(OT: „A Date for Mad Mary“, Regie: Darren Thornton, Irland, 2016)

Ein Date für Mad Mary

„Ein Date für Mad Mary“ läuft ab 14. Dezember 2017 im Kino

Endlich wieder frei! Sonderlich ruhig wird das Leben für Mary (Seána Kerslake) aber nicht, nachdem sie ihre Gefängnisstrafe abgesessen hat. Schließlich steht ihre beste Freundin Charlene (Charleigh Bailey) kurz vor der Hochzeit – und Mary soll die Trauzeugin werden! Da gibt es einiges zu tun. Die Rede will geschrieben werden. Sie muss sich um das Hochzeitsvideo kümmern, welche Jess (Tara Lee) drehen soll. Außerdem braucht sie dringend ein Date. Aber das stellt sich alles als ziemlich kompliziert aus. Auch wenn sie sich fleißig mit Männern trifft, der richtige will irgendwie nicht dabei sein. Stärker aber noch lastet auf ihr, dass Charlene irgendwie für nichts mehr Zeit hat und überhaupt ganz anders ist als früher.

Ach ja, Hochzeiten. Der potenziell schönste Tag des Lebens. Und der Tag, der wie kein anderer für Chaos, Spannungen und Abrechnungen prädestiniert ist. Kein Wunder also, dass ein solches Ereignis ein gefundenes Fressen für all die Filmemacher ist, die sich mit den zwischenmenschlichen Fallstricken auseinandersetzen wollen. Das kann sehr komisch sein oder auch sehr traurig. Ein Date für Mad Mary geht zunächst in die erste Richtung. Denn wenn schnell für das Fest, welches die Zweisamkeit feiert, noch eine passende Begleitung gesucht werden muss, dann geht das in Filmen praktisch immer schief – siehe Mike and Dave Need Wedding Dates.

Wenn komische Käuze aufeinandertreffen
Doch keine Sorge: Die irische Independentproduktion ist nicht einfach eine weitere derbe Komödie, die lediglich einen Anlass für derbe Zoten sucht. Der Humor ist eher in den Figuren an sich angelegt. Vor allem zu Hause – Mary wohnt notgedrungen wieder bei ihrer Mutter Suzanne (Denise McCormack) – gibt es einige schön bissige Auseinandersetzungen. Höhepunkt ist hierbei die Großmutter, die für jede Situation den passenden bösen Spruch auf den Lippen hat. Wobei natürlich auch die Protagonistin selbst nicht auf den Mund gefallen ist und ganz gerne mal auf andere verbal einprügelt. Hinzu kommen Marys Männerbekanntschaften, die vorwiegend im skurrilen Bereich angesiedelt sind.

Hinter der heiteren Fassade warten aber nicht ganz so schöne Erkenntnisse, sowohl für Mary selbst wie auch für das Publikum. So verschweigt uns Darren Thornton, der hier Regie führte und am Drehbuch mitschrieb, relativ lange, weshalb seine verrückte Titelfigur überhaupt im Knast saß. Kleinere Hinweise verteilt er zuvor. Dennoch trifft der Moment hart, wenn die Wahrheit zur Sprache kommt – gerade auch weil er dabei keine Sprache verwendet. Überhaupt ist Ein Date für Mad Mary kein Film der großen Worte. Kommuniziert wird, doch an die heißen Themen traut sich keiner recht ran. Vieles steht mitten im Raum, weil die Figuren entweder nicht darüber sprechen wollen, zum Teil vielleicht auch gar nicht erkennen, dass es da überhaupt Gesprächsbedarf gibt.

Einfühlsame Suche in vielerlei Hinsicht
Das Thema LGBT wird hierbei angeschnitten, weshalb der Film auch auf mehreren entsprechenden Festivals lief. Dennoch geht es hier mehr um Coming of Age denn um ein Coming-out, um eine typische Selbstsuche in jungen Jahren. Wer bin ich? Wer will ich sein? Wie gehe ich damit um, wenn sich um mich herum alles verändert? Trotz des Humors, trotz einiger hässlicher Zwischenfälle: Ein Date für Mad Mary ist ein leises, einfühlsames Porträt eines Menschen, der sich plötzlich in seinem Leben nicht mehr wiederfindet, nicht in seinen Freunden, nicht in der Liebe. Wie sie es dennoch versucht, erst mit Gewalt, später mit Würde, ist ein schöner Geheimtipp im Kinoeinerlei: Die verrückte Mary muss einem nicht unbedingt sympathisch sein, der Film ist es dafür umso mehr, zeigt mit viel Verständnis und eben auch Humor, wie kompliziert diese Welt sein kann.

Ein Date für Mad Mary
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Ein Date für Mad Mary
„Ein Date für Mad Mary“ wirkt zunächst wie eine typische Hochzeitskomödie. Mit der Zeit werden aber die dunkleren Ecken sichtbar, die Suche nach einem passenden Date wird zu einer Suche nach sich selbst. Das ist einfühlsam beschrieben, erinnert mithilfe einer angeknacksten Protagonistin, wie furchtbar schwierig diese Welt manchmal sein kann.
7von 10

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