„The New Avengers“, UK/Kanada/Frankreich, 1976/77
Regie: Diverse; Drehbuch: Diverse
Darsteller: Patrick Macnee, Gareth Hunt, Joanna Lumley

Mit Schirm Charme und Melone The New AvengersEs wird ja heute ganz gern darüber geschimpft, wie schrecklich einfallslos Hollywood geworden ist. Wie sehr es sich selbst kopiert, dieselben Figuren immer wieder aus Neue auf die Leinwand lässt. Dabei ist das Konzept späte Fortsetzungen bzw. Reboots keine neue Erscheinung. Siehe Mit Schirm, Charme und Melone. Nein, die Rede ist hier nicht von dem missglückten Versuch, die Kultserie aus den 1960ern dreißig Jahre später als Kinofilm wiederzubeleben. Ganz gern mal vergessen wird, dass auch in der zweiten Hälfte der 1970er das Konzept erneut ausgegraben wurde, in der Hoffnung, an die glorreichen alten Zeiten anzuknüpfen. Mit überschaubarem Erfolg, das mit der Finanzierung wollte irgendwie nie so richtig hinhauen.

Dabei war die Serie für sich genommen gut, besser als so mancher Fan es vielleicht zugeben wollte. Das größte Problem von The New Avengers war nicht die mangelnde Qualität, sondern die viel zu großen Fußstapfen, welche die ersten Staffeln hinterlassen hatten. Und das betrifft vor allem die Partner, welche dem Geheimagenten John Steed (Patrick Macnee) an die Seite gestellt wurden. Unter diesem Problem hatte schon die sechste Staffel zu leiden. Mit Tara King (Linda Thorson) wurde zwar erstmals eine richtige Agentin hinzugeholt, anstatt wie bei Cathy Gale (Honor Blackman) und Emma Peel (Diana Rigg) fähige Hobbyermittlerinnen ins Rennen zu schicken. Allerdings war sie zu jung, es fehlte ihr der Biss für die witzigen Auseinandersetzungen mit dem charmanten Patriarchen Steed.

Aus zwei wird drei
Bei The New Avengers versuchte man das dann auch gar nicht mehr. Stattdessen gab es mit Mike Gambit (Gareth Hunt) und Purdey (Joanna Lumley) gleich zwei Partner. Die kleineren Wortgefechte zwischen Steed und den Partnerinnen, sie wurden auf die beiden jüngeren Kollegen übertragen. Auf der einen Seite war das löblich, der Altersunterschied zwischen Steed und den Damen wäre 1976 endgültig zu groß gewesen. Andererseits ging damit viel von der Dynamik verloren, welche gerade die Gale-/Peele-Ära auszeichnete. Erschwerend kommt hinzu: Hunt und Lumley, durchaus kompetente Schauspieler, konnten es einfach nicht mit den großen Vorbildern aufnehmen, welche Mit Schirm, Charme und Melone zu einer solchen Ausnahmeerscheinung gemacht haben.

Inhaltlich ist The New Avengers hingegen sehr viel besser als der Ruf. Brian Clemens, der seinerzeit die erste Folge von Mit Schirm, Charme und Melone schrieb und die Serie über die folgenden fünf Staffeln entscheidend mitprägte, war auch hier wieder mit an Bord. Und zumindest über weite Strecken füllte er die Geschichten mit der gleichen eigentümlichen Mischung aus klassischen Spionageeinsätzen, kleineren Science-Fiction-Elementen, viel Humor, viel Exzentrik und natürlich jeder Menge Britishness. Da mag ruhig gerade die Welt untergehen. Das entschuldigt aber nicht, Stil oder die Fassung zu verlieren.

Kleine Bonbons für die Fans
Langzeitfans sollten zudem mit kleineren Bonbons geködert oder auch bestochen werden. Da gibt es Anspielungen an frühere Mitstreiterinnen, einer der berühmtesten Fälle wird fortgesetzt, einige bekannte Gesichter tauchen wieder auf – wenn auch unter einem anderen Namen. Die leicht surreale Atmosphäre von Mit Schirm, Charme und Melone, sie ist auch hier zu finden. Mit der Hochphase 1966/1967 kann es die zehn Jahre später produzierte Serie natürlich nicht aufnehmen, dafür fehlt neben der Persönlichkeit von Blackman und Rigg auch das entfesselt-bahnbrechende Element. Vor allem zum Ende hin wurde The New Avengers ein bisschen sehr genügsam. Sammler sollten sich davon aber nicht abhalten lassen, denn auch in dieser schwächeren Version bleibt eine gute Serie, die 40 Jahre später immer noch Spaß macht.

Mit Schirm, Charme und Melone – The New Avengers
4.67 (93.33%) 3 Artikel bewerten

Mit Schirm, Charme und Melone – The New Avengers
Ach ja, die gab es auch noch. „The New Avengers“ wird ganz gern mal vergessen, wenn über „Mit Schirm, Charme und Melone“ gesprochen wird. Verständlich, denn die späte Fortsetzung kann es aufgrund der Neubesetzung und der geänderten Dynamik nicht mit der Hochphase aufnehmen. Für sich genommen ist aber auch diese Serie noch gut, enthält viele der Elemente, welche damals das „Original“ auszeichnete.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.