Kritik

Congo Murder

„Congo Murder“ // Deutschland-Start: 6. Februar 2020 (Kino)

Im Frühjahr 2009 treffen sich die Freunde Joshua French (Aksel Hennie) und Tjostolv Moland (Tobias Santelmann) in Afrika zu einer Tour in den Kongo. Angelockt von der Spannung des bevorstehenden Abenteuers, einer Fahrt in den Kongo, planen beide schnell die Überfahrt an die Landesgrenzen, stellen ihre Ausrüstung zusammen und engagieren einen Fahrer. Jedoch kommt es bei der Fahrt zu einem Zwischenfall, denn ihr Fahrer wird erschossen und beiden Freunden bleibt nur die Flucht in dem Wagen. Doch auch diese Flucht währt nicht lange, denn schon bald fängt sie die kongolesische Armee ab, die sie beide unter Anklage wegen Mordes an ihrem Chauffeur stellt. Während beide sich durch den Gefängnisalltag im Kongo quälen und versuchen zu überleben, spitzt sich ihr Fall zusehends zu einer diplomatischen Krise zu, vor allem, als aufgedeckt wird, dass Joshua und Tjostolv Söldner im Dienst eines exilierten kongolesischen Politikers sind.

Das Herz der Finsternis
Im neuen Film des norwegischen Regisseurs Marius Holst erzählt dieser die Geschichte des umstrittenen „Kongo-Falls“ nach, welcher im Jahr 2009 regelmäßig in den Medien vertreten war. Holst war anfangs eher skeptisch, was das Projekt anging, sah er doch zum einen Parallelen zu seinem Film King Of Devil’s Island und zum anderen das Problem, die Geschichte der beiden Männer zu erzählen, die im Fokus der vielen Berichte standen und irgendwo in all diesen die Wahrheit zu finden.

Bereits 1899 beschreibt der britische Autor Joseph Conrad die Fahrt seines Romanhelden Charles Marlow auf dem Kongo als eine Reise in das „Herz der Finsternis“, wie der Titel des berühmten Romans lautet. Augenscheinlich eine Abenteuergeschichte, nimmt die Reise schnell eine andere Form an, wird zu einem geradezu hypnotisch-verstörenden Trip nicht in das Herz eines Landes, sondern in das Herz eines Menschen. Auf ähnliche Weise lässt sich die Reise der beiden Protagonisten im Film Marius Holsts beschreiben, deren Abenteuer gleichsam direkt auf eine andere Problematik hinweist, nämlich auf die Denkweise des Westens, einen ganzen Kontinent als jenes Herz der Finsternis zu sehen, als eine Art Blackbox, deren Funktionsweise sich niemandem mehr so recht erschließen will.

In den beiden Hauptrollen machen es einem Aksel Hennie und Tobias Santelmann nicht immer leicht. Auf der einen Seite leidet man mit den Figuren, gerade wenn sich die Gesundheit von einem rapide verschlechtert und dieser einem Wahn verfällt. Dennoch hält die Kamera John Andreas Andersens die Distanz zu beiden Charakteren aufrecht, was sich als zunehmend nötig erweist, denn ebenso wie bei Conrad könnte das sprichwörtliche Herz der Finsternis auch in ihnen pochen. Eine solche Figurengestaltung ist nicht immer unproblematisch für eine solche Geschichte, jedoch eine interessante Provokation, gerichtet an den Zuschauer, der sich mit diesen Figuren, ihren Widersprüchen und Verstrickungen auseinandersetzen muss.

Netz der Lügen
Immer wieder legt das Drehbuch Stephen Uhlanders den Finger auf die Ungereimtheiten, die verschiedenen Wahrheiten und die diversen Versionen von Abläufen, die scheinbar auch die Figuren nicht mehr auseinander halten können. Hierbei wechselt der Film des Öfteren die Zeitebenen, rekonstruiert den Fall und lässt auch divergierende Narrative zu, welche die Undurchschaubarkeit dieses Netzes kenntlich machen, in welchem eine Seite schnell eine Lösung haben will und bald auch das Prestige zweier Länder auf dem Spiel steht. Jedoch hätte man diesem Film bisweilen doch etwas mehr Struktur gewünscht, ziehen diese Sprünge den Film doch sehr in die Länge.

Credits

OT: „Mordene i Kongo“
Land: Norwegen, Dänemark, Schweden, Deutschland
Jahr: 2018
Regie: Marius Holst
Drehbuch: Stephen Uhlander
Musik: Johannes Ringen, Johan Söderqvist
Kamera: John Andreas Andersen
Besetzung: Aksel Hennie, Tobiat Santelmann, Ine F. Jansen, Dennis Storhøi, Wanga Jawar

Bilder

Trailer



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Congo Murder
"Congo Murder" ist ein Film über einen kontroversen Fall, der sich in seiner Erzählweise und seiner Form versucht diesem anzunehmen. Hierbei gelingt viel, besonders auf der Bildebene und dank der Darsteller, doch bisweilen verrennt sich der Film auch in dem eigenen narrativen Netz, was in gewisser Weise eine ironische Spiegelung der Geschichte und ihrer Figuren ist.
6von 10

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