Stargirl

„Stargirl“ // Deutschland-Start: 2. Oktober 2019 (DVD/Blu-ray)

Ein flüssiger Organismus aus den Weiten des Universums landet auf der Erde. Dort trifft es in der Wüste auf karge Landschaften und so gut wie kein Leben. Wenig später stößt es jedoch auf ein Männermagazin, das ein verängstigter Junge bei dem Aufprall der Lebensform liegen gelassen hat. Den Sinn und Zweck dieser Manifestation einer modern-sexualisierten Welt erschließt sich dem Organismus zwar nicht, es versteht allerdings, dass das Covergirl keine willkürliche Anordnung von Formen sein kann. Und so verwandelt sich das Wesen fortan in Stargirl, eine von Menschen nicht zu unterscheidende Kopie des Covergirls und erlebt daraufhin eine Odyssee in der Welt der Menschen. Währenddessen fühlt sich das in New York lebende tatsächliche Covergirl Juliana (Lauren Ashley Carter) ähnlich fremd in ihrem Körper …

Zwei Seiten einer Medaille
Während Stargirl fürs erste bei einer Migrantenfamilie unterkommt und die Grundlagen des menschlichen Lebens lernt, stellt Juliana ihr Leben immer häufiger infrage. Als Pornodarstellerin ist dies aber wenig verwunderlich, da sie sich selbst zunehmend als Gefangene in einem träumeraubenden System ansieht. Viel lieber würde sie jedoch frei sein, Klavier spielen, ein glückliches Leben führen und schlichtweg den richtigen Platz in der Welt finden. Da Letzteres ebenso bei Stargirl zutrifft, fokussiert sich Natasha Kermani, die Regie und Drehbuch übernahm, in erster Linie auf die Kontrastierung beider Leben. Was heißt es Mensch zu sein und worin liegt die Bedeutsamkeit in einem menschlichen Leben, sind Fragen, die sich in der Hinsicht besonders gut herauskristallisieren.

Das Fremde in der Welt
Neben diesen Fragen hält sich Stargirl aber zentral an das Motiv des Fremdseins, sei es nun fremd im eigenen Körper oder fremd auf dieser Erde. Wie das Leben von Juliana, welches von Drogen, bedeutungslosem Sex und schlaflosen Nächten bestimmt wird, so ist das Leben des außerirdischen Wesens, das sich ebenso fremd in seiner Haut fühlt, in gewisser Weise ähnlich. Irgendwie miteinander verbunden, steigt man als Zuschauer jedoch nicht ganz dahinter, warum das Alien auf der Erde gelandet ist. Das einmal in den Hintergrund gestellt, ist es aber trotzdem spannend, wenn man beide Wesen gleichermaßen als unvollkommen ansieht. Als Stargirl eines Abends ihr Original im Fernsehen sieht, bricht es auf, um sie zu finden, koste es was es wolle. Die Frage was passieren würde, wenn beide aufeinander treffen, hebt sich Kermani dann aber bis zu den letzten Minuten auf. Wenig spektakulär, dafür aber umso chiffrenhafter, endet Stargirl so mit einem, je nach Ansichtssache, viel- oder nichtssagendem Ende.

Verspieltes Potential
Wirklich schlüssig und gänzlich überzeugend kann man „Stargirl aber nicht nennen, da viele Ansätze nur oberflächlich angeschnitten werden, sei es nun in puncto Bedeutung von Sexualität im heutigen Zeitalter oder beim zentralen Thema des Fremdseins, das ab einem gewissen Punkt an Bedeutung verliert. Hinzu kommt, dass die Odyssee des außerirdischen Wesens nach New York in keinster Weise festgehalten wird. Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass Stargirl kein Roadmovie sein möchte, dennoch hätte es hier Potential gegeben den einen oder anderen Ansatz zu vertiefen. Wer sich zudem an den leicht vergleichbaren Under the Skin erinnert fühlt und einen ähnlich faszinierenden Film erwartet, der sollte seine Erwartungen ein wenig zügeln. Dafür ist der Stil hier auch zu minimalistisch.



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Stargirl
Als ein Portrait über Selbstfindung, Fremdsein, Unvollkommenheit und Verbundenheit zweier Wesen, zeigt uns „Stargirl“ das elegische Leben von dem Covergirl Juliana und ihrer „zweiten Hälfte“ anderer Art, welches in einem chiffrenhaften und symbolischen Ende kulminiert.
5von 10

Über den Autor

Freier Autor

Ich bin freiberuflicher Autor und seit vielen Jahren leidenschaftlicher Filmfan, wobei mein Fokus den kleineren Filmperlen gilt.

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