Auch wenn die bekannteste Rolle von Max von der Groeben immer noch die des vorlauten Schülers Danger in der Komödie Fack ju Göhte sowie den beiden Fortsetzungen ist, der Schauspieler hat seither mehrfach bewiesen, dass er eine deutlich größere Bandbreite besitzt. Letztes Jahr spielte er in der Bestsellerverfilmung Auerhaus (digital ab 9. Juni 2020) einen selbstmordgefährdeten Jugendlichen, der mit anderen eine ganz besondere WG gründet. Derzeit ist er außerdem zu hören: In der Webserie Knopf & Knöpfchen (www.knopf-knoepfchen.de) spricht er den kleinen Bären Knöpfchen. Die Serie richtet sich an Vorschulkinder und erzählt spielerisch aus deren Alltag. Wir haben uns mit Max zu beiden Projekten unterhalten, von kuscheligen Teddys über die Besonderheiten von Kinderproduktionen und die Freude am Alltag bis zum Umgang mit sensiblen Themen wie Depressionen.

Wie bist du zu Knopf & Knöpfchen gekommen?
Das kam über einen nahen Bekannten. Und da habe ich sofort zugesagt, weil für Kinder etwas zu machen immer wieder schön ist. Produktionen für Kinder sind zwar mit besonderen Anforderungen verbunden, aber es macht sehr viel Spaß und es ist eine schöne Form der Arbeit. Du schlüpfst da in ganz eigene Rollen wie hier eben ein kleiner Bär.

Und was erhoffst du dir von der Serie, dass sie den Kindern bringt?
Tatsächlich hat Knopf & Knöpfchen den Anspruch, den Kindern, vor allem den ganz kleinen Kindern, noch etwas beizubringen und mitzugeben. Denn das war uns wichtig: Die Serie sollte schon für die Jüngsten verständlich sein. Wir wollten sie nicht überrumpeln, wie es bei anderen Kindersendungen manchmal der Fall ist.

Was sind allgemein die Herausforderungen bei einer Kinderproduktion?
Du brauchst natürlich eine Figur, die für Kinder interessant ist, die aber auch gemocht wird. Hier in dem speziellen Fall sollen die Kinder ja auch ihren Spaß haben und gerne zuschauen. Das war sogar unser Hauptziel, dass die Kinder sich gut unterhalten fühlen. Denn dann kannst du ihnen leichter etwas beibringen.

Was genau wollt ihr den Kindern denn so beibringen?
Es geht in Knopf & Knöpfchen um ganz klassische Themen und Aufgaben des alltäglichen Lebens. In der ersten Folge behandeln wir zum Beispiel das Thema Zähneputzen. In einer anderen kommen Bauklötze vor. Wir sprechen also von Sachen, denen die Kinder immer wieder begegnen.

Was hast du dir selbst früher als Kind angeschaut?
Eine meine ersten Erinnerungen ist die Zeichentrickserie Grisu, der kleine Drache. Aber natürlich auch die ganzen Disney-Klassiker wie Schneewittchen und die sieben Zwerge. Der König der Löwen fand ich toll.

Und hast du früher auch selbst einen Teddy-Bär gehabt?
Ich hatte sogar viele Teddy-Bären! Oder allgemein Kuscheltiere. Ich hatte drei so Favoriten, aber auch darüber hinaus jede Menge. Das war schon insgesamt eine große Sammlung.

Du hast gesagt, dass ihr mit der Serie Kindern etwas beibringen wollt. Nun heißt es aber, dass man im Leben nie wirklich auslernt. Was wäre etwas, das du gerne noch lernen möchtest?
Da gibt es tatsächlich viel. Ich habe wirklich Lust, noch mal eine andere Fremdsprache zu lernen. Zuletzt habe ich die Zeit sogar genutzt, um mir ein bisschen per App Italienisch beizubringen.

Du hast vor Knopf & Knöpfchen schon mehrere Male als Synchronsprecher bei anderen Produktionen gearbeitet. Im Vergleich zum normalen Schauspielen: Was ist leichter, was ist schwieriger? Was liegt dir mehr?
Du hast beim Synchronsprechen natürlich nur deine Stimme und nicht deinen ganzen Körper wie sonst, um etwas darzustellen. Du kannst dich dann einerseits besser auf die Stimme konzentrieren, musst aber ohne Gestik und Mimik auskommen, wenn du etwas ausdrücken willst. Darauf musst du dich erst einmal einlassen und auch die richtige Stimmung finden. Mir macht das immer wieder großen Spaß. Meine Hauptarbeit wird aber schon das Schauspiel bleiben.

Knopf und Knoepfchen

In der YouTube-Serie „Knopf & Knöpfchen“ spricht Max von der Groeben den kleinen Bären Knöpfchen

Eine deiner letzten Schauspielrollen war in der Buchverfilmung Auerhaus, in der du einen Jugendlichen spielst, der einen Selbstmordversuch unternommen hat. Kanntest du das Buch vorher?
Nein. Als die Anfrage kam, ob ich in dem Film mitspielen will, habe ich es aber natürlich gelesen.

Und was hatte dir an dem Stoff gefallen?
Die Rolle des Frieder fand ich extrem spannend, aber auch schön. Ich mochte auch die Grundthematik des Romans sehr gerne, mit den vielen Figuren, die alle auf der Suche sind. Es war einfach eine tolle Konstellation, weshalb ich auch ziemlich schnell zugesagt habe.

Ein wichtiges Thema in dem Film ist das des Selbstmords. Deine Figur hat bereits einen Versuch hinter sich und da ist immer die Angst bei den anderen, dass Frieder es wieder tun könnte. Früher sprach man nur ungern über das Thema, auch weil man befürchtete, andere Leute damit vielleicht zu inspirieren. Wie siehst du das? Darf man über Selbstmord sprechen?
Man muss es sogar meiner Meinung nach. Klar brauchst du einen gewissen Rahmen, wenn du darüber sprechen willst. Aber es ist wichtig, darüber zu reden beziehungsweise auch über Depressionen, also die Stufe davor. Ich habe mich im Vorfeld natürlich mit der Krankheit auseinandergesetzt. Und es ist eben eine Krankheit, die behandelt werden muss wie alle anderen auch. Das geht viel mit Sprechen, eventuell auch mit Psychologen oder sogar Medikamenten. Aber sie muss auf jeden Fall behandelt werden. Und dafür muss darüber auch gesprochen werden. Es ist zwar schon besser geworden, dass du jetzt leichter darüber sprechen kannst, das war lange ein Tabuthema. Aber da muss noch mehr gemacht werden.

Was kann man denn überhaupt machen?
Wichtig ist es, die Menschen nicht mit ihrer Krankheit allein zu lassen. Mit das Wichtigste ist es, mit ihnen zu sprechen, ihnen zuzuhören und für sie da zu sein. Es kann natürlich schwierig sein für diejenigen, aus sich selbst herauszukommen und sich zu öffnen, je nachdem auch, wie das familiäre oder freundschaftliche Umfeld ist. Aber sobald man merkt, dass jemand Probleme in der Hinsicht hat, muss man ihn dabei unterstützen. Das kann auch der Gang zum Psychologen sein.

Wie schwierig war es für dich, dich in einen Menschen hineinzuversetzen, der solche finsteren Gedanken mit sich herumträgt?
Wichtig war für mich, dass Frieder oder auch andere Menschen mit Depressionen nicht den ganzen Tag traurig durch die Gegend laufen und weinen. Sie sind viel ambivalenter. Frieder kann auf der einen Seite voll fröhlich und aufgeweckt sein. Dann hat er aber auch wieder seine ruhigen Momente, bei denen man nicht ganz weiß, was in seinem Kopf los ist. Das war ein bisschen die Aufgabe, die ich mir gestellt habe, diese Komplexität zu zeigen.

Frieder hat in dem Film nichts mehr gefunden, oder nicht genügend gefunden, was das Leben für ihn lebenswert macht. Um dem jetzt mal etwas entgegenzusetzen: Was macht für dich persönlich das Leben lebenswert?
Mit am glücklichsten bin ich, wenn ich mit meinen Freunden unterwegs bin, mit guten Freunden, mit meiner Familie. Man sollte immer versuchen, sich eine gute Zeit zu machen, selbst in der jetzigen Zeit, wo vieles nicht so ist, wie wir es gern hätten.

Wie machst du dir denn jetzt gerade eine gute Zeit?
Ich versuche meinen Tag ganz gut zu strukturieren und bleibe eben anderweitig mit meinen Freunden im Kontakt. Da gibt es heutzutage ja genügend Möglichkeiten. Dann mache ich Sport, um mich fit zu halten.

Du hast vorhin gesagt, dass die Figuren in Auerhaus alle auf der Suche sind. Der Film und das Buch spielen ja nicht im heute, sondern in den 80ern. Was hat sich seither geändert? Ist es heute einfacher oder schwieriger für Jugendliche, sich im Leben zurechtzufinden?
Ich glaube, dass es heute noch schwieriger ist, weil es einfach deutlich mehr Möglichkeiten gibt. Die ganze Welt ist miteinander verknüpft, wie man derzeit an der Corona-Situation sieht. Als Jugendlicher wirst du ständig konfrontiert mit irgendwelchen Angeboten, auch durch das Internet und Social Media. Das macht es, glaube ich, für viele schwer herauszufinden, was sie wirklich wollen. Das war früher vielleicht schon einfacher, als alles noch kleiner und überschaubarer war.

Momentan sind viele Film- und Serienproduktionen unterbrochen. Gibt es dennoch etwas, in dem wir dich demnächst sehen oder hören können?
Ich habe letztes Jahr Hinterland gedreht mit Stefan Ruzowitzky als Regisseur und Murathan Muslu in der Hauptrolle. Das war eine österreichisch-deutsche Koproduktion, die im Wien der 20er Jahre spielt, kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Ich bin da ein junger Polizist, der versucht eine Reihe von Morden zu klären.

Zur Person
Max von der Groeben wurde am 15. Januar 1992 in Köln geboren. Schon als Jugendlicher stand er vor der Kamera und hatte zahlreiche Gastauftritte in Serien. Seinen Durchbruch schaffte er 2013 in der Komödie Fack ju Göhte als Schüler Daniel „Danger“ Becker, den er anschließend noch zwei weitere Male spielte. Inzwischen ist er häufig im Kino zu sehen, zuletzt in dem Biopic Lindenberg! Mach dein Ding (2020). Darüber hinaus ist er ein gefragter Synchronsprecher.



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Max von der Groeben [Interview]
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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