Kritik

Thomas und seine Freunde grosse Welt grosse Abenteuer

„Thomas & seine Freunde – Große Welt! Große Abenteuer!“ // Deutschland-Start: 2. Januar 2020 (Kino) // 4. September 2020 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich ist Thomas die Zuverlässigkeit in Person und eine der ganz großen Stützen des Schienenverkehrs auf der Insel Sodor. Und doch, irgendwie reicht der Lok das inzwischen nicht mehr. Da muss es doch noch etwas anderes geben, etwas Aufregendes und Spannendes! Als er dem Rennwagen Ace begegnet, der gerade dabei ist, um die Welt zu reisen, um an verschiedenen Wettrennen teilzunehmen, lässt sich Thomas das nicht zweimal sagen: Er schließt sich seinem neuen Freund einfach an, mit dem Ziel, die erste Eisenbahn zu werden, die einmal die ganze Welt durchquert hat. Ganz so einfach, wie Thomas sich das vorgestellt hat, läuft das aber nicht. Immer wieder gerät er dabei in Schwierigkeiten und muss erst noch lernen, wem er in solchen Situationen vertrauen kann und wem nicht …

Anfang des Jahres ist immer eine gute Zeit, um Animationsfilme ins Kino zu bringen, die sich an besonders junge Kinder richten. Zumindest waren die Zahlen in den letzten Jahren ganz ordentlich, Feuerwehrmann Sam – Plötzlich Filmheld! lockte hierzulande immerhin knapp 400.000 Besucher und Besucherinnen an. Da der beliebte Feuerlöscher dieses Jahr keinen neuen Film am Start nahm, entschied sich der Verleih, einem anderen Kinderhelden den frei gewordenen Platz zu überlassen. Plausibel ist die Entscheidung auf jeden Fall, die Lokomotive Thomas ist ein echter Dauerbrenner. Seit ihrem ersten Auftritt 1946 gab es mehr als 40 Bücher, derzeit läuft die 23. Thomas-Serie.

Und wo sind wir heute?
Die muss man natürlich nicht alle kennen, um hier folgen zu können. Thomas & seine Freunde – Große Welt! Große Abenteuer! hat zwar eine ewig lange Vorgeschichte, welche aber nicht vorausgesetzt wird, um dem Ganzen folgen zu können. Der Inhalt ist ohnehin recht spartanisch, in den gut anderthalb Stunden reist Thomas durch die Welt, sieht die unterschiedlichsten Länder und lernt dabei immer mal wieder jemanden kennen. Wobei die Zahl der Hauptfiguren überschaubar bleibt, neben Thomas sind das Ace, Eisenbahndirektor Sir Topham Hatt, der ihm hinterherreist, und die weibliche Lok Mia, die ihm unentwegt helfen möchte, was Thomas jedoch aus Stolz ablehnt.

Das ist dann auch eines der Themen, welches Thomas & seine Freunde – Große Welt! Große Abenteuer! dem jungen Publikum mitgeben will für die eigene Weltreise: Sei nie zu stolz, Hilfe anzunehmen! Gleichzeitig geht es darum, genauer hinzuschauen, mit wem man da seine Zeit verbringt. Dass Ace beispielsweise nicht wirklich ein Freund ist, das wird den erwachsenen Zuschauern, welche den Nachwuchs begleiten, sofort klar. Er ist selbstsüchtig, ohne großes Verantwortungsgefühl, mehr an Aufmerksamkeit und privatem Vergnügen interessiert, mit einem speziellen Verhältnis zur Wahrheit – also ein Donald Trump, nur mit vier Rädern, dafür ohne dessen Wutausbrüche.

Nett, aber billig
Ein bisschen will der Animationsfilm, neben der Betonung von Freundschaft, auch für mehr Offenheit gegenüber anderen eintreten. Das ist natürlich sympathisch, bei Vorschulkindern Interesse in Hinblick auf fremde Länder und Kulturen zu wecken. Erwartungsgemäß bleibt das aber sehr an der Oberfläche, das einzige, was sich unterwegs wirklich ändert, sind die Landschaften: Wälder, Wüsten, Berge, Dschungel. Die Figuren bestehen wie immer nur aus „realen“ Fahrzeugen, auf die menschliche Gesichter montiert wurden. Sehr viel Individualität entsteht auf diese Weise nicht, eine große Entwicklung sollte man erst recht nicht erwarten. Einen Augenschmaus ohnehin nicht. Wie all diese Vorschul-Animationsserien, die plötzlich auch als Kinofilm auftreten, ist das hier alles nur sehr mäßig.

Einige der Hintergründe sind überraschend geglückt, gerade auch durch den Einsatz von Licht und Schatten konnte man sich etwas von dem üblichen Plastikplane-Look distanzieren. Die Figuren sind eher langweilig bis hässlich. Ganz grausam sind jedoch die Lieder, die im Gegensatz zu der symmetrischen Grafik äußerst schief sind. Größere Ansprüche darf man in dem Segment natürlich nie haben, mehr als Mitsingnummern sind da grundsätzlich nicht zu erwarten. Man sollte aber doch bei der Sangeskunst der Synchronstimmen etwas mehr verlangen dürfen. Aufgrund der sympathischen Bestandteile der Geschichte ist Thomas & seine Freunde – Große Welt! Große Abenteuer! vielleicht nicht ganz verkehrt. Die billige Umsetzung verhindert jedoch, dass ein Publikum jenseits des Vorschulalters hier eine Form von Vergnügen entwickelt.

Credits

OT: „Thomas & Friends: Big World! Big Adventures! The Movie“
Land: UK
Jahr: 2018
Regie: David Stoten
Drehbuch: Andrew Brenner
Vorlage: Wilbert Awdry
Musik: Chris Renshaw

Bilder

Trailer

Kaufen/Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Thomas & seine Freunde – Große Welt! Große Abenteuer!
Wenn in „Thomas & seine Freunde – Große Welt! Große Abenteuer!“ die bekannte Lokomotive um die Welt reist, dann ist das einerseits ein sympathisches Plädoyer für mehr Offenheit beim Umgang miteinander. Die Umsetzung ist jedoch bescheiden, vieles bleibt auch gemäß der jungen Zielgruppe an der Oberfläche.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort