Nine

Nine

(„Nine“ direcetd by Rob Marshall, 2009)

Rob Marshall konnte bereits 2002 mit Chicago mehr oder weniger erfolgreich ein Musical auf die Kinoleinwand transportieren, bei dem nun vor kurzem auf DVD erschienenen Nine beeindruckte mich im Vorfeld vor allem der namhafte Cast. Während er abermals Nicole Kidman mit an Board holte, ist der hervorstechende Star und wenn man so will auch der wahre Betrachtungsgrund Daniel Day-Lewis. Der Brite konnte zuletzt im grandiosen There Will Be Blood Publikum und Kritiker gleichermaßen überzeugen und heimste dafür sogar den Oscar als bester Schauspieler ein. In diesem Film verkörpert er hingegen mit Leib und Seele einen erfolgreichen, italienischen Autor und Regisseur, der einer Schreibblockade unterliegt.

Es sind die Sechziger, wir befinden uns in der Cinecittà und sofort packt die nostalgische Atmosphäre den Zuschauer und lässt ihn nicht mehr los. Marshall beweist, dass er ein Händchen für gelungene Montagen hat, wenn Guido Contini (Day-Lewis) mit seiner babyblauen Alfa Romeo Giulietta Spider vorfährt und die weltbekannten Pforten von Roms Filmstudios passiert. Wie es sich für einen Star seiner Größenordnung gehört haftet Presse und Kritik stets an seinen Fersen, man ist darauf bedacht irgendwelche Infos über Continis nächsten Film mit dem großspurigen Titel Italia in Erfahrung zu bringen, doch der Maestro blockt geschickt ab und flüchtet sich zu seiner Kostümbildnerin Lilli (Judi Dench), der scheinbar einzige Ort am Set wo Ruhe und keine Hektik herrscht.

Wenige Tage vor Drehstart hat der Ausnahmekünstler noch nicht einmal ein Drehbuch, er scheint sich lieber hinter dem Rücken seiner Frau Luisa (Marion Cottilard) mit anderen Damen (Penélope Cruz, Kate Hudson) zu vergnügen was sich allerdings nicht zwingend als hilfreich erweist um seine Schreibblockade aufzuheben. Zwischenzeitlich flüchtet Guido immer wieder in seine Erinnerungen und konstruiert sich seine eigene Traumwelt, die er wie ein Musical erlebt. Es handelt sich dabei um eine Art Selbstreflexion über sein Leben, das sich fast ausschließlich um Frauen und seiner zweiten großen Liebe, dem Kino, dreht.

Szenen wie die in der Guido als Kind die am Strand hausende Saraghina (Fergie) bezahlt nur um etwas Haut zu sehen oder die, in der er seine geliebte Mama, gespielt von der grandiosen und in Anbetracht der wiedergegeben Epoche wohl kaum besser passenden Sophia Loren, von den Toten auferstehen lässt, lösen die filmische Realität ab und verwandeln das Set in eine Musicalbühne.

Das gesangliche Niveau der Darsteller ist dabei überraschend hoch, vor allem die Cotillard und der übliche Verdächtige Day-Lewis überzeugen hier voll und ganz. Cruz übernimmt einmal mehr den verführerischen Part, die spitze Seidenunterwäsche und der reizvolle Akzent täuschen über ihre eigentliche recht unspektakuläre Figur hinweg. Kidman spielt hiervergleichsweise eine kleine Rolle, die sie allerdings ganz wie gewohnt ohne große Schwächen wiedergibt.

Der wirkliche Grund warum sich eine Sichtung des Films nun lohnt ist aber, wie Eingangs angerissen, Daniel Day-Lewis, denn wie der Mann Guido Contini verkörpert ist schlicht gesagt phänomenal. Wenn er auf der Leinwand zu sehen ist vergisst man sehr schnell wie seicht und fast schon nichtssagend der Plot eigentlich ist. Wenn man also nicht sonderlich auf Musicals steht, sollte man seinetwegen doch lieber einen Blick riskieren.

Die sehr schön eingefangenen Außeraufnahmen wenn zum Beispiel Contini mit seinem Cabrio über die Klippenstraßen zu einem Kurort fährt, die tollen Kostüme und die nostalgische, aber dennoch moderne Aufmachung, sind weitere Pluspunkte. Nine ist somit ein sehr gutes Beispiel wie man mit gelungener Optik und einem großartigen Hauptdarsteller erfolgreich seine eigenen Schwächen kaschieren kann.



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