In seinem Debütfilm Feedback – Sende oder Stirb (ab 29. November 2019 auf DVD und Blu-Ray) erzählt Pedro C. Alonso von einem Radiomoderator in der Krise: Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass diesem die Zuhörer davonlaufen, stürmen eines Tages auch noch maskierte Männer das Studio und nehmen ihn und seine Mitarbeiter als Geisel. Wir haben uns im Rahmen des Fantasy Filmfest 2019 mit dem spanischen Regisseur unterhalten und ihn über seinen Film, die Dreharbeiten sowie das visuelle Design seines Thrillers befragt.

Feedback wurde mir als ein Film vorgestellt, der viele Horrorelemente bedient. Was mich an dem Film fasziniert hat, war diese Atmosphäre der Wut und der Frustration, die von den Charakteren ausgeht. Woher kommt diese Wut?
Das ist interessant. Ich glaube, diese Wut ist das Resultat der Fehler, die sie in der Vergangenheit begangen haben, was ein Konzept ist, das mich sehr beschäftigt. Während des Schreibens kreierte ich diese Figuren auf Basis der Fehler, die sie begingen oder sie die während der Handlung des Films begehen. Die Wut ist damit das Ergebnis all dieser schrecklich falschen Entscheidungen.

Viele Kritiken behaupten ihr Film sei nicht nur ein Thriller, sondern zudem ein politischer Film, der zum Beispiel auf Themen wie den Brexit anspiele. Was halten Sie von diesen Ansichten?
Es war nicht meine Intention einen politischen Film zu machen. Aber sobald man einen Film wie Feedback in die Hände des Zuschauers legt, kommt dieser natürlich zu eigenen Lesarten, neuen Verbindungen. Aus meiner Sicht gibt es in dem Film keine klare Sichtweise oder ein klares Statement bezüglich tagespolitischer Themen, die in ihm berührt werden. Es gibt keine Botschaft. Jede meiner Figuren hat eine andere Meinung zu diesen Themen. Für mich lag das Verhalten dieser Charaktere im Fokus, wie sie miteinander umgehen. Diese Themen, die Sie ansprechen, waren Teil des Materials, welches ich den Schauspielern zur Verfügung stellte und mit dem sie arbeiten mussten.

Die von Eddie Marsan gespielte Figur des Jarvis ist aus mehreren Gründen interessant, nicht zuletzt aufgrund ihres Berufs. Was fasziniert Sie an der Figur des Radio-DJs? Warum ist es wichtig, dass er genau diesen Beruf ausübt?
Da Feedback mein erster Langfilm sein sollte, wollte ich das Projekt in einer kleinen, einfach zu kontrollierenden Umgebung spielen lassen, womit ich dann zu den Produzenten ging. Am Ende muss man nämlich immer auf bestimmte Dinge verzichten, wenn man mit zu hohen Ambitionen an seinen ersten Film herangeht. Natürlich kann man viele Spezialeffekte oder Verfolgungsjagden in einen Film unterbringen, aber die Realität sieht dann anders aus, wenn die Produzenten sagen, dies könne man so nicht machen und man müsse auf diese Aspekte verzichten. Feedback war so angelegt, dass man keine Elemente aus der Geschichte herausnehmen konnte.

Ich dachte also darüber nach, wo man eine solche Geschichte erzählen und zeigen kann. Zudem wollte ich, dass sich der Film realistisch anfühlt, was bei vielen Filmen, die ähnlich wie Feedback angelegt sind, leider nicht der Fall ist. Jeder von uns hat eine Vorstellung eines Radiostudios, auch wenn wir noch nie dort waren: Wir können verstehen, dass dieser Raum isoliert ist, kein Ton nach außen dringt und es räumlich sehr eingeschränkt ist. Dieses Setting bietet, wie ich schnell herausfand, viele interessante, dramaturgische Möglichkeiten. Zudem fand ich die Ironie in dem Bild eines Mannes attraktiv, der sich in einem Raum voller Kommunikationsequipment befindet, aber sich zunehmend selbst isoliert oder zu dieser Isolation gezwungen wird. Jarvis hat die Möglichkeit mit der ganzen Welt zu kommunizieren, wird aber daran von den Angreifern gehindert.

Nachdem also dieser Hintergrund für die Geschichte geklärt war, stellte sich die Frage, wer nun dieser Mensch ist, der sich im Studio befindet. Ich dachte viel an Menschen, die in der Medienbranche tätig sind, die sich und ihr Leben öffentlich machen, genauso wie an unsere Obsession mit Stars. Danach kamen Fragen wie, welcher Mensch sich hinter dieser Maske des Stars befindet, was passiert ist, sodass er nun Gefangener in seinem eigenen Studio ist. Daraus entstand dann mein Interesse an der Figur des Radio-DJs.

Feedback

In „Feedback“ spiel Eddie Marsan einen Radio-Moderator, der von Unbekannten als Geisel genommen wird (© Pandastorm Pictures)

Wie Sie bereits erklärten, bietet ein Setting wie das Radiostudio im Film viele Herausforderungen. Wie gestalten sich diese im Hinblick auf Aspekte wie Sound oder Kamera?
Das Design des Studios, das Finden einer Herangehensweise an diesen Ort nahm sehr viel Zeit in Anspruch und fand teils parallel zum Schreiben der letzten Version des Drehbuchs statt. Als Regisseur und Autor fand ich diesen Prozess sehr spannend, wenn man auf der einen Seite schreibt, wie sich eine Figur bewegt oder verhält und dann auf der anderen Seite dies anhand eines 3D-Modells des Radiostudios zu demonstrieren. Deswegen ist die Handlung des Films mit dem Handlungsort so eng verknüpft.

Eine Herausforderung war, dass ich keinesfalls etwas haben wollte, was sich eher gewöhnlich anfühlt. Visuell sollte dieser Ort hervorstechen, aber ich wollte auch nicht übers Ziel hinausschießen. Viele Ideen nahm ich beispielsweise mit bei der Besichtigung des neuen Gebäudes der BBC in London, denn unser Studio sowie die anderen Orte herum sollten in glaubhaft sein. Dazu kam noch, dass der Handlungsort sich natürlich verändern muss, je weiter wir in der Geschichte kommen. Wenn man seinen Zuschauer für circa 70 Minuten in einem Raum lässt, muss man diesen verändern, muss man eigentlich Bekanntes in einem neuen Licht zeigen. Daher haben wir sehr viel mit Licht, der Kamera sowie dem Sound gemacht, um diesen Ort mit der Zeit zu verändern.

In Bezug auf Sound bietet das Radiostudio viele Möglichkeiten. Bild und Ton stehen für mich, wenn es darum geht eine Geschichte zu erzählen, auf dem gleichen Level. So ist es auch in Feedback. Ähnlich wie die anderen Räume, zum Beispiel der gelbe Raum neben dem Studio, hinterlässt der Sound eine bestimmte Wirkung beim Zuschauer. Der volle Effekt, die ganze Story wird aber nur möglich im Zusammenspiel von Ton und Bild.

Neben Eddie Marsan arbeiten Sie bei Feedback mit vielen bekannten Talenten wie Richard Brake oder Ivana Baquero. Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dieser Besetzung?
Das war eine tolle Kollaboration und ich danke ihnen für alles, was sie zu dem Film beigetragen haben. Alle liefern sie tolle Interpretationen der Figuren, die sie spielen. Vor einem Monat wurde Feedback in Großbritannien veröffentlicht und alle Rezensionen heben insbesondere ihre Leistungen hervor. Während des Drehs war die Arbeit sehr organisch, sehr kollaborativ von der ersten Minute an. Eddie ist ein sehr versierter Schauspieler, der bei jeder Szene sich vergegenwärtigt, was gerade in seiner Figur vorgeht. Davon ausgehend reagiert er, handelt er als dieser Charakter und ist immer aufmerksam, wenn es darum geht eine in sich konsistente Vorstellung zu geben. Paul Anderson, der die Rolle des Andrew Wilde spielt, ist da ganz anders. Er improvisiert gerne und legt seine Darstellung darauf aus, was ihm die andere Person anbietet und wohin ihn das führt.

Für mich als Regisseur war es schön zu sehen, wie sich diese beiden sehr unterschiedlichen Herangehensweisen miteinander verbanden in den Szenen, die sie zusammen hatten. Wenn wir dann mit der Arbeit beginnen, das Skript durchgehen oder eine Szene besprechen, merke ich, wie gut diese Kollaboration funktioniert und wir eine glaubhafte Geschichte mit glaubhaften Charakteren erzählen. Natürlich war es dennoch hart, besonders bei dem recht engen Drehplan von vier Wochen, dem vielen Text, den sie lernen mussten sowie den vielen körperlich sehr anstrengenden Szenen. Dennoch war es wundervoll zu sehen, wie sich diese Geschichte immer mehr veränderte in den Händen dieser Darsteller.

Vielen Dank für das Interview und noch viel Erfolg mit dem Film.

Zur Person
Pedro C. Alonso wurde am 18. April 1975 in Spanien geboren. Nach seinem Abschluss im Bereich Audiovisuelle Kommunikation an der Universität Madrid war Alsonso unter anderem als Produktionsdesigner und Art Direktor tätig, betreute unter anderem zahlreiche Werbekampagnen für die spanische Regierung oder den Touristenverband der Kanarischen Inseln. Darüber hinaus führte er Regie bei vielen Musikvideos. Für seine Arbeit hat er bereits viele Preise entgegennehmen dürfen. Mit dem Kurzfilm Ver con los (propios) ojos gab der Regisseur und Drehbuchautor 2003 sein Debüt. Sein erster Langfilm Feedback – Sende oder Stirb über eine Geiselnahme bei einem Radiosender folgte 2019. 



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Pedro C. Alonso [Interview]
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