True Detective Staffel 2
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True Detective – Staffel 2

(„True Detective – Season 2“, 2015)

True Detective Staffel 2
„True Detective – Die komplette zweite Staffel“ ist seit 28. Januar auf DVD und Blu-ray erhältlich

Das war mehr als nur ein normaler Mord: Irgendjemand muss es auf Ben Caspere abgesehen haben, denn der wurde vor seinem Tod gefoltert und verstümmelt. Die drei Polizisten Ani Bezzerides (Rachel McAdams), Ray Velcoro (Colin Farrell) sowie Paul Woodrugh (Taylor Kitsch), jeder von ihnen arbeitet in einem anderen Bereich, sollen nun gemeinsam der Sache auf den Grund gehen. In der Zwischenzeit hat Gangster Frank Semyon (Vince Vaughn), der mit Caspere Geschäfte machte, alle Hände voll zu tun, um sein Unternehmen beisammen zu halten.

Kaum eine Serie wurde in den letzten Jahren wohl mehr gefeiert als True Detective, wohl auch weil sie so ziemlich alles anders machte, als man es von Krimis erwarten würde. Hier gab es nicht eine Vielzahl von Fällen, die im Höchsttempo gelöst werden müssen, sondern nur einen einzigen, der sich über acht Folgen hinweg zog. Die Protagonisten waren keine strahlenden Helden, sondern leicht heruntergekommene Ex-Polizisten. Und dann wäre da noch die Erzählweise: Anstatt chronologisch der Geschichte zu folgen, gab es zwei Zeitebenen, die sich ständig abwechselten. Zusammen mit den Retro-Südstaaten-Elementen ergab sich daraus etwas, das tatsächlich mit den Sehgewohnheiten brach und eben daraus seine Faszination daraus bezog.

Angesichts des nahezu einstimmigen Lobs von Kritikern wie Publikum war eine zweite Staffel eigentlich unvermeidbar. Nur wie sollte das gehen, wenn die Geschichte bereits abgeschlossen war? Ganz einfach: Man machte einfach eine Anthologieserie daraus, deren einzelnen Staffeln nichts mehr miteinander zu tun haben. Oder zumindest fast nichts. Inhaltliche Anknüpfungspunkte gibt es hier nicht, einige Prinzipien wurden jedoch beibehalten. So liegt der Fokus einmal mehr auf den Figuren, weniger auf dem Verbrechen, Figuren, die darüber hinaus mit persönlichen Lebenskrisen zu kämpfen haben.

Bezzerides hadert mit einer Kindheitserfahrung, ihrem Vater, ihrer Familie im allgemeinen. Der alkoholkranke und gewalttätige Velcoro kämpft mit seiner Ex-Frau um das Sorgerecht des gemeinsamen Sohns, hat aufgrund eines Fehltritts auch ständig Frank im Nacken. Auch Paul hat mit seiner Freundin Probleme, zudem lässt ihn seine Armeevergangenheit nicht mehr los. Selbst Semyons Privatleben läuft nicht wirklich, denn seine Versuche, mit Ehefrau Jordan (Kelly Reilly) ein Kind zu zeugen, sind einfach nicht von Erfolg gekrönt. Lichtblicke oder gar Vorbilder gibt es in Staffel 2 also keine, weniger noch als zuvor, trotz des erweiterten Ensembles. Zynisch und freudlos ist die Atmosphäre, die Stadt von Korruption und Gewalt durchzogen, bis man sich fragt, warum hier überhaupt noch jemand leben wollte.

Einige der tragischen Hintergrundgeschichten hätten vielleicht nicht ganz so ausgeprägt sein müssen, die eigene Glaubwürdigkeit hält dem Dauerdreck kaum Stand. Doch wie zuvor werden die Figuren durch die prominenten Darsteller gerettet. Ganz können die es mit ihrem großartigen Vorgängergespann nicht aufnehmen, gehören aber dennoch zu den großen Stärken der zweiten Staffel. Selbst Vaughn, sonst eher im Komödienfach unterwegs, überzeugt als skrupelloser Gangsterboss. Bemerkenswert ist auch, mit welcher Besessenheit Serienschöpfer und Drehbuchautor Nic Pizzolatto in die Abgründe springt, wieder und wieder. Düster war True Detective zuvor schon gewesen, hier wird das Leben zu einem zynischen Alptraum, der kaum mehr Hoffnung bietet.

Der größte Unterschied liegt aber an einer anderen Stelle. Und der ist es auch, an dem sich die Geister scheiden: War Staffel eins eine inhaltlich recht simple Angelegenheit, die durch die komplexe Erzählweise aufgewertet wurde, macht es Staffel zwei genau umgekehrt. Die Struktur ist nun sehr gradlinig – oder zumindest so gradlinig, wie es die vielen Figuren erlauben –, dafür ist der Fall selbst deutlich komplexer. So komplex, dass man zwischendurch immer mal wieder frustriert das Handtuch werfen will, weil man sich die vielen Namen und Beziehungen untereinander kaum merken konnte. „Wer war das noch mal? Was wollte der?“ Für reine Krimifans ist Staffel zwei damit aber sogar lohnenswerter geworden, denn hier darf tatsächlich noch gerätselt werden, was denn hinter allem steckt. Der nächste Schritt ergibt sich aus harter Ermittlungsarbeit, fällt nicht einfach so vom Himmel. In ihrer Gesamtheit ist sie dem Auftakt aber dann doch unterlegen, bietet einfach nicht so viel Neues, um sich von der Konkurrenz abzuheben, wäre ohne den großen Namen wohl auch kaum beachtet worden.



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Strukturell simpler, inhaltlich komplexer – Staffel zwei von „True Detective“ übernimmt Merkmale des Vorgängers, setzt aber auch eigene Akzente. Insgesamt war der Auftakt als Erfahrung lohnenswerter, positiv bleiben aber die Darsteller, der erhöhte Krimigehalt und die nochmals düstere Stimmung im Gedächtnis.
7
von 10