(„True Grit“ directed by Henry Hathaway, 1969)

Während in den USA das Remake der Coen Brüder bereits angelaufen ist, müssen wir uns in Europa noch ein klein wenig gedulden. Um die Wartezeit zu überbrücken gibt es nun dank Blu Ray-Release eine tolle Möglichkeit die erste Verfilmung des Charles Portis Roman True Grit in bester Qualität nochmals, oder wie es bei mir der Fall war, zum ersten Mal zu sichten.

Die insgesamt etwas mehr als zwei Stunden dauernde Geschichte ist dabei schnell zusammengefasst. Mattie Ross (Kim Darby) dessen Vater durch den Ganoven Tom Chaney (Jeff Corey) getötet wurde, wendet sich nachdem sie die Behörden im Stich gelassen haben, verzweifelt an den raubeinigen und im Ort berüchtigten Marshal Rooster Cogburn (John Wayne). Der einäugige Trunkenbold soll den Mörder für ein Kopfgeld ausfindig machen und ihn zur Rechenschaft ziehen. Dass sich Chaney mittlerweile der gefährlichen Pepper-Bande angeschlossen hat, ist für Cogburn nur ein persönlicher Ansporn, schließlich ist ihm das Oberhaupt der Gruppe, Ned Pepper (Robert Duvall), schon einmal durch die Lappen gegangen. Dem Vorhaben schließt sich alsbald auch noch der Texas Ranger La Boeuf (Glen Campbell) an, der Chaney wegen eines Mordes an einem hohen Politiker jagt.

Es ist die einzige Rolle für die der Duke einen Oscar erhielt und ob man nun diese Auszeichnung als qualitativen Richtwert betrachtet oder nicht, Wayne spielt seinen Part formidabel. Während der Rest dieses Western fast komplett an das klassische Genre, das John Ford und natürlich auch Henry Hathaway selbst, so gut beherrschten erinnert, so merkt man vor allem an Waynes Figur letztendlich doch den Einfluss der damals boomenden Spagetti-Western. Besonders interessant ist die Tatsache, dass John Wayne, sozusagen der Inbegriff des US-Western schlechthin, mit seiner Figur quasi zwischen diesen Paradigmenwechsel balanciert. Während ich zum Beispiel sein Outfit noch dem klassischen Western zuordnen würde ist seine Charakterisierung schon viel moderner. Er ist nicht der typische Cowboy der die bösen Buben verdrischt und das süße Mädel rettet, sondern vielmehr der Antiheld, der vor allem durch sein antiautoritäres Benehmen auffällt und kein Problem damit hat, sein Gegenüber kaltblütig zu erschießen.

Für einen Hollywood-Streifen enthält True Grit relativ unverblümte Kritik, allen voran an nutzlose Politiker und faule Beamte, die Naivität gewinnt aber am Ende auch hier die Überhand und setzt dem Ganzen ein relativ aufgesetzt wirkendes Happyend oben drauf. Neben genannten Schauspielern entdeckt man, wenn man genau hinsieht, unter den Outlaws auch noch Dennis Hopper, der im selben Jahr mit Easy Rider seinen großen Erfolg feiern durfte. Mit Musik wurde hier hingegen leider etwas gegeizt. Es scheint so als ob Elmer Bernstein seine Gedanken wohl primär bei The Magnificent Seven hatte, dessen Theme im Gegensatz zu den paar Stücken die hier geboten werden ein echter Ohrwurm wurde.

Entschädigt wird der Zuschauer dafür aber mit wunderbaren Aufnahmen die in diversen Naturparks in Colorado gemacht wurden und nun hochwertig restauriert im heimischen Kino in Full HD genossen werden dürfen. Das Bild der Blu Ray macht hier einen wirklich guten Eindruck, dagegen wirkt der Ton reichlich blass aber nichts desto trotz klar verständlich. Die restliche Ausstattung der Disc erfüllt mit ein paar zusätzlichen Features die „Markttauglichkeit“. Ästhetisch wirklich gelungen ist der Pappschuber, bei dem man das störende FSK-Logo ganz einfach und ohne Rückstände abziehen kann.

Eine gelungene Veröffentlichung also, die vor allem durch das scharfe Bild beeindruckt und einem Klassiker damit neues Leben einhaucht. Wer John Wayne immer schon in einer derartigen Rolle sehen wollte kommt hier voll auf seine Kosten, eine etwas romantisierte Grundstimmung muss man allerdings in Kauf nehmen und storymäßig sollte man sich auf keinen Fall Wundertaten erwarten.

True Grit – Der Marshal erscheint am 03. Februar auf Blu Ray

True Grit – Der Marshal
3.88 (77.65%) 17 Artikel bewerten

3 Responses

  1. Breakout

    Jetzt würde mich dann doch dieser Streifen interessieren, um ihn im Kontrast zum Remake sehen zu können. „Storymäßig sollte man sich auf keinen Fall Wundertaten erwarten“ trifft jedenfalls beim Film der Coens bereits zu.

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