„Revolutions“, Irland, 2016
Regie: Laura McGann

Revolutions

„Revolutions“ läuft im Rahmen des Shebeen Flick Irish Film Festival 2018 (15. bis 25. März 2018)

Wir alle lieben doch eine gute Underdog-Story. Wenn Außenseiter, Ausgestoßene, Belächelte oder Menschen aus wenig privilegiertem Hintergrund es der arroganten Elite zeigen, das freut das Herz. Zumindest, wenn besagte Verlierer-Gewinner sympathisch genug sind, dass wir uns selbst in ihnen sehen wollen. Bei Revolutions funktioniert das aber nur zum Teil. Das liegt jedoch weniger an dem Sympathiefaktor der gezeigten Damen. Es ist vielmehr der Kontext der Verlierer, der das mit dem Einfühlen erschwert. Denn wer kann schon von sich behaupten, beim Roller Derby mitzumachen?

Auch in Irland waren es bis vor einigen Jahren nur sehr wenige, die Doku zeigt die ersten Rollversuche zweier konkurrierender Mannschaften – Dublin und Cork. Die müssen sich schnell zusammenraufen, wenn sie bei der anstehenden Weltmeisterschaft eine Chance haben wollen, ihr Land würdig zu vertreten. Aber wie das nun mal so ist, wenn Konkurrenten gemeinsame Sache machen müssen: Das klappt nicht immer so gut. Wenn die Damen versuchen, allen Unkenrufen zu trotzen und dem Rest der Welt zu zeigen, wo der Rollschuh hängt, dann ist das immer mit Spannungen verbunden.

Zwischen Sport und Alltagszwang
Mehrere Jahre hat Regisseurin Laura McGann die Sportlerinnen begleitet, zeigt sie nicht nur bei internationalen Wettkämpfen, sondern auch im Alltag. Und der macht sie erst recht zu Verliererinnen. Irland steckt gerade mitten in der Wirtschaftskrise, Jobs sind rar, selbst für Menschen mit Universitätsabschlüssen. Revolutions ist daher nicht allein eine Doku über einen kuriosen Sport. Es ist gleichzeitig das Porträt einer Gesellschaft, der die Perspektive fehlt. Die gezwungen ist, beliebige Arbeiten anzunehmen, nur um irgendwie über die Runden zu kommen. Das hat natürlich auch Einflüsse auf das Team, das immer wieder von wirtschaftlichen Zwängen eingeholt wird – etwa wenn ein Mitglied in eine andere Stadt umziehen muss und somit nicht weitertrainieren kann.

Das macht den Beitrag vom Shebeen Flick Irish Film Festival 2018 auch für die Menschen sehenswert, die mit dem Nischensport nichts anfangen können. Und das dürften schließlich die meisten sein. McGann hat auch kein Interesse daran, den Sport als solchen zu promoten. Wer vor dem Film keine Ahnung hat, wie dieser funktioniert, ist im Anschluss nicht schlauer geworden. Was leider ebenfalls etwas auf der Strecke bleibt: Warum machen diese Frauen den Sport eigentlich? Auch wenn Revolutions durchaus persönlichere Töne anschlägt und sich stärker für die Protagonistinnen als für den Sport begeistert, die Verbindung von beidem bleibt manchmal auf der Strecke.



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Revolutions
„Revolutions“ begleitet über einen Zeitraum von mehreren Jahren eine Gruppe von Frauen, die das erste irische Roller Derby Team bilden. Das mischt Kurioses mit Underdog-Elementen und hat gleichzeitig einiges über die Wirtschaftssituation Irlands zu erzählen. Sehr viel schlauer ist man über diesen Sport im Anschluss aber nicht, weder in Hinsicht auf die Regeln, noch was die Faszination an diesem ausmachen soll.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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