(„Sex is Comedy“ 2002, directed by Catherine Breillat)

Sex is ComedyBeobachtet man die Regisseurin Jeanne beim Dreh eines intimen Liebesfilms, so mag der Verdacht aufkeimen, es könne nicht schwieriger sein, ein dreistündiges Schlachtenepos in der Wüste von Gobi mit zwei Dutzend Terroristen, einem blinden Hauptdarsteller und einem betrunkenen Kameramann zu inszenieren. Jeanne muss in der Tat vieles durchmachen: Die Hauptdarsteller ihres Films, dessen eigentlichen Plot wir nie erfahren, können sich auf den Tod nicht ausstehen, müssen sich allerdings für die Kamera nicht nur mehrere Küsse geben, sondern eine intensive Sexszene spielen, die nahezu allen Beteiligten der entnervten Crew an den Rand des Wahnsinns treiben wird.

Sex is Comedy Szene 1

Wenn dies auch wie eine harmlose Komödie klingt, so ist Catherine Breillats Sex is Comedy mehr als nur Comedy – es ist eine Hommage an das Filmemachen, über das Leid und die Kämpfe, die nicht nur ein Regisseur auf sich nehmen muss, um seine Vision umsetzen zu können. Jeanne muss bei diesem Projekt lernen, dass ein Film mehr als nur die Arbeit und das Engagement einer einzelnen Person ist. Dass vieles, von dem, was sie erwartet, an der Zusammenarbeit mit anderen zu scheitern droht, ist eine bittere Erkenntnis. Dennoch ist Sex is Comedy kein bitterer Film und gerade aus diesem Grund sehr unterhaltsam, denn Breillat erzählt die leidvolle Geschichte der geplagten Regisseurin mit schwebender Leichtigkeit. Dies liegt hauptsächlich daran, dass die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern Anne Parillaud und Grégoire Colin stimmt. Tatsächlich sind die verbalen Duelle der Gegner (die gleichzeitig Partner sind) die Höhepunkte des ruhig erzählten Films, Höhepunkte voller aufgeladener Spannung, Offenheit und Intensivität, die uns die Probleme beider Künstler vor Augen führen und trotz des ewigen Zwists eine Harmonie darstellen, die deutlich macht, dass beide diesen Kampf gegeneinander brauchen, um aus dem jeweils anderen die beste Leistung, Motivation und Leidenschaft herausholen zu können.Sex is Comedy Szene 2

Wie viel Catherine Breillat in diesem Film von sich und ihren Erfahrungen als Regisseurin erzählt, können wir nur ahnen, doch Sex is Comedy steckt voller Weisheiten, die als lakonische Kalendersprüche in dieser Komödie aufgrund ihrer Vielzahl zu enervieren drohen, nichtsdestotrotz aber viel über die Gedanken einer gefrusteten Filmemacherin (und somit auch über das Filmemachen) verraten. Wenn Jeanne sich den Vorwürfen, es gehe ihr um das bloße Verlangen und nicht um den Menschen, mit den Worten wehrt, Verlangen sei menschlich, fühlt man sich spätestens dann an das kurz zuvor von Catherine Breillat inszenierte Werk Meine Schwester – Ihr erstes Mal erinnert; ein Film, der die Grundlage für die hier erneut geschilderte und oft geprobte finale Sexszene bildete. Den Dialog zwischen den Teenagern entnimmt Breillat gar unverändert aus ihrem Vorgängerfilm und sorgt bei der finalen Aufnahme jener Szene für ein brillant unangenehm eingefangenes, da intensives und einnehmendes cineastisches Erlebnis.

Sex is Comedy erscheint am 19. April auf DVD

Sex is Comedy
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Sex is Comedy
Sex Is Comedy ist eine warmherzige Hommage an das Filmemachen, eine Hommage, die nicht den Erfolgen und Glücksmomenten einer Produktion Tribut zollt, sondern den Problemen und Kämpfen. Die finale Szene führt uns vor Augen: dieser Kampf lohnt sich.
8von 10

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