Schweinskopf al dente
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Schweinskopf al dente

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(„Schweinskopf al dente“ directed by Ed Herzog, 2016)

„Schweinskopf al dente“ ist seit 16. Februar 2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich

Ein Unglück kommt selten allein. Oder geht. Zumindest bei Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) ist das so. Eigentlich versteht er auch so gar nicht, warum seine Freundin Susi (Lisa Maria Potthoff) weg will, wo doch eigentlich alles gut war. Warum dann Italien? Mindestens ebenso verwirrend ist der Schweinskopf, der eines Tages im Bett von seinem Chef Moratschek (Sigi Zimmerschied) auftaucht. Wobei für den alles klar ist, also den Chef: Das muss eine Drohung vom Küstner (Gregor Bloéb) sein, den Moratschek vor vielen Jahren ins Kittchen gebracht hat und der nun Rache will. Also macht der Chef das, was das einzig vernünftige ist: Er zieht beim Franz ein, damit der ihn beschützt. Und Franz? Der soll mit seinem alten Kumpel Rudi (Simon Schwarz) den Bösen schnappen.

Bei Dampfnudelblues war das damals noch ein Experiment gewesen. Ein Regionalkrimi? Im Kino? Wollen die Leute sowas wirklich sehen? Ja, das tun sie. Mehr als 500.000 Leute strömten in die Lichtspielhäuser und machten die Verfilmung des Romans von Rita Falk zu einem der größten Überraschungshits des Jahres. Inzwischen hat man sich daran gewöhnt, Nachfolger Winterkartoffelknödel lockte ebenfalls mehr als eine halbe Million Zuschauer an, gleiches gilt für Schweinskopf al dente, der dritte im Bunde. Und aus der Überraschung wurde zwischenzeitlich Verlässlichkeit. Routine.

Es sollte dann auch keiner erwarten, dass sich bei dem dritten Ausflug in die Provinz viel getan hätte. Zwar wechselte erneut das Drehbuchteam, Regisseur Ed Herzog und Besetzung sind aber gleichgeblieben. Und das Erfolgsrezept ist es auch. Es gibt einen deftigen Mord, deftiges Essen, vor allem aber viel deftigen Humor, wenn sich in der bayerischen Provinz die Einwohner mal wieder in die Haare kriegen – beispielsweise bei der Frage, ob ein Badspiegel als Elektrogerät zählt. Anspruchsvoll war das von Anfang an nicht, lebte vielmehr von den vielen skurrilen Figuren, die das mit der Grenze zu Karikatur nicht so eng sehen.

Das funktionierte beim ersten Mal noch erstaunlich gut, wo Jovialität auf Abgründe stieß, die Suche nach dem Täter die Heile-Welt-Fassade auf dem Land in Stücke riss. Beim zweiten Mal schon weniger, wo Albernheit die Geschichte in den Hintergrund drängte. Und beim dritten Mal fast gar nicht. Ein wirklicher Kriminalfall ist das nicht mehr, was in Schweinskopf al dente erzählt wird: Der Täter ist von Anfang an bekannt und wird auch während seines Mordens gezeigt. Wenn er denn mal mordet. Eigentlich spielt sein Unwesen aber keine große Rolle, ist nur der Aufhänger dafür, dass Franz, sein Chef und die Familie enger zusammenrückt und kontinuierlich die Fetzen fliegen.

Ein bisschen stören die Auftritte vom Küstner sogar, passen mit ihrer diabolischen Abgebrühtheit so gar nicht in den von viel Klamauk geprägten Ringelpiez mit Anbrüllen. Natürlich hat es Sebastian Bezzel inzwischen perfektioniert, ständig wunderbar genervt in die Runde zu schauen, wenn mal wieder jeder seinen Blödsinn treibt und alles viel zu kompliziert wird. Die Gefahr ist aber groß, dass bei der weder spannenden noch komischen Krimikomödie dieses Gesicht auch im Publikum zu beobachten ist. Oder auch ein herzhaftes Gähnen. Denn inzwischen gibt man sich hier nicht einmal mehr die Mühe, mit dem Film mehr als die verlässliche Zielgruppe anzusprechen. Da werden Handlungsstränge lieblos zusammengeknotet, die weder für sich genommen noch allein interessant sind, irgendwann in dem Chaos der bayerischen Provinz auch wieder verloren gehen. Ist alles eh nicht so wichtig. Schade um die vor einigen Jahren so sympathisch gestartete Reihe, die mehr verdient hätte als eine unmotivierte Aneinanderreihung altbackener, aufgewärmter Witze.



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Der qualitative Sinkflug der Regionalkrimireihe setzt sich fort: Der Krimiteil ist inzwischen überhaupt nicht mehr zu gebrauchen, komisch sind die altbackenen Witze auch nicht. Da hilft selbst Sebastian Bezzel nicht mehr, der seine gewohnten Qualitäten zeigen darf.
4
von 10