Angel Heart

„Angel Heart“ // Deutschland-Start: 3. September 1987 (Kino) // 19. September 2019 (DVD/Blu-ray)

New York, Mitte der 1950er Jahre. Der wenig erfolgreiche Privatdetektiv Harry Angel (Mickey Rourke) wird von dem mysteriösen Louis Cyphre (Robert De Niro) beauftragt, einen gewissen Johnny Favorite ausfindig zu machen. Seine Reise über Coney Island bis in den Süden, nach New Orleans, wird dabei von einen Mysterium nach dem anderen begleitet. Doch Angel lässt sich nicht unterkriegen, im Gegenteil. Er gehört zu der Art Detektiv, die um jeden Preis den Fall bis ins kleinste Detail aufklären wollen. Bald merkt er, dass die Ereignisse, die um ihn herum passieren, keine Zufälle sein können. Nach und nach verliert er so immer mehr Kontrolle über den Fall, bis er letztlich einsehen muss, dass die tragischen Geschehnisse von Anfang an miteinander zusammen hängen und er die ganze Zeit auf dem Holzweg war.

Vielschichtigkeit im Krimi
Angel, ausgestattet mit Zigarettenpackung, Kanone, einer Reihe von scheinbar gestohlenen Ausweisen und einer großen Portion Charisma, ist im ersten Drittel der typische Privatdetektiv, wie wir ihn aus vielen Filmen kennen. Doch es bleibt nicht dabei. Da er von einer misslichen Situation in die nächste rutscht, wird aus dem eher klassisch gehaltenen Detektiv bald ein wundersamer Charakter, welcher seltsame Flashbacks erlebt und von grausamen Alpträumen verfolgt wird. Alan Parker, der Regie und Drehbuch übernahm, merkt man in der Hinsicht an, dass sein Fokus der Vielschichtigkeit im Film gilt, was darüber hinaus auch sein letztes Werk Das Leben des David Gale gezeigt hat. Während Angel die ganze Zeit dem Mysterium um Johnny auf der Spur ist, so sind wir als Zuschauer dagegen viel mehr mit der Enträtselung von Angels Figur beschäftigt. Dies ist, wie sich später herausstellt, überaus interessant anzusehen.

Suspense bis zur letzten Minute
Alptraumhafte Sequenzen und auffallend originelle Bilder, verbunden mit einer immer rätselhafteren Story sorgen für eine gelungene Atmosphäre. Teilweise erinnert dies ein wenig an Alfred Hitchcock, sei es nun im Punkt Spannung bis zur letzten Minute oder in Hinblick auf die durchdachten Bildkompositionen beim Licht- und Schattenspiel. Aufgrund fehlender Stringenz und geheimnisvollen Tendenzen, beispielsweise in Richtung Voodoo, stellt sich dann aber doch bald eine Ahnung ein, dass bei den Ermittlungsarbeiten von Angel etwas nicht stimmen kann. So kommt es, dass Angel dann bald mit seltsamen Menschen in Kontakt kommt, einen Mord nach dem anderen miterlebt und schlussendlich nicht mehr der Jäger, sondern der Gejagte ist.

Subliminale Wahrnehmung
Biblische Symbolik, Glaube, Aberglaube, Voodoo und Okkultismus spielen eine anhaltende Rolle. Weshalb das Ganze fragt man sich zwar schon zu Recht, doch Geduld. Mit nicht einmal 120 Minuten fällt Angel Heart schließlich noch relativ kurz für die sonst umschweifige Geschichte aus, die auf einer 1978 erschienen Novelle von William Hjortsberg basiert. In der Gesamtheit richtet sich Angel Heart mehr an Genrefans, da sich aus dem anfänglichen Krimi ein Neo-Noir-Thriller mit recht blutigen Szenen entwickelt. Eine Originalbewertung im Jahr 1987 mit FSK 18, die erst vierzehn Jahre später auf FSK 16 herabgesetzt wurde, überrascht daher wenig. Diese Brutalität einmal in den Hintergrund gestellt, entpuppt sich Angel Heart als recht gelungenes Werk, dessen Stärken in der Vielschichtigkeit und Symbolik zu finden sind.



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Angel Heart
Als der heruntergekommene Privatdetektiv Harry Angel auf den geheimnisvollen Louis Cyphre trifft, erhält dieser den Auftrag seines Lebens. Während ein Mord nach dem nächsten folgt und der anfängliche Krimi sich in einen mysteriösen Thriller wandelt, muss Harry und auch der Zuschauer nach und nach feststellen, dass die Dinge nicht so sind, wie sie scheinen. Das ist bis zuletzt spannend, arbeitet viel mit religiösen Motiven, spart aber auch an Brutalität nicht.
7von 10

Über den Autor

Freier Autor

Ich bin freiberuflicher Autor und seit vielen Jahren leidenschaftlicher Filmfan, wobei mein Fokus den kleineren Filmperlen gilt.

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