Die verrueckte Geschichte der Welt
© 20th Century Fox

Die verrückte Geschichte der Welt

(„History of the World, Part I“ directed by Mel Brooks, 1981)

Die verrueckte Geschichte der WeltVon Blazing Saddles (1974) und Frankenstein Junior (1974) über When Things Were Rotten (1975) und Silent Movie (1976) bis zu Höhenkoller (1977) – es war schon ein beachtlicher Lauf, den Mel Brooks Mitte der 70er hinlegte. Nicht nur, dass er bei seinen Themen eine enorme thematische Bandbreite abdeckte, das Ergebnis war trotz der hohen Frequenz auf einem größtenteils gleichbleibend guten Niveau. Anschließend zog er sich eine Zeit lang zurück, bevor er sich 1981 mit Die verrückte Geschichte der Welt endlich zurück meldete. Die Erwartungen an eine Fortsetzung der unterhaltsamen Parodienreihe waren hoch, wurden teilweise erfüllt, teilweise überhaupt nicht.

Der größte Unterschied ergibt sich aus dem leicht geänderten Konzept des Neuzugangs. Dieses Mal ist es weniger ein Genre oder ein spezielles künstlerisches Werk, welche Brooks durch den Kakao zieht, sondern die Weltgeschichte an sich. Dafür pickte er sich stellvertretend einige bedeutende Punkte eben dieser raus: die Entdeckung des Feuers durch die Höhlenmenschen, das Römische Imperium, die Inquisition, die Französische Revolution. Verbunden werden diese Episoden nicht, lediglich Brooks, der in jeder dieser Zeiten zu sehen ist, eint die verschiedenen Geschichten. Eine Rahmenhandlung gibt es nicht, keine Übergänge, nur ganz zum Schluss wird eine Querverbindung eingebaut.

Nun muss man das nicht zwangsweise als einen Negativpunkt empfinden, schon bei früheren Filmen von Brooks war die Geschichte mitunter nur ein Aufhänger für Blödeleien. Warum also nicht konsequent auf jede Dramaturgie verzichten? Was sich so naheliegend anhört, funktioniert am Ende jedoch nicht so gut wie erhofft, denn bei Die verrückte Geschichte der Welt wird nie so ganz klar, was man eigentlich damit wollte. Der gewohnt breiten Mischung aus satirischen Elementen, gezielten Tabubrüchen und harmlosem Toilettenhumor fehlt hier ein roter Faden, an dem alles aufgehängt werden kann. Der Film ist vielmehr eine Ansammlung von YouTube-Videos aus einer Zeit, bevor es YouTube überhaupt gab.

Das wäre vermutlich nicht so schlimm, wenn die einzelnen Bestandteile dafür lustig wären. Das sind sie aber nur zum Teil. Nach einem hoffnungsvollen Auftakt erreicht Die verrückte Geschichte der Welt seinen Höhepunkt schon recht früh, wenn wir Brooks zu den Römern folgen. Ob es Bea Arthurs brillanter Kurzauftritt als Frau vom Arbeitsamt ist, die gewohnt großartige Madeline Kahn als männerverschlingende Kaiserin Nympho oder auch eine etwas andere Interpretation von Jesus’ letztem Abendmahl, an diesen Stellen darf durchaus auch mal etwas lauter gelacht werden.

Doch je weiter der Film voranschreitet, umso seltener werden diese gelungenen Einfälle. Die Inquisition beispielsweise ist eine einzige Musical-Nummer ganz im Stil von The Producers – Frühling für Hitler, nur nicht annähernd so grotesk und gut. Ganz schlimm wird es dann während der Französischen Revolution, wo mäßig komische Witze in epischer Breite erzählt werden. Denn das ist eine der unschönen Erkenntnisse von Die verrückte Geschichte der Welt: Mel Brooks zeigt hier erschreckend wenig Gefühl dafür, wie lange ein Gag funktioniert. Da hilft nicht einmal die gewohnt hohe Prominenz der Darsteller: Neben Kahn sind auch die anderen Brooks-Veteranen Harvey Korman, Cloris Leachman, Sid Caesar und Ron Carey wieder mit von der Partie, dazu gesellen sich Gregory Hines als Sklave, Mary-Margaret Humes als Jungfrau Miriam und Pamela Stephenson als Mademoiselle Rimbaud in größeren Rollen, John Hurt und Orson Welles sind ebenfalls zu hören und teilweise sehen.

Überhaupt bekommt das Auge hier wieder einiges geboten: Schon in seinen früheren Parodien war die den Vorbildern nachempfundene Ausstattung vom Feinsten, dem stehen die historischen Kostüme und Kulissen seiner Geschichtsstunde in nichts nach. Dieses Mal reichte das jedoch nicht aus, um die qualitativen Schwankungen der Witze auszugleichen, Die verrückte Geschichte der Welt ist ein frustrierend unausgegorenes Beispiel in Brooks’ Gesamtwerk.



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„Die verrückte Geschichte der Welt“ bietet den gewohnten Mel-Brook-Humor, ein Wiedersehen mit bekannten Darstellern und tolle Kulissen. Die Witze funktionieren oft jedoch nicht, sind zu lang und machen den Film zusammen mit der fehlenden Rahmenhandlung zu einer frustrierend unausgegorenen Komödie des Altmeisters.
5
von 10