Für eine Mutter ist es wohl die schlimmste Erfahrung, die sie machen kann: der Tod der eigenen Kinder. Doch was, wenn die Kinder nur fort sind, man nicht genau weiß, was mit ihnen geschehen ist? Man sie nicht einmal wirklich betrauern kann? Dieses Schicksal hat eine Frau hier ereilt, die stellvertretend für so viele steht, die bis heute unter den Auswirkungen der Jugoslawienkriege zu leiden haben. Entführt hatte man ihre beiden Kinder, nur wenige Monate und Jahre alt, zusammen mit vielen anderen Kindern und Frauen. Was im Anschluss aus ihnen wurde, ob sie getötet wurden oder leben, keiner weiß es.

Auf der Suche nach Gewissheit
Red Rubber Boots, der im Programm der Berlinale Shorts 2019 unter dem Originaltitel Crvene gumene čizme läuft, begleitet sie und andere, wie sie über Felder laufen, Höhlen erforschen, auf der Suche nach den Überresten. Die roten Stiefel, welche dem dokumentarischen Kurzfilm den Titel geben, soll der Sohn an dem Tag der Entführung getragen haben. Sie sind Symbol und Erkennungszeichen gleichermaßen, etwas womit die Leiche von den suchenden Männern identifiziert werden könnte.

Viele Kontexte gibt Regisseurin Jasmila Žbanić dabei nicht. Ein paar Texttafeln zu Beginn und zum Schluss klären auf, was das Thema ist: Tausende von Menschen, die während des Kriegs verschwanden und noch immer nicht gefunden werden konnten. Vergraben, so die Befürchtung, in einem der vielen versteckten Massengräber. Der Film selbst stammt bereits aus dem Jahr 2000, die Zahlen können sich seither daher durchaus noch geändert haben. Aber um Zahlen geht es nicht. Vielmehr gewährt der Film einen nüchternen und doch schmerzhaften Einblick in einen aussichtslosen Kampf einer Mutter, die nicht vergessen will, nicht aufgeben will, auch wenn sie das ganze Land umgraben muss.



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Red Rubber Boots
Der dokumentarische Kurzfilm „Red Rubber Boots“ stellt uns eine Frau vor, die stellvertretend für viele nach Angehörigen sucht, die während der Jugoslawienkriege verschwunden sind. Das ist nüchtern und schmerzhaft zugleich, zeigt einen Kampf, der keine Gewinner kennt.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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