(„The Secret Beyond the Door“ directed by Fritz Lang, 1947)

Als Fritz Lang, der sich in Deutschland mit den Klassikern Metropolis und M – Eine Stadt sucht einen Mörder einen Namen gemacht hatte, nach Amerika emigrierte, drehte er in Hollywood Film-Noir Werke, Western, Krimis – und The Secret Beyond the Door, eine seltsame Variation auf Alfred Hitchcocks Meisterwerk Rebecca mit Joan Fontaine und Laurence Olivier, die hier durch Joan Bennett und Michael Redgrave ersetzt wurden, von denen letzterer wiederum für Hitchcock bei Eine Dame verschwindet vor der Kamera stand.

Die Dame heißt in diesem Film nun Celia (Bennett), eine undurchschaubare und vermögende Frau, die sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich den Mann fürs Leben zu finden. Bisher wurde sie jedoch immer enttäuscht, sodass sie sich nun an jeden noch so dünnen Strohhalm klammert. Dieser Strohhalm ist Mark (Redgrave), dem sie im Urlaub begegnet und dem sie nicht mehr von der Seite weichen will. Bald trennen sich die beiden nicht mehr voneinander und verloben sich. Trotz Zweifel seitens Celia, die das Gefühl hat, ihren Verlobten noch nicht genügend zu kennen, heiraten sie und verleben ihre Flitterwochen in Mexico. Dort entstehen auch die ersten Probleme, in dem Mark ganz plötzlich bekanntgibt, nach New York reisen zu müssen, da es Angebote von einer Firma gebe, die seine Zeitschrift aufkaufen will. Kaum ist er abgereist, wird Celia wieder von Zweifeln geplagt: hat er sie angelogen? Sie traut ihm nicht, doch reist wenig später auf seine Anweisungen hin zu seinem Familienanwesen in der Nähe von New York, um dort auf ihn zu warten.

In diesem großen Haus stößt sie jedoch schnell auf Ablehnung. Sie muss erfahren, dass ihr Mann einen Sohn hat, von dem sie nichts wusste und auch, dass er bereits verheiratet war. Dass seine Frau vor einiger Zeit unter mysteriösen Umständen – einige sagen, dieser Umstand sei ein gebrochenes Herz gewesen – starb, macht der jungen Celia stark zu schaffen und sie versucht, mit Mark darüber zu reden. Doch sie muss feststellen, dass es Themen gibt, die für ihren Mann tabu sind und jenes über seine Exfrau ist eines davon. Davon nicht genug, lernt sie auch den Fetisch ihres Mannes kennen, denn er sammelt Räume. Was amüsant klingt, ist es für Celia in Wahrheit weit weniger, denn Mark hat Räume in seinem Haus originalgetreu eingerichtet nach Vorbildern der Geschichte, in denen Morde passierten. Nur ein Raum in dieser Sammlung ist und bleibt verschlossen: Nr 7. Was steckt dahinter, was geht in diesem Haus vor und wird Celia ihre neue Hölle lebend überstehen?

Fritz Lang zu unterstellen, er sei ein Möchtegern-Hitchcock ist sicherlich auch in Bezug auf diesen Film übertrieben, doch Ähnlichkeiten zu Rebecca, der sieben Jahre zuvor entstand, sind nicht zu leugnen. Zunächst einmal wäre da das prachtvolle Anwesen, in das sich die Frau eines undurchschaubaren Mannes einleben muss, der vor kurzem seine erste Frau unter tragischen Umständen verloren hat. Im Haus schlägt der neuen Frau eine Welle des Hasses entgegen. Wer Rebecca kennt, wird sich wahrscheinlich auch an Ms. Danvers erinnern, die Gegenspielerin von Joan Fontaine, welcher das Leben zur Hölle gemacht wird. Auch hier in Fritz Langs Secret Beyond the Door gibt es einen „Ms. Danvers“-Part in Form einer wenig humorvollen Angestellten, die Celia geringschätzt und von oben herab behandelt.

Selbst wenn diese Ähnlichkeiten nicht vorhanden wären, so würde dieser Streifen noch immer nicht zu Langs besten Werken gehören, sondern reiht sich zusammen mit Blue Gardenia in die Sammlung der eher schwachen bis durchwachsenen Filme des Regisseurs. Tatsächlich ist Das Geheimnis hinter der Tür eine seltsame Obskurität, die so sehr bemüht ist, eine Aura des Mysteriösen zu erzeugen, dass es eher unfreiwillig komisch anmutet und in Banalitäten versinkt, die man in ähnlicher Form bereits hunderte mal zuvor auf der Leinwand gesehen hat. Da wäre das schockierende Drücken an einer Klinke von der Außenseite an der Tür, die Celia Angst macht und als sie Mark darauf anspricht, fällt diesem vor Schreck das Martini-Glas aus der Hand. Buh! Was kann es nur bedeuten? Darüber hinaus gehören die Szenen zwischen Joan Bennett und Michael Redgrave ohnehin zu den weniger überzeugenden des ganzen Films, was entweder an einer Chemie liegt, die schlicht nicht vorhanden ist, oder an einem schlechten Drehbuch voll flacher Dialoge – oder an beidem. Teilweise versinkt Langs Werk gar in unsäglichem Kitsch vor seltsam ökonomischer (sprich: nicht vorhandener) Kulisse an einem Wunschbrunnen für frisch Verliebte.

Das Beste ist dagegen das, was der Zuschauer nicht sieht und worüber er sich Gedanken machen kann. Wie verändert sich die Beziehung zwischen dem Ehepaar? Welche Auswirkungen wird die Tatsache haben, dass sie immer weniger miteinander reden und was für ein Typ ist Mark wirklich? Ist er der aggressive Mörder seiner ehemaligen Frau oder ist er der sensible Gentleman, der einen verwundeten Hund verarztet? Will Fritz Lang den Zuschauer damit nur auf eine falsche Fährte führen? Was ist Wahrheit und was ist nur Betrug? Spricht Mark die Wahrheit, wenn er von seiner verstorbenen Frau erzählt oder lügt er sie nur an und was hat es mit diesem Raum Nr. 7 auf sich? Die beste Szene ist auch tatsächlich die in eben jenem mysteriösen Raum, in den Celia einbricht und Fritz Lang den vor der Leinwand Sitzenden Angstschweiß auf die Stirn zu treiben versucht. Der Versuch misslingt nicht vollkommen und schafft es in der Tat, für einige Zeit Spannung aufzubauen, ehe Secret Beyond the Door ein doch recht wirres Ende findet, in dem die Erzählperspektive gewechselt und Träume eingebaut werden. Erwähnenswert ist zudem, dass dies einer jener zahlreichen Filme der 30er,40er und 50er Jahre ist, bei denen im Zuge der deutschen Synchronisation die originale, ursprüngliche Filmmusik (hier von Miklós Rózsa) durch Archivmusik diverser Tonschöpfer (oder durch schlichte Stille) ersetzt wurde.

Das Geheimnis hinter der Tür
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