(OT: „Double Date“, Regie: Benjamin Barfoot, UK, 2017)

Double Date

„Double Date“ läuft im Rahmen des 31. Fantasy Filmfests

Die Zeit drängt: Nur noch wenige Stunden, dann tritt auch Jim (Danny Morgan) dem ungeliebten Club der Ü30 ein. Schlimmer aber noch als diese hässliche Zahl ist der Umstand, dass er bis heute mit keiner Frau zusammen war. So richtig zusammen. Sein bester Freund Alex (Michael Socha) will da nicht länger tatenlos zusehen und beschließt, ihm noch vor Ende des Tages eine Frau zu besorgen. Tatsächlich scheint Jim Fortuna hold zu sein: In einer Bar lernen die zwei Schwestern Kitty (Kelly Wenham) and Lulu (Georgia Groome) kennen. Eine perfekte Voraussetzung für ein Double Date. Sie zeigen sich auch durchaus interessiert. Was die beiden Freunde jedoch nicht ahnen: Bei den beiden handelt es sich um Serienmörderinnen, die noch ein letztes Opfer für ein ganz spezielles Ritual suchen.

Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, das bedeutet gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit. Es bedeutet Chancengleichheit in Beruf und Gesellschaft. Es bedeutet aber auch, dass überholte Bilder in Film und Fernsehen ad acta gelegt werden. Warum sollen es beispielsweise immer nur die Männer sein, die sich fröhlich meuchelnd mit dem Blut ihrer Opfer bekleckern? Und so gab es beim Fantasy Filmfest 2017 gleich drei Filme, in denen Frauen das Sagen und das Messer haben. Meistens zumindest. In Psychopaths lassen in der Hauptsache zwei Frauen und ein Mann ihren psychotischen Trieben freien Lauf. Bei Tragedy Girls machen zwei Schulmädchen Jagd auf ihre Mitmenschen, um für ihren Blog Werbung zu machen. Und auch in Double Date kommt das Grauen im weiblichen Doppelpack.

Blutiger Spaß ohne Längen
Wie bei Tragedy Girls auch geschieht das hier jedoch auf eine sehr humorvolle Art und Weise. Wer eine feministische Variante von Slasher-Klassikern à la Halloween oder Freitag der 13. Sucht, der wird weniger glücklich. Der Rest der Zuschauer dafür umso mehr: Wenn die beiden Schwestern auf ihre Mördertour gehen, bleibt kein Kleidungsstück frei von Blut, kein Auge trocken. Bemerkenswert ist dabei wie Regisseur Benjamin Barfoot und Danny Morgan, der das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle übernahm, fast völlig ohne Längen auskommen. Von der ersten überraschenden Szene, wenn zu der Musik von Yazoos „Only You“ das erste Opfer dran glauben muss, bis zum völlig durchgeknallten Finale ist kein Platz für Langeweile. Stolz erzählten die beiden beim Q&A auch, wie sie später alles Fett herausgeschnitten haben. Das Publikum dankt.

Vor allem zwei Faktoren sind es, die Double Date zu einer so vergnüglichen Angelegenheit machen. Da wäre zum einen das Szenario, das ziemlich frisch ist und absurd genug, um schon aus Neugierde dran zu bleiben. Und dann wären da noch die starken Kontraste, mit denen Morgan arbeitet. Jim ist ein netter, stiller, sehr unsicherer und unbedarfter Mann, das genaue Gegenteil von Alex, der jeder Frau hinterherjagt und so gar nicht auf den Mund gefallen ist. Dieser Kontrast spiegelt sich aber auch bei den beiden Schwestern wieder, die zwar ein gemeinsames Ziel verfolgen, dabei aber grundverschieden sind. Zwischendrin kommen noch ein paar andere Figuren dazu, die ebenso sonderbar sind, insgesamt verlässt sich der Film aber auf das Quartett.

Spielfreudige Darsteller und ein klasse Soundtrack
Eine gute Entscheidung, denn mit einer mitreißenden Spielfreude stürzen sich die vier in das mörderische Abenteuer, auch die Chemie zwischen den Darstellern stimmt. Dass der Film letzten Endes nur ein ziemlicher Blödsinn ist, manche Punkte noch nicht mal versuchsweise erklärt werden, verkommt dabei zur Nebensache. Hier heißt es den Kopf auszuschalten und sich am schwarzen Humor zu erfreuen. Dass Double Date darüber hinaus auch noch einen klasse Soundtrack hat, ist das Tüpfelchen auf dem i: Die Horrorkomödie ist charmant und kurzweilig, ein echter Crowdpleaser im besten Sinn des Wortes.

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Zwei Freunde sind auf der Suche nach ein bisschen Spaß, zwei Schwestern nach einem Opfer für ein blutiges Ritual. Mehr Geschichte braucht „Double Date“ nicht, um sein Publikum zu unterhalten. Der auf Kontraste setzende Humor schwankt zwischen absurd und böse, die Darsteller sind spielfreudig, dazu gibt es einen klasse Soundtrack.
7von 10

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