Die Legende von Oz Dorothys Rueckkehr
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Die Legende von Oz – Dorothys Rückkehr

(„Legends of Oz: Dorothy’s Return“ directed by Will Finn and Daniel St. Pierre, 2013)

Die Legende von Oz
„Die Legende von Oz – Dorothys Rückkehr“ ist seit 25. September auf DVD und 3D-Blu-ray erhältlich

Viel ist nicht geblieben von Dorothys Farm, nachdem der Tornado Kansas verwüstet hat. Und es sieht sogar ganz danach aus, als müssten sie und ihre Familie ihr Heim ganz hinter sich lassen – ein Vertreter der Regierung hat für alle Bewohner der Gegend einen Umzug angeordnet. Noch während das Mädchen überlegt, wie es die Situation retten kann, wird es von den Bewohnern von Oz um Hilfe gebeten: Der machthungrige Hofnarr tut alles dafür, um das Land unter seine Kontrolle zu bringen. Also machen sich Dorothy und ihr kleiner Hund Toto ein zweites Mal auf den Weg in die Zauberwelt und treffen auf ihrer Reise eine Reihe neuer und auch alter Gefährten.

Die Legende von Oz – Dorothys Rückkehr ist einer dieser Filme, bei denen man sich fragt, wie sie so schiefgehen konnten. Die Voraussetzungen nämlich, die waren hier sehr gut. Warum nicht einmal die bekannte Geschichte um die unfreiwillige Heldin Dorothy und das Zauberland Oz in Form eines Animationsfilms fortsetzen? Bekannte Namen standen hier auch zur Verfügung, zumindest was die Besetzung der Originalstimmen angeht: Dan Aykroyd, Jim Belushi, Hugh Dancy, Patrick Stewart haben allesamt Sprechrollen übernommen, Bryan Adams steuerte den Soundtrack bei. Und selbst das Budget war mehr als üppig: Mit 70 Millionen Dollar war man zwar nicht auf dem Niveau von Disney, Pixar oder Dreamworks, aber doch zumindest auf dem von Minions – und der konnte sich allemal sehen lassen.

Bei Die Legende von Oz ist das anders. Entweder ging das gesamte Budget für die Besetzung drauf oder die beteiligten Animationsstudios Summertime Entertainment und Prana Studios waren mit ihrer Aufgabe überfordert. Die Farbgebung ist freundlich, die Animationen selbst sind ebenfalls in Ordnung. Dafür versagt der Film völlig in der Gestaltung des Landes. Dass man hier nicht mit den gleichen Wunderbildern wie in Die fantastische Welt von Oz rechnen darf, jenem humorvollen Disney-Prequel, war zu erwarten. An manchen Stellen ist es aber geradezu schockierend, wie leer und leblos Oz geworden ist. Alles wirkt so, als wäre das Land schon vor Jahren verlassen worden, das was geblieben ist, missfällt durch blockige Designs und fehlende Details. Hinzu kommt, dass Figuren und Objekte sich immer wieder unschön von den Hintergründen abheben, ganz so, als ob sie gar nicht zusammengehören – der Eindruck hier an einem tatsächlichen Ort zu sein, stellt sich fast nie ein.

Die enttäuschende Optik hätte man vielleicht noch verzeihen können, wenn wenigstens die Geschichte interessant geworden wäre. Aber auch da mangelt es an Kreativität und Leben. Anders als das überraschend düstere Oz – Eine fantastische Welt von 1985, welches tatsächlich auf Büchern des Originalautors Lyman Frank Baum basierte, stand hier ein Roman von Baums Urenkel Roger S. Pate. Die beliebten Figuren von einst – der ängstliche Löwe, der Blechmann und die Vogelscheuche – spielen hier keine große Rolle, wurden durch eine Reihe weiterer Bewohner ersetzt. Die flugunfähige, verfressene Eule Magister ist hierbei noch der gelungenste Einfall, die anderen Protagonisten sind hingegen recht langweilig. Und das gilt auch für die Handlung, die meistens darin besteht, dass Dorothy in Schwierigkeiten gerät, aus denen sie sich durch die Nennung ihres Namens wieder befreit. Echte Abenteuer? Die gibt es woanders.

Positiv anzumerken sind immerhin der Humor, der zwar ebenfalls nicht mit den Großen mithalten kann, aber zumindest auf Englisch einige nette Wortspiele enthält. Und auch die Musik kann sich hören lassen, was recht wichtig ist, da Die Legende von Oz wie einst Der Zauberer von Oz als Musical umgesetzt wurde. So richtig erinnerungswürdig sind die Lieder nicht, ein zweites „Somewhere over the Rainbow“ ist nicht dabei, gefällig dafür schon, insgesamt auch gut gesungen. Vor allem Hugh Dancy, den man hierzulande in erster Linie durch seine Rolle in Hannibal kennt, überrascht durch eine sehr angenehme Stimme. Aber auch er kann den Animationsfilm nicht aus dem Mittelmaß befreien, die Rückkehr nach Oz ist zwar nicht annähernd so schlecht, wie es amerikanische Kritiken vermuten lassen, insgesamt aber doch eine enttäuschende, weil sehr unspektakuläre und fade Fortsetzung.



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Das Potenzial für einen schönen Animationsfilm war da, genutzt wurde es jedoch kaum. Trotz bekannter Namen, gefälliger Lieder und witziger Wortspiele ist „Die Legende von Oz“ eine recht enttäuschende Fortsetzung des Kinderbuchklassikers. Die neuen Figuren sind wenig interessant, die Geschichte recht einfallslos und die Optik ohne Leben.
5
von 10