Ein letzter Job King of Thieves
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Ein letzter Job

Ein letzter Job King of Thieves
„Ein letzter Job“ // Deutschland-Start: 25. April 2019 (Kino)

Früher einmal, da war Brian Reader (Michael Caine) ein berühmter Dieb. Doch das ist lange her. Inzwischen hat der Berufsverbrecher 77 Jahre auf dem Buckel, sein letztes Ding liegt eine Weile zurück. Wirkliche Perspektiven hat er auch keine, seit dem Tod seiner Frau vegetiert er ein wenig vor sich her. Da hat er den Einfall, gemeinsam mit ein paar alten Kumpels und Kollegen einen Tresor zu knacken, in dem sich ein Vermögen befinden soll. Terry (Jim Broadbent), Danny (Ray Winstone), John (Tom Courtenay) und Carl (Paul Whitehouse) sind dann auch schnell dabei, die Aussicht auf eine üppige Rente ist zu verführerisch. Ganz so einfach wie gedacht ist der Einbruch dann aber doch nicht …

Nur noch einmal, dann ist aber Schluss, ganz großes Ehrenwort! Wann immer in Filmen ein Verbrecher das sagt, wissen wir schon: Das geht schief. Mal, weil es die Betreffenden trotz bester Absichten nicht aus dem Verbrechenssumpf schaffen. Mal weil dieser besagte letzte Coup irgendwie in einer Katastrophe endet. Das ist bei Ein letzter Job nicht wirklich anders. Zwei Punkte sind es jedoch, die diesen Beutezug von der Konkurrenz unterscheiden. Zum einen basiert er auf einem wahren Kriminalfall, dem vermutlich größten Einbruch in der Geschichte Großbritanniens – bis zu 200 Millionen Pfund sollen die erbeuteten Juwelen wert gewesen sein. Zum anderen waren die Diebe alle im deutlich fortgeschrittenen Alter.

Alle Mann an Bord!
Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für die Filmindustrie, mehrere Verfilmungen hat es seit dem Vorfall 2015 bereits gegeben. Und auch eine Serie war eigentlich in Planung. Ein letzter Job ist sicher der profilierteste Versuch, aus dem Verbrechen Kapital zu schlagen, zumindest im Hinblick auf die beteiligten Namen. Regie führte James Marsh, dank der oscarprämierten Doku Man on Wire und dem Stephen-Hawkins-Biopic Die Theorie des Unendlichen durchaus erfahren mit filmischen Adaptionen wahrer Schicksale. Es gibt einen britischen Altstar- und Allstar-Cast, angeführt von Michael Caine (Ewige Jugend, Kingsman: The Secret Service). Und damit auch das jüngere Publikum noch eine Identifikationsfigur hat, darf Charlie Cox (Daredevil) als Experte für die moderne Technik mitmischen.

Eigentlich sollte Ein letzter Job also ein No-Brainer sein, was gediegene Unterhaltung angeht. Stattdessen fehlen dem Film aber viele andere Zutaten, die einen gelungenen Kinoabend ausmachen. Spannung zum Beispiel. Zwar nimmt sich Marsh recht viel Zeit, um den großen Coup vorzubereiten, wenn er nach und nach die Figuren einführt und sie munter vor sich hin planen lassen will. Der Überfall an sich ist dafür recht unspektakulär, ist irgendwie schon vorbei, bevor er angefangen hat. Nun erwartet sicher niemand bei einer Rentnergang große Verfolgungsjagden und Schusswechsel, zumal die 2015 eben auch nicht stattgefunden haben. Mit einem derartigen Nichtereignis tut man sich jedoch ebenfalls keinen wirklichen Gefallen.

Und was jetzt?
Wobei auch nie wirklich klar wird, was genau mit Ein letzter Job überhaupt angedacht gewesen war. Über längere Strecken ist der Film mehr mit den komödiantischen Aspekten beschäftigt, wenn Senioren noch einmal ein großes Ding durchziehen wollen. Doch so richtig lustig ist es nicht, alten Herren bei ihren Diskussionen zuzuhören, wer nun an welchem Diabetestyp leidet. Das war sicherlich als absurd-amüsanter Kontrast gedacht zu dem harten Verbrechen. Drehbuchautor Joe Penhall verließ sich jedoch zu sehr darauf, dass der Kontrast als solcher schon die ganze Arbeit erledigt, mehr investierte er nicht. Dem Film fehlt also auch dort der Schwung. Allenfalls während der späteren Streitereien – so ein Juwelenregen muss ja erst einmal verkraftet und verteilt werden – kommt es zu so etwas wie Spannung. Jim Broadbent (Vom Ende einer Geschichte) darf sich hier mal von einer ungewohnt impulsiven Seite zeigen.

Das allein ist jedoch zu wenig, um dem etwas hüftsteifen Film über die Zielgerade zu helfen. Wie so etwas deutlich besser geht, zeigt der kürzlich gestartete Ein Gauner & Gentleman mit Robert Redford, der ebenfalls auf einer wahren Geschichte basierend von einer räuberischen Rentnergang erzählt. Auch dort gab es keine Actionszenen, war der Humor eher zurückgenommen. Dafür aber jede Menge Charme. Man sah den Figuren einfach gern dabei zu, wie sie im Alter noch einmal etwas wagen wollten. Bei den Kollegen in Ein letzter Job ist einem das hingegen ziemlich egal, auch wenn Readers Verlust seiner Ehefrau immer wieder thematisiert wird. Dafür bleiben sie zu einseitig, zeigen zu wenig Persönlichkeit, für die man sich interessieren könnte.



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„Ein letzter Job“ erzählt die wahre Geschichte einer Gruppe von Senioren, die noch einmal einen großen Beutezug wagen. Das ist trotz der prominenten Besetzung und des witzigen Szenarios nicht wirklich sehenswert. Die Gags zünden nicht wirklich, der Raub an sich bleibt ohne Spannung, der Film ohne eindeutiges Konzept, nicht einmal die Figuren sind ein nennenswerter Grund, hier vorbeizuschauen.
4
von 10