Duga

„Duga“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Die Nachricht hat Rasmané (Charles Wattara) schon schwer getroffen: Sein Freund Pierre ist gestorben! Für ihn versteht es sich von selbst, dass er sich um eine würdige Bestattung kümmert. Das ist jedoch sehr viel einfacher gesagt denn getan. Denn das Heimatdorf des Verstorbenen denkt gar nicht daran, diesem einen Ruheplatz zu geben. Soll er doch woanders unterkommen. Während Rasmané mit Pierres Kind und dessen Witwe durch die Gegend fährt und nach einem Ausweg aus dem Schlamassel sucht, haben andere mit einem gegenteiligen Problem zu kämpfen: Ein Kleinkind wurde gefunden und braucht nun dringend neue Eltern.

Afrikanische Filme haben es hierzulande recht schwer. Obwohl auf dem Kontinent durchaus genügend Titel produziert werden, die auch einem hiesigen Publikum gefallen könnten, in unseren Kinos ist dafür dann doch kein Platz. Immerhin, Festivals sind immer wieder eine gute Gelegenheit, um ein paar dieser kleinen, aber Exporte kennenzulernen. Einer davon trägt den Titel Duga bzw. Duga – Die Geier und wird derzeit von einem Festival zum nächsten weitergereicht, beispielsweise bei den Französischen Filmtagen Tübingen-Stuttgart 2019. Und das aus gutem Grund, mixt die Tragikomödie doch Lokales mit Elementen, die überall funktionieren.

Zwischen Kleinkind und Leiche
Genauer erzählt das Regieduo Abdoulaye Dao und Hervé Eric Lengani zwei Geschichten parallel. Die weniger interessante betrifft die Dorfbevölkerung, die sich eines kleinen Kindes annimmt, das es zufällig gefunden hat und bei dem erst einmal niemand wirklich weiß, was er damit anfangen soll. Die Passagen beziehen ein wenig Komik daraus, dass es sich bei den Findern um Leute handelt, denen man vielleicht das eine oder andere Verbrechen zutraut, nicht aber den verantwortungsvollen Umgang mit einem Kind. Aus einer solchen Konstellation hätte man sicherlich einiges herausholen können. Duga behandelt diesen Strang aber derart stiefmütterlich, dass man ihn schnell vergisst. In der offiziellen Inhaltsangabe taucht er nicht ohne Grund deshalb gar nicht auf.

Deutlich ergiebiger ist da die Geschichte um den Leichnam, der keinen Ruheplatz findet. Ein bisschen erinnert das an bekannte Komödien wie Hitchcocks Klassiker Immer Ärger mit Harry, wo eine Leiche für mächtig Trubel sorgt. Wobei Duga sich da gar nicht so sehr für den Körper an sich interessiert. Vielmehr zeigt der Film auf, wie andere auf ihn reagieren. Das kann sehr unterschiedlich sein, von Respekt bis zu großer Ablehnung. Tatsächlich besteht ein Teil des Spaßes mitanzusehen, was wohl als nächstes geschieht, welche Überraschungen die kleine Karavane und damit das Publikum erleben.

Satirischer Blick auf die Gesellschaft
Anders als so manche Leichenkomödie ist der Humor hier dann auch etwas gemeiner, geht gerne ins Satirische. Dabei wagt Duga einen kleinen Rundumschlag. Es spielt beispielsweise keine Rolle, an welche Religion die Begegnungen so glauben, ob sie auf der Seite des Gesetzes stehen oder im Gegenteil diese aus beruflichen Gründen brechen: Am Ende bekommt jeder so ein bisschen sein Fett ab. Dass im Mittelpunkt ein Toter steht – bzw. liegt – ist eigentlich Nebensache. Der Film gibt lieber einen Einblick in die aktuelle Gesellschaft Burkina Fasos, sowohl in sozialer wie auch religiöser Hinsicht.

Das ist nicht immer ganz nachvollziehbar. Wie es bei solchen Roadmovies meist der Fall ist, haben die einzelnen Ereignisse oft etwas Willkürliches an sich. Die einzelnen Szenen bauen nicht aufeinander auf, erfolgen in einer kaum zu durchschauenden Reihenfolge. Erschwerend kommt hinzu, dass es zwischenmenschlich keine Entwicklung gibt. Wo sonst Trips tendenziell Anlass sind, um Menschen zusammenzuführen und etwas aufzubauen, bleiben sich die Leute hier zu fremd, drehen sich mitunter gern mal im Kreis. Insgesamt ist diese Stagnation aber durchaus unterhaltsam und ungewohnt genug, dass auch zähere Passagen nicht ganz so ins Gewicht fallen.



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Duga
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Duga
„Duga“ nimmt uns mit nach Burkina Faso, wo ein Mann seinen Freund bestatten will, dabei aber regelmäßig auf Hindernisse stößt. Die satirisch gefärbte Tragikomödie ist ein willkommener und ungewöhnlicher Einblick in eine fremde Kultur, auch wenn der Ablauf willkürlich ist und es zu keiner echten Entwicklung kommt.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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