(„True Story“ directed by Rupert Goold, 2015)

True StoryUnzählige Male haben seine Geschichten die Titelseite der „New York Times“ geziert, Journalist Michael Finkel (Jonah Hill) gehört zu den großen seines Faches. Als er sich einmal bei den Recherchen jedoch nur notdürftig an die Fakten hält, folgt der Rauswurf, keine bedeutende Zeitung mag mehr mit ihm zusammenarbeiten. Während Finkel im Anschluss in ein Loch fällt, ist seine Freundin Jill (Felicity Jones) nicht unglücklich über die Veränderung, bleibt ihnen so doch endlich mal Zeit für ein bisschen Zweisamkeit. Bald ist es mit der aber vorbei, als der des Mordes angeklagte Christian Longo (James Franco) Finkel die Exklusivrechte für seine Story bietet, wenn der ihm dafür beim Schreiben seiner Geschichte hilft. Während ihrer häufigen Treffen entsteht ein Vertrauensverhältnis, das die professionellen Grenzen immer mehr überschreitet.

Wie viel ist uns eine gute Geschichte wert? Das ist eine Frage, die sich Journalisten während ihrer Karriere oft stellen müssen beim Abwägen zwischen Aufklärungsauftrag und Sensationsgier, zwischen beruflichem Ethos und Ruhm. Dass Finkel hierbei den inneren moralischen Kompass verloren hat, wird bereits durch die Vorgeschichte seines unrühmlichen Rauswurfs bei der „New York Times“ deutlich. Spielt er sich bei den Interviews noch als großer Menschenfreund auf, der den Sklaven eine Stimme geben möchte, kann er sich im Anschluss kaum mehr erinnern, wer denn nun was gesagt hat – der Mensch, er tritt hinter der Geschichte zurück, ist nur ein Teil eines größeren Ganzen.

Dass er auch später bei der Zusammenarbeit mit Longo keine moralischen Bedenken hat, ist daher schlüssig, zumal er später durch seine Memoiren noch zusätzlich versuchte, aus der Geschichte Kapital zu schlagen, die dann auch die Grundlage von True Story bilden. Sympathiepunkte sammelt er so nicht, aber darum geht es auch nicht, sondern um die gefährliche Verquickung eines Beobachters und seines Beobachtungsmaterials. Spannend ist das als Thema schon, in seiner Umsetzung jedoch nur bedingt. Dass die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte des vermeintlichen Mörders und seines Chronisten kein überraschendes Ergebnis haben kann, ist klar, jeder der mit Google und Wikipedia umzugehen weiß, hat das Ende schnell beisammen.

Für Uneingeweihte zumindest bietet sich dank Longos offensichtlichem Lügengeflecht, diverser Widersprüche und der kammerspielartigen Inszenierung aber durchaus Anlass zum munteren Rätselraten darüber, was denn in der besagten Mordnacht nun wirklich passiert ist. Nur dass True Story nicht konsequent genug diesen Krimiansatz verfolgt, sondern gleichzeitig eben auch allgemeine Überlegungen zu Wahrheit anstellt und zusätzlich noch Porträt sein will. All dies zusammen sprengt dann aber den Rahmen, hier wird von allem ein bisschen was geboten, unbedingt überzeugend ist jedoch keins der Elemente. Beispielsweise wird der Aspekt, dass Finkel Longos beim Schreiben unterstützen soll – immerhin die Voraussetzung für die Zusammenarbeit –, in nur einer Szene lieblos abgearbeitet.

Diese Oberflächlichkeit, die True Story an so vielen Stellen heimsucht, hat zur Folge, dass der Zuschauer kaum ins Geschehen hineingezogen wird. Die Dialoge sind seltsam, zu betont mysteriös gehalten, die Figuren bleiben auch nach dem Filmende Fremde, mit denen man nicht wirklich etwas anfangen kann oder auch will. Gut gespielt ist das, Jonah Hill und James Franco holen aus dem ziellosen Drehbuch einiges heraus. Außerdem bringt das Eintauchen in Longos Psyche einige faszinierend-bizarre Bilder zum Vorschein, die einen passenden Rahmen für das ungesunde Verhältnis zwischen den beiden Männern bilden. Am Ende hat Regisseur und Ko-Autor Rupert Goold aber gleichzeitig zu viel und zu wenig zu erzählen.

True Story – Spiel um Macht
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True Story – Spiel um Macht
Die Geschichte über einen angeklagten Mörder und einen ihm verbundenen Journalisten mag auf wahren Begebenheiten basieren, bleibt aber trotz guter Schauspielleistungen kaum nachvollziehbar und auch zu sehr an der Oberfläche, um den vielen Elementen und Themen gerecht zu werden.
6von 10

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