(„Drone“ directed by Tonje Hessen Schei, 2014)

droneFrüher einmal, da bedeutete Krieg, dass sich zwei Armeen an einem Ort gegenüberstanden und sich so lange bekämpften, bis einer aufgab oder tot war. Das war einmal. Nicht, dass es heute an bewaffneten Auseinandersetzungen mangeln würde. Sie haben sich aber stark geändert, sowohl was die „Armeen“ betrifft wie auch die Kampfweise. Von asymmetrischen Kriegen ist die Rede, wenn einzelne Menschen sich in Menschenmassen in die Luft sprengen und dabei einen Terror verbreiten, den selbst das größte Militär nicht verhindern kann. Oder auch von feigen Kriegen, weil die Angreifer im Geheimen operieren und die direkte Schlacht scheuen. Dabei zeigt sich die Gegenseite nicht weniger zimperlich, sofern man Drone – This Is No Game! Glauben schenkt, denn der Dokumentarfilm wirft einen mehr als kritischen Blick auf den amerikanischen Drohnenkrieg und enthüllt dabei Parallelen, die man eigentlich lieber gar nicht gesehen hätte.

Heute braucht es für den Einsatz von Luftwaffen keine Top Guns mehr, sondern Nerds, erfahren wir hier an einer Stelle. Heute wird nicht über Leben und Tod entschieden, während die Soldaten in die Mündungen der feindlichen Kanonen schauen. Krieg im neuen Jahrtausend, das bedeutet viele Kilometer weit weg vom Geschehen zu sein, mitunter auf einem ganz anderen Kontinenten, und dort auf Knöpfe zu drücken. Wie ein Videospiel eben. Es ist dann auch ein wenig surreal, fast schon komisch, wenn hier Drohnenschützen von ihrer Arbeit sprechen, zwischen ihrer Tätigkeit und dem Ergebnis eine solche Diskrepanz herrscht, als hätten sie gar nichts miteinander zu tun. Aber eben auch nur fast, dafür sorgen schon die eingeblendeten Steckbriefe der vielen zivilen Opfer, die aufgrund von Drohnen sterben mussten, oder auch die persönlichen Erlebnisberichte Betroffener, welche einen von Anfang an mitnehmen.

Nein, hier geht es nicht um ein vorsichtiges Abwägen von Vor- und Nachteilen dieses auf Distanz geführten Krieges, dafür hat sich die norwegische Filmemacherin Tonje Hessen Schei zu gezielt die grausigen Folgen ausgesucht. War der thematisch ähnlich gelagerte Spielfilm Eye in the Sky eine zwar konstruierte, aber doch sehr spannende moralische Auseinandersetzung mit gezielten Drohnenangriffen, schlägt das Pendel hier so eindeutig in eine bestimmte Richtung, dass man sich unweigerlich fragt, wie diese Praktiken überhaupt mit internationalem Recht zu vereinbaren sind. Auch darauf hat Drone – This Is No Game! eine Antwort. Eine Antwort, die einem das letzte bisschen Glauben an die ethische Überlegenheit westlicher Nationen raubt. Denn nicht nur das Töten hat hier System, das Vertuschen ebenso.

Schade ist es natürlich schon, dass der Dokumentarfilm so wenig Interesse an einem Diskurs zeigt, einem als Zuschauer nicht einmal die Wahl lässt, zu einem eigenen Schluss zu kommen. Drone ist vielmehr eine Anklage, der Finger im wunden Punkt, sich derart stark hineindrehend, bis man hier nur noch laut aufschreien möchte. Auf den Mühlen der überzeugten Kriegsgegner ist der Film natürlich geradezu heiliges Wasser, umso mehr, da hier neben ehemaligen Soldaten, die sich gegen das System gewandt haben, auch Waffenhersteller zu Wort kommen – und die schaffen es, das Geschäft mit dem Tod noch ein bisschen abscheulicher zu machen, als es ohnehin schon ist. Aber auch als neutraler Beobachter geht einem das Gezeigte durch Mark und Bein, verdeutlicht es doch nicht nur erneut, wie wenig wir über das wissen, was in unserem Namen auf der Welt geschieht. Es lässt einen zudem begreifen, wie sehr wir selbst anderen ausgeliefert sind. Dass es manchmal nur ein Knopfdruck ist, der darüber entscheidet, ob wir weiterleben dürfen oder nicht. Und dass es die „richtigen“ sind, die gerade vor diesen Knöpfen sitzen.

Drone – This Is No Game!
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Drone – This Is No Game!
Drohnen erlauben es uns, gezielt Terroristen auszuschalten, ohne unsere eigenen Soldaten in Gefahr zu bringen – heißt es. „Drone – This Is No Game!“ lässt uns nicht nur daran zweifeln, schockiert vielmehr mit vielen grausigen Geschichten einer etwas anderen Kriegsführung. Neutral oder an Argumentationen interessiert ist der Dokumentarfilm zwar nicht, effektiv dafür umso mehr.
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