(„The Emperor’s New Groove“ directed by Mark Dindal, 2000)

Der junge Inka-König Kuzco hat so ziemlich alles, was er fürs Leben braucht. Nur eines fehlt ihm zu seinem Glück: einen eigenen Vergnügungspark! Das muss natürlich nachgeholt werden. Und so sucht er sich den Hügel des Bauern Patcha und dessen Dorf aus, um dort sein Freizeitdomizil zu errichten. Dass die dadurch alles verlieren, nicht wissen, wo sie in Zukunft leben sollen, ist nebensächlich. Zumindest für Kuzco. Doch noch bevor es dazu kommt, funkt ihm die alte Yzma dazwischen. Die war bis vor Kurzem noch die Beraterin an seinem Hof gewesen, bevor sie unsanft gefeuert wurde. Um sich für diese Schmach zu rächen und selbst die Macht zu ergreifen, plant sie mit ihrem Gehilfen Kronk, den jungen Monarchen zu vergiften. Dabei geht jedoch alles schief: Anstatt an dem Gift zu sterben, verwandelt sich Kuzco in ein Lama und landet über Umwegen im Dorf von Patcha. Und nun hat ausgerechnet der enteignete Bauer die Aufgabe, den verhassten König wieder zurück an seinen Hof zu bringen.

Wenn einen Ein Königreich für ein Lama eines lehrt, dann ist es, wie sehr einen das Äußere täuschen kann. Nicht nur, dass sich hinter einem stinkenden Lama der mächtigste Mann des Inkareiches verbirgt. Was auf dem Bildschirm so ausgelassen und spielerisch wirkt, ist das Ergebnis eines langwierigen, von vielen Problemen begleiteten Prozesses. Eigentlich hätte der 40. abendfüllende Animationsfilm von Disney ein episches von viel Musik begleitetes Abenteuer werden sollen, an denen der Mäusekonzern in den 90ern Gefallen gefunden und sich eine goldene Nase verdient hatte. Aber nichts wollte klappen, der Zeitplan war zu knapp bemessen, das komplette Projekt stand kurz davor, in die Tonne getreten zu werden. Das Ende vom Lied: Das ursprüngliche Konzept wurde größtenteils fallengelassen, stattdessen ging man hier ganz andere Wege.

Das Ergebnis wurde dann auch zwiespältig aufgenommen, zu sehr unterschied sich Ein Königreich für ein Lama“ von dem, was wir die Jahre zuvor von Disney ein ums andere Mal bekommen hatten. Zum einen gab es nun kaum noch Lieder, lediglich zum Einstieg und während des Abspanns wurde noch gesungen. Die Geschichte selbst war deutlich weniger ambitioniert, anstatt wie in Der König der Löwen eine über Jahre andauernde Fabel über Verrat, Mut und Selbstfindung zu erzählen, ist das Abenteuer von Kuzco und Patcha nicht mehr als ein gut gelaunter Buddy Movie. Und auch Kuzco selbst hat wenig von den Helden, die man beim Animationsgiganten sonst gern verwendete: selbstsüchtig, herablassend, feige, unfähig – nein, eine Vorbildfunktion erfüllte der Protagonist hier nicht gerade.

Dafür aber punktete Ein Königreich für ein Lama durch etwas ganz anderes: Witz. Natürlich waren auch die vorangegangenen Disney-Filme nicht ohne Humor. Die Erfolgsformel bis zum Erbrechen ausreizend, mussten auch in eigentlich sehr ernsten Geschichten irgendwo alberne Sidekicks eingebaut werden, zwecks Comic Relief (siehe Der Glöckner von Notre Dame). Hier haben diese Sidekicks jedoch den Thron für sich beansprucht, abgesehen von Patcha ist jeder der vier Hauptfiguren gnadenlos überzeichnet, eine Karikatur sogar. Wenn Yzma regelmäßig an dem zum Bösen unfähigen Kronk verzweifelt, Kuzco selbst in den peinlichsten Situationen seine Arroganz bewahrt, dann ist das sicher nicht anspruchsvoll. Aber eben umwerfend komisch, das temporeiche Abenteuer steht in der Tradition alter Slapstick-Cartoons à la Looney Toons.

Was den Film zudem sehr sympathisch macht, ist dass er sich selbst nicht ernst nimmt. Vielmehr weiß er sehr genau, dass er nicht viel zu sagen hat, komplett vorhersehbar ist, an mehreren Stellen keinen Sinn ergibt – und macht sich eben darüber lustig. Wenn sich die beiden Duos an später Stelle eine Verfolgungsjagd liefern, dann geschieht das mit so viel Selbstironie, wie man sie bei einem Disney-Werk nicht hätte vermuten können. Deshalb ist es auch mehr als zu verschmerzen, dass die Optik – auch der schwierigen Produktion wegen – nicht ganz das Niveau der Vorgänger erreicht. Während die bewusst kantigen Designs und die geschmeidigen Animationen gefallen, ist die Gestaltung des Dschungels sehr viel schlichter, als es zuvor der Kollege in Tarzan gewesen ist. Auch das wird eventuell dazu beigetragen haben, dass Ein Königreich für ein Lama an den Kinokassen nicht so wirklich überzeugen konnte. Um das Beste aus der Erfahrung zu machen, folgten dennoch die in den 2000ern obligatorischen Fortsetzungen: Neben einem Direct-to-Video-Teil (Ein Königreich für ein Lama 2) gab es auch bei der Fernsehserie Kuzco’s Königs-Klasse ein Wiedersehen mit einem der ungewöhnlichsten Helden, die Disney in seiner langen Animationslaufbahn hervorgebracht hat.

Ein Königreich für ein Lama
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Ein Königreich für ein Lama
Keine Lieder, kein Anspruch, ein unsympathischer Protagonist – „Ein Königreich für ein Lama“ machte so ziemlich alles anders, als man es damals von Disney gewohnt war. Das stieß nicht bei jedem auf Gegenliebe, der temporeiche Buddy Movie und die Selbstironie machen das Inka-Abenteuer aber immer noch zu einem der witzigsten Filme der Mäusestudios.
8von 10

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