(„Bringing Up Baby“ directed by Howard Hawks, 1938)

In seiner im Jahr 1937 erschienenen Screwball comedy Bringing Up Baby schildert Howard Hawks die Kollision zweier verschiedener Lebenseinstellungen anhand der Konfrontation eines biederen Wissenschaftlers mit einer leidenschaftlichen Lebefrau. Der Paläontologe David Huxley (Cary Grant), der sein Leben der Nachbildung eines Brontosaurus- Skeletts verpflichtet hat, lernt am Tag vor seiner Hochzeit auf dem Golfplatz die kesse Susan Vance (Katharine Hepburn) kennen. Diese stellt innerhalb weniger Stunden das Leben des jungen Wissenschaftlers, das bislang in geordneten Bahnen verlaufen ist, auf den Kopf…

Angesichts des Alters dieses Films geht Hawks mit dem Thema „Sexualität“ ungewohnt frei um; die sexuellen Spannungen zwischen der selbstbewussten Susan und dem quirligen Wissenschaftler David sind vielmehr sogar Hauptgegenstand dieser Komödie: so denke man beispielsweise an die eindeutige Pose, die David einzunehmen gezwungen ist, um Susan, deren Kleid zerrissen ist, vor den Blicken der Restaurant- Gäste zu schützen. Dies spiegelt sich auch in den pointierten, doppeldeutigen Dialogen wider, die einen Höhepunkt der amerikanischen Screwball- Komödie der 1930er Jahre markieren.

Die Gegensätze zwischen der sinnlichen Susan und dem nervösen David finden in den ständigen Verwechslungen zwischen dem zahmen und dem wilden Leoparden ein Äquivalent, wodurch Bringing Up Baby eine angenehme Exzentrik, die die Individualität dieses Films bestimmt, entwickelt. Hawks Klassiker vermittelt zudem ein modernes Frauenbild, da alleine Susan, die den Typus der emanzipierten, selbstbestimmten Frau verkörpert, den Handlungsverlauf vorantreibt, indem sie Davids Unbeholfenheit und Gutgläubigkeit dazu ausnutzt, ihn zu verführen und zu ihren Zwecken zu manipulieren.

Ein weiteres Charakteristikum, das den Status von Bringing Up Baby als eine der gelungensten Komödien der Filmgeschichte rechtfertigt, sind die zahlreichen verschrobenen, jedoch überaus sympathischen Nebencharaktere: unter anderem ein opportunistischer Sheriff, ein Großwildjäger, der Susans Tante betören will, indem er die Brunftrufe eines Leoparden imitiert, oder ein meist betrunkener Stallbursche.

Leoparden küsst man nicht
4.22 (84.44%) 9 Artikel bewerten

Leoparden küsst man nicht
In der Blütezeit des US- amerikanischen Vorkriegskinos gelang Howard Hawks mit Bringing Up Baby ein Referenzfilm, dessen enormer Einfluss auf die Entwicklung der Filmkomödie auf den geschliffenen Wortwitz, die fortschrittliche Vertauschung männlicher/weiblicher Rollenmodelle und den offenherzigen, jedoch diskreten Umgang mit gesellschaftlichen Tabu- Themen zurückzuführen ist.
8von 10

Über den Autor

2 Responses

  1. Bob

    Ich selber komme an den Film nicht richtig ran – die Rollen von Grant und Hepburn sind mir einfach zu überdreht, insbesondere wenn der Tiger ins Spiel kommt.

    Ein hektischer Cary Grant ist mir in „Arsenic and Old Lace“ lieber – die beiden Hauptdarsteller gemeinsam in „Philadelphia Story“.

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  2. Philipp

    Ein Klassiker, der für mich leider durch die absolut nervige, unsympathische weibliche Hauptfigur versaut wird. Seltsam, dass ich mit dieser Meinung so allein zu sein scheine.
    @Bob: Mit “Arsenic and Old Lace” bin ich leider auch nicht warm geworden. “Philadelphia Story” geht in Ordnung; die Kombination Grant und Hawks lieber in “His Girl Friday”. 🙂

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