(OT: „Je me tue à le dire“, Regie: Xavier Seron, Frankreich/Belgien, 2016)

Wenn ich es oft genug sage wird es wahr

„Wenn ich es oft genug sage, wird es wahr“ läuft seit 14. Dezember 2017 im Kino

Das Verhältnis von Michel Peneud (Jean-Jacques Rausin) zu seiner Mutter Monique (Myriam Boyer) war schon immer sehr eng, seit frühester Kindheit. Daran hat sich auch jetzt nichts geändert, wo sie alt ist und mit einer Schar Katzen zusammenwohnt. Die Diagnose trifft ihn daher auch ziemlich hart: Krebs. Nur noch wenige Monate werden seiner Mama noch bleiben. Während die mit der Situation ganz gut klarkommt und beschließt, die verbleibende Zeit zu genießen, reagiert Michel ziemlich panisch. Schließlich ist seine Gesundheit auch nicht die beste, ist sie nie gewesen. Als er dann auch noch einen Knoten in seiner Brust entdeckt, ist er sich sicher: Brustkrebs.

Während französische Komödien aus dem deutschen Kinos nicht mehr wegzudenken sind, sind die belgischen Kollegen ein wenig unterrepräsentiert. Was kein großes Wunder ist. Die Werke der Grande Nation sind meistens entweder romantischer oder alberner Natur, etwas, in dem sich viele wiederfinden dürfen. Bei den Belgiern geht es oft etwas härter zur Sache, bissiger, um nicht zu sagen böse. Das brandneue Testament zeigte uns Gott in einem etwas anderen Licht, auch In the Name of the Son – Sprich dein Gebet war eine teil schwer verdauliche Abrechnung mit der Institution Kirche.

Ein Humor zum Totlachen
Wenn ich es oft genug sage, wird es wahr passt da ganz gut in die Reihe, gleichzeitig aber auch wieder nicht. Xavier Seron, der hier Regie führte und das Drehbuch schrieb, ist zweifelsfrei ein Anhänger eines etwas schwärzeren Humors. Die Verbindung von Leben und Tod, von Mutterliebe und Krankheit. Der Film beginnt damit, dass Michel einen Sarg probeliegt, man könne ja nie wissen. Und wenn zum Ende hin Kommerz und Lebensfunktionen auf eine unerwartete Weise zusammenfinden, dann ist auch das erst einmal hart zu schlucken.

Schön ist zudem sein Gespür fürs Absurde. Situationen laufen nicht immer so, wie man es unbedingt erwartet, manches kommt gar aus dem Nichts. Das kann auf der inhaltlichen Seite passieren, teils auch in der Bildsprache. Ungewöhnliche Perspektiven und unerwartete Bildelemente sorgen dafür, dass der Alltag nicht ganz so alltäglich ist, wie er eigentlich sein sollte. Und dann wäre da ja noch die Kombination von hässlich und schön: Wenn in anderen Filmen alles in schwarzweiß gedreht wird, dann oft aus künstlerisch-ästhetischen Gründen. Sonderlich ästhetisch ist Michel aber nicht, auch wenn immer wieder das Gegenteil behauptet wird. Übergewichtig, stark behaart, am Ende ohne Kopfhaar – das ist kein gewöhnlicher Protagonist.

Die Leere des drohenden Nicht-Seins
Gleichzeitig neigt Seron, der letztes Jahr für The Black Bear den Kurzfilmpreis beim Fantasy Filmfest gewann, aber auch immer wieder zu Albernheiten, etwa Michels Versuche, Schauspieler zu werden. Und die sind nicht unbedingt komisch. Manchmal sogar langweilig. Erschwerend kommt hinzu, dass Wenn ich es oft genug sage, wird es wahr keine wirklich durchgängige Geschichte erzählt. Stattdessen ist die Komödie eine Aneinanderreihung von einzelnen Sketchen, die oft nicht aufeinander aufbauen. Die sind teilweise sehr amüsant und machen den Film in seiner Gesamtheit lohnenswert. Ähnlich zu Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach ist da zwischendrin aber zu viel Leerlauf, trotz der kurzen Laufzeit von rund 85 Minuten, um wirklich auf Dauer zu überzeugen.

Wenn ich es oft genug sage, wird es wahr
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Wenn ich es oft genug sage, wird es wahr
„Wenn ich es oft genug sage, wird es wahr“ erzählt die Geschichte eines Hypochonder-Muttersöhnchens, das an der Krebskrankheit der Mutter verzweifelt. Das ist teilweise böse und wunderbar absurd, teilweise albern bis etwas langweilig. Sehenswert ist das aber auch schon der hässlich-schönen Schwarzweißbilder wegen, die immer wieder ungewohnte Perspektiven einnehmen.
6von 10

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