth Ashley) von seinen wahren oder eingebildeten Problemen mit der Frauenwelt und erzählt von seiner Einsamkeit. Als er wieder einmal auf der Suche nach einem nächtlichen Abenteuer ist, gerät er an die schöne Rachel (Jennifer Beals), die er nach einem kurzen Flirt mit zu sich in sein Apartment bringen kann, wo sie ihn während des Liebesakts in den Hals beißt. Durch die Ereignisse dieser Nacht verändert sich Peter zusehends, sein Verhalten gegenüber Alva wird manischer und unkontrollierter, er beginnt das Tageslicht zu meiden und zieht sich immer mehr zurück. Schließlich kommt er zu der Erkenntnis, dass er sich in einen Vampir verwandelt und steigert sich in diesen Gedanken hinein, in eine Fantasie, in der Rachel in jeden Abend aufsucht, um ihn wieder und wieder zu beißen, bis Peter ihr vollkommen hörig wird.

Leichter Hang zum Blutsaugen
Hatte Nicolas Cage ein Jahr zuvor noch unter der Regie Norman Jewisons in Mondsüchtig mitgespielt, ließ er sich wenig später Vampire’s Kiss ein, ein Projekt, von dem ihm bereits seine Agenten abgeraten hatten. Das Projekt des Engländers Robert Bierman, der zuvor nur ein paar Kurzfilme und einen TV-Film gemacht hatte, hörte sich nicht besonders erfolgversprechend an, doch Cage ließ sich nicht umstimmen und war überzeugt von der Geschichte rund um den Yuppie Peter Loew, der sich einbildet, er würde sich in einen Vampir verwandeln. Letztlich floppte der Film an den Kinokassen und wurde seitens der Kritik zerrissen, zudem erhielt Cage wegen seiner Darstellung einen Ruf, der ihn bis heute verfolgt, eines Schauspielers, der zum Overacting neigt. Aus heutiger Sicht ist Vampire’s Kiss eine bisweilen hysterische Satire über den Narzissmus der upper class, der sich in einem ichbezogenen Wahnsinn äußert.

Über die Jahre hat Vampire’s Kiss im Übrigen sehr viele Fans gewonnen, die sich besonders an Cages Darstellung erfreuen, aber auch an anderen Aspekten dieses in vielen Teilen sehr gelungenen Films. Cage spielt Loew als den perfekten Egomanen, eine frühe Version des Patrick Bateman aus American Psycho, der die Stadt zu „seinem Königreich, seinem Palast“ erklärt, in welchem er schalten und walten kann, wie ihm gefällt. In dieser einsamen Welt, in der sich alles nur um ihn dreht, ist die Verwandlung in einen Blutsauger, eingebildet oder nicht, eine beinahe logische Entwicklung, denn, wie sein herrisches Verhalten gegenüber seiner Sekretärin oder seine Launenhaftigkeit gegenüber seiner Freundin beweisen, er ist bereits ein Vampir, der sich von der Lebenskraft anderer ernährt.

Somit ist die Rolle des Vampirs Loew wie auf den Leib geschnitten, erfüllt er sie doch mit solcher Bravour und Hingabe. Die bisweilen herrlich albernen und überdrehten Auftritte, die er hinlegt, sind zum einen jene Mittel, um Aufmerksamkeit zu gewinnen, aber andererseits Anzeichen einer tiefen Einsamkeit, die zumindest in den kurzen Momenten, in denen sich alles um ihn dreht, sich etwas legt. Jedoch ist Loew bereits an einem Punkt angelangt, an welchem die Selbstliebe und der Hang zum Wahn zu groß ist, als das noch Platz für jemand anderen in dieser Welt wäre.

Die Stadt in den Augen des Vampirs
Konzentriert sich der Film sehr auf seinen Hauptdarsteller, darf auch die Rolle der Stadt New York in Vampire’s Kiss nicht unter den Tisch fallen. Zum einen Jagdrevier für jemanden wie Loew (in doppelter Hinsicht) und zum anderen ein Labyrinth aus Wolkenkratzern, Klubs, Büros und Restaurants ist es eine Stätte, in der sich das Ich verlieren kann und eine Person, die offensichtlich wahnsinnig wird, nicht weiter auffällt, bestenfalls einen kurzen amüsierten Blick wert ist. Ein im Delirium vor sich hin schwafelnder Loew ist dabei wahrscheinlich genauso auffällig wie der vor sich in mordende Patrick Bateman, wenn man die Parallele zu American Psycho noch einmal ziehen möchte.

Credits

OT: „Vampire’s Kiss“
Land: USA
Jahr: 1989
Regie: Robert Bierman
Drehbuch: Joseph Minion
Musik: Colin Towns
Kamera: Stefan Czapsky
Besetzung: Nicolas Cage, María Conchita Alonso, Jennifer Beals, Elizabeth Ashley, Kasi Lemmons

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Film Independent Spirit Awards 1990 Bester Hauptdarsteller Nicolas Cage Nominierung

Filmpreise

Sitges 1989

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Vampire’s Kiss – Ein beißendes Vergnügen
4.13 (82.67%) 15 Artikel bewerten

Vampire’s Kiss – Ein beißendes Vergnügen
"Vampire’s Kiss" ist ein sehr unterhaltsamer und bisweilen hysterischer Film über Ich-Sucht, Narzissmus oder kurzum die wahren Blutsauger auf der Welt, solche, die keine langen Eckzähne brauchen, damit sie einem das Blut aussaugen. Dank der losgelösten Darstellung Cages, einiger schöner inszenatorischer Ideen sowie der tollen Filmmusik ist "Vampire‘s Kiss" eine wahre Entdeckung für jeden Filmkenner.
7von 10

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