The Swing Maker

„The Swing Maker“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Es ist ein tristes und sehr hartes Leben auf den Changqing Ölfeldern, doch über die Jahre hat sich Liu Huanrong (Jiang Shouzi) an die Arbeit gewöhnt. Trotz seines hohen Alters ist er der Firma treu geblieben und ist aufgrund seiner Erfahrung zu einem Vorarbeiter aufgestiegen, der junge Arbeiter anlernt, ihnen die nötigen Voraussetzungen für den Job beibringt. Die Klagen seiner teils noch sehr jungen Untergebenen über die Kargheit sowie die Eintönigkeit der Arbeit lassen ihn kalt und er konzentriert sich lieber auf das, was vor ihm liegt. In seiner Freizeit baut er am liebsten Schaukeln und versucht vor allem eine junge Angestellte (Ji Lulu) zu trösten, die sich gar nicht mit dem grauen Alltag ihrer Arbeit anfreunden kann. Doch eines Tages ist Liu gezwungen, seine Arbeit endgültig zu verlassen, in seine Heimat und damit zu seiner Familie zurückzukehren. Konfrontiert mit einer ihm fremd gewordenen Tochter (Song Lili) und den spärlichen Finanzen der Familie, versucht er Arbeit in der Stadt zu finden, was aber aufgrund seiner mangelnden Erfahrungen in anderen Berufen und seiner Alters nicht leicht für ihn ist.

Karges Land
Da Xiongs Karriere begann als Reporter, bevor er letztlich zum Filmemacher wurde. Sein bereits 2015 fertig gedrehter Film The Swing Maker lief bereits bei vielen internationalen Festivals, wie aktuell dem Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg. Eine solche internationale Präsenz des Films bleibt leider nicht ganz folgenlos für den Regisseur, denn gerade das karge Bild, das sein Werk von China zeichnet, kommt gerade innerhalb der politischen Elite seines Heimatlandes nicht besonders gut an, um es diplomatisch auszudrücken. Die Vorführung des Films auf dem Festival International des Cinémas d’Asie im französischen Vesoul würde überschattet von etwaigen Konsequenzen, die dieser Film für Da Xiong haben könnte.

Von ungefähr kommen dieses Bedenken nicht, denn das China in The Swing Maker passt so gar nicht in das Image, welches das Land gerne nach außen hin propagiert. Zwar mag es sich hier nicht um einen perfekten Film handeln, aber die Themen und Bilder Da Xiongs hinterlassen einen bleibenden Eindruck beim Zuschauer, zeigen eine Tragweite, die sich beispielsweise in Werken wie denen seiner Landsmänner Zhu Shengze (Present.Perfect.) oder Jia Zhangke (A Touch of Sin) finden lässt.

Die Depression und die Kargheit Chinas im Film lässt niemanden unberührt, lässt niemanden entkommen. In teils schmerzhaft langen Schwarz-Weiß-Aufnahmen fängt Da Xiong die ausweglose Nacktheit und Verzweiflung eines Landes ein, die sich sowohl in urbanen wie auch ländlichen Gebieten zeigen. Nach kurzer Zeit schon wird man sich als Zuschauer mit einem Charakter wie der von Ji Lulu gespielten Arbeiterin wiederfinden, die nichts lieber möchte, als der Monotonie der Ölfelder zu entkommen, aber immer wieder von dem geduldigen Liu Huanrong zurückgebracht wird. In ihren Augen und Gesten liegt eine Ahnung von dem Gefängnis dieser Welt, dieses Anti-Lebensraumes, der alles daran setzt Menschen wie sie zu zermürben und es in vielerlei Hinsicht bei Figuren wie Liu auch geschafft hat.

Der Glaube an das Land
Der von Jiang Shouzi gespielte Liu Huanrong ist noch immer erfüllt von jenem Glauben an die soliden Werte im Leben. Harte Arbeit, Loyalität und Entgegenkommen sind die Tugenden dieses Mannes, Konzepte, die ihn in seiner vom Rest der Welt distanzierten Existenz auf den Ölfeldern geprägt haben. Jener unerschütterlicher Glaube an das Gute und den Aufschwung erfüllen diesen Mann, lassen ihn gar der etwas absurd wirkenden Beschäftigung nachgehen, Schaukeln in dieser kargen Landschaft zu bauen. Wie ein Wiedergänger von Arthur Millers Willy Loman, aus dessen Drama Tod eines Handlungsreisenden, wirkt dieser Mann, der an solche Werte glaubt, aber sich dadurch von der Realität um ihn herum weit entfernt hat.

The Swing Maker
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The Swing Maker
„The Swing Maker“ ist ein trostloser Film über das moderne China, eingefangen in der Geschichte eines Mannes, der an dessen Werte nach wie vor glaubt. Die Vision Da Xiongs verlangt viel von seinem Zuschauer, nicht nur Geduld, sondern auch das Aushalten dieser Traurigkeit, dieser Kargheit und dieser omnipräsenten Kälte. Sein Film mag nicht perfekt sein, aber Zündstoff für Diskussionen bietet er in jedem Fall, rückt er doch das Idealbild eines Landes zurecht, was dessen Eliten nur allzu gerne präsentieren.
6von 10

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