Room 237 Stephen King Shining

Room 237

Room 237 Stephen King Shining
„Room 237“ // Deutschland-Start: 19. September 2013 (Kino) // 2. Mai 2014 (DVD)

Horrorfilme geben in den seltensten Fällen Anlass für größere Diskussionen. Beispiele gab es natürlich schon im Laufe der Zeit, dass die Filmemacher mehr mit ihren Werken ausdrücken wollten, etwa indem sie auf die Gesellschaft verweisen oder existenzielle Fragen stellen. Doch ein Großteil dürfte in erster Linie ein Ziel verfolgen: das Publikum mal so richtig schön erschrecken! Ob Stanley Kubrick das mit Shining geglückt ist, darüber kann man geteilter Meinung sein. Für die einen ist es einer der großartigsten Horrorfilme aller Zeiten, andere finden die Geschichte um eine Familie, die einen Winter in einem leerstehenden Hotel verbringen, langweilig oder zumindest enttäuschend – darunter auch Stephen King, auf dessen Roman der Film basierte.

Unstrittig ist aber, dass Shining eine Vielzahl von Diskussionen anstieß, die bis heute fortgeführt werden. Diskussionen, die eben nicht nur zum Inhalt haben, ob Kubrick eine gute Verfilmung des Buches geglückt ist bzw. ob er dies überhaupt wollte. Zu sehr weicht die Adaption von der Vorlage ab, als das man dies ohne weiteres voraussetzen kann. Vielmehr ist das Werk des notorisch perfektionistischen Regisseurs derart vollgestopft mit irritierenden Details, die einem auf den ersten Blick gar nicht auffallen, dass man sich unweigerlich fragt: War das alles beabsichtigt? Und wenn ja, warum hat der Filmemacher das getan? Was genau wollte er uns mit dem Horrorfilm eigentlich sagen?

Ein Film, viele Sichtweisen
Rodney Ascher hat in seiner Dokumentation Room 237 eine Reihe dieser Diskussionen versammelt, lässt eine Reihe von Leuten zu Wort kommen, um mit dem Publikum ihre Theorien zu teilen. Diese könnten unterschiedlicher nicht sein, sowohl auf die Thematik wie auch die Plausibilität bezogen. Die mutmaßlichen Verweise auf den Holocaust mag man beispielsweise als weit hergeholt empfinden. Da Shining aber selbst von der Ermordung von Indianern spricht und sich mit den Schatten einer blutigen Vergangenheit auseinandersetzt, ist die Parallele zumindest nicht von der Hand zu weisen.

Kurioser sind da schon die Bemühungen, durch eine gleichzeitige Vorwärts- und Rückwärtsabspielung des Films zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Die Überblendungen der jeweiligen Szenen ergeben durchaus eindrucksvolle, etwas unheimliche Kombinationen, auch wenn die Vorstellung bizarr ist, Kubrick hätte die Szenen zu diesem Zweck gedreht. Auch eine beliebte Verschwörungstheorie, dass die Aufnahmen von der Mondlandung gefälscht sind und in Wahrheit von niemand Geringerem als Kubrick stammen, dürfte eher erheitern als wirklich Stoff zum Nachdenken zu heben. Daran ändern auch die kreativ interpretierten Elemente nichts, die als Beweis herbeigezogen werden.

Einladung zum Interpretieren
Ascher geht es aber auch nicht darum, einzelne Theorien zu bewerten. Er stellt sie gleichberechtigt nebeneinander, unterteilt in verschiedene Kapitel, überlässt es dem Publikum, aus dem Ganzen schlau zu werden oder es wieder zu verwerfen. Das Ziel von Room 237 ist dann wohl auch weniger, gemeinsam zu einem Schluss zu kommen. Vielmehr zeigt die Dokumentation auf, wie unterschiedlich ein und derselbe Filme von Menschen wahrgenommen werden kann. Dass man sich ein Leben lang damit beschäftigen kann, zwei Stunden zu analysieren und nach Hinweisen zu suchen – egal ob das nun ratsam ist oder nicht.

Die Doku, die auf dem Sundance Film Festival 2012 Weltpremiere hatte, richtet sich dann auch vorrangig an Filmfans, die sich etwas stärker mit der Materie und dem Regisseur auseinandersetzen wollen. Aber selbst wer nur beiläufiges Interesse an dem Stoff hat, darf sich immer wieder verblüffen lassen. Wenn beispielsweise Fenster in Zimmern sind, die keine Fenster haben dürften, Muster sich plötzlich umkehren und Türen an beliebige Orten zu führen scheinen, dann sind das nur ein paar Irritationen, derer man sich beim bloßen Anschauen von Shining gar nicht bewusst wird. Und auch wenn man daraus keine Schlüsse ziehen mag, man sich auch darüber streiten kann, wie viel von Kubrick bewusst eingesetzt wurde, so führen diese vielen Details doch auch dazu, dass der Klassiker so rätselhaft wirkt, man bis zuletzt nie ganz den Aufbau des Hotels versteht – und am Ende in diesem zu einem Gefangenen wird, wie eben auch die Figuren.



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„Room 237“ lässt eine Reihe von Leuten zu Wort kommen, die alle etwas über den Filmklassiker „Shining“ zu sagen haben. Einige der Entdeckungen sind verblüffend, andere eher kurios, der Dokumentarfilm will das alles gar nicht bewerten. Stattdessen führt er uns vor, wie unterschiedlich ein Werk aufgefasst werden kann und wie viele Interpretationen es einem ermöglicht.