(„Whatever Works“ directed by Woody Allen, 2009)

Oliver Forst zum Kinostart

Woody Allens 40. Regiearbeit, sieht man von TV Produktionen ab, ist erneut eine Variation der gesamten Allen Palette. Ein ins Alter gekommene, selbst ernanntes Genie und zudem ein Zyniker höchster Güte verliebt sich in ein junges Mädchen, das sein tristes Leben gehörig in Schwung bringt. Als dann noch ihre Eltern auftauchen, werden auch die Lebenssituationen seiner Mitmenschen gehörig umgekrempelt. Whatever Works setzt sich in bewährter Manier mit Leben, Liebe, Tod und Selbstfindung auseinander und beweist erneut, dass Allen ein Meister des Dialogwitzes ist.

Der Pessimist Boris Yelnikoff fristet sein Leben als Schachlehrer und macht keinen Hehl daraus, was er von seinen Schülern hält. Mehr als einmal beschweren sich die Eltern der Kinder, doch auch bei ihnen macht Boris aus seinem Herzen keine Mördergrube. Auch sein Freundeskreis bekommt die volle Ladung seines Nihilismus aufgetischt, doch wird da schnell mit dem Kopf geschüttelt und das Weite gesucht. Wenig später sitzt man ja doch wieder in trauter Einigkeit beisammen. Die Lebensroutine wird jedoch empfindlich gestört, als Boris eines Tages ein junges Mädchen mit dem schönen Namen Melody (Evan Rachel Wood) vor seiner Tür vorfindet, die ihn um Unterschlupf bittet. Aus den von Boris angebotenen zwei Minuten zum Aufwärmen werden Monate und nach einem Jahr sieht sich der Griesgram vor dem Traualtar.

Die naive Melody bringt es zwar fertig, Boris ein wenig aufleben zu lassen, doch seiner Verachtung dem Leben und seinen Mitmenschen gegenüber tut das keinen Abbruch. Doch dann klopft sprichwörtlich das Schicksal an der Tür und in kurzer Abfolge treten Vater und Mutter des Mädchens in das Leben der Vermählten. Der Anblick des ältlichen, humpelnden und pöbelnden Gatten zwingt beide auf die Knie und Stoßgebete gen Himmel sollen der skurrilen Situation Abhilfe schaffen. Als von dort keine Hilfe kommt, macht man das Beste aus den Gegebenheiten. Durch Boris’ Umfeld motiviert, entdeckt die vormals prüde Mutter ihre künstlerischen Fähigkeiten, kreiert erotische Collagen und findet ihre Liebe in einer ménage à trois. Doch Boris ist ihr weiterhin ein Dorn im Auge und die treusorgende Mutter versucht ihre Tochter mit dem jungen Schauspieler Perry zu verkuppeln. Als dies zu gelingen scheint, nimmt das Leben für alle Beteiligten eine schicksalhafte Wendung.

Das Drehbuch von Whatever Works hat immerhin schon über 30 Jahre auf dem Buckel und wurde durch den Tod des damals vorgesehenen Hauptdarstellers erst einmal verworfen. Mit Larry David (Seinfeld) fand Woody Allen nun Ersatz und der erste Dreh in New York nach mehreren Auslandsarbeiten konnte beginnen. Leider entpuppt sich, was bei diesem Regisseur eine Seltenheit ist, die Wahl als eher unglücklich. David versucht der Allen-typischen Figur Leben einzuhauchen, was jedoch nur selten gelingt, irgendwie bleibt sie steif und wenig authentisch. Ein weiteres Manko dürfte auch sein, dass einige Szenen tatsächlich wie Altherrenphantasien wirken, auch wenn die Auflösung des Ganzen dann doch auf etwas Anderes hinausläuft. Das Verhalten der Akteure bleibt dadurch jedoch oftmals rätselhaft und nicht nachvollziehbar.

Wie bereits im Stadtneurotiker, der übrigens im selben Jahr wie das Drehbuch zu Whatever Works entstand, wird der Rezipient direkt vom Protagonisten mit ins Geschehen einbezogen und die Filmwirklichkeit ad absurdum geführt. Interessanterweise macht es Allen dem Zuschauer nicht ganz leicht, da er ihm kaum Identifikationsmöglichkeiten mit seiner Hauptfigur liefert, was bei der Uraufführung zu heftigen Kritiken führte. Zwischen der Großtat Match Point und kleinen Meisterwerken wie Vicky Cristina Barcelona oder Cassandras Traum drehte Allen immer wieder schlichtere Filme wie beispielsweise Scoop. Und dieses Mal ist es eben Whatever Works. Warum auch nicht? Vielleicht ist Whatever Works kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber intelligente und kurzweilige Unterhaltung bietet er allemal. Ein mittelmäßiger Woody Allen Film ist oft immer noch um Längen besser, als das, was uns ansonsten so geboten wird, oder?

Lorenz Mutschlechner zur Blu-ray

Whatever Works Blu RayNoch bevor You Will Meet a Tall Dark Stranger in die deutschen Kinos kommt, wollte ich Woody Allens letzte Regiearbeit endlich nachholen. Nachdem die Besprechungen zum Kinostart etwas ernüchterndes hatten, war meine Erwartungen eher tief angesetzt doch bereits nach 10 Minuten hatte der Film diese Haltung revidiert. Auch die Figur die Larry David spielt womöglich besser besetzt werden hätte können, gefällt der waschechte New Yorker.

Die wohl größte Schwäche von Whatever Works ist aber die Tatsache, dass es sich bei viele Szenen um pure Altherrenphantasien handelt, die auf humoristischer Ebene zwar durchaus zu unterhalten wissen einem „echten“ Woody Allen aber kaum das Wasser reichen können. Wenn ich diese seine Tendenz in den vorhergehenden Werken Matchpoint und Vicky Christina Barcelona noch verteidigte, gibt es hier eigentlich keinen Grund mehr dazu.
Am Ende muss ich aber Kollegen Oliver Forst beipflichten: ein mittelmäßiger Woody Allen ist immer noch besser als so manch anderer Unfug der heutzutage produziert wird.

Die Blu-ray bietet übrigens bis auf einer Trailerauswahl lediglich ein längeres Interview mit Allen, das allerdings nur bedingt interessant ist. Der Altmeister geht inhaltlich kaum auf sein Werk ein (vermutlich da es auch wenig Sinn machen würde) sondern palavert da lieber über den Titel, wie er neuerdings die Locations für seine Filme auswählt und wie man sein Leben in vollen Zügen genießen sollte. Über das BD-Live Feature gelangt man dann aber doch noch zu ein paar weiteren Extras, was nervt ist dass dieser nicht gerade überwältigende Inhalt heruntergeladen werden muss, die paar Bilder und Texte hätten theoretisch doch locker auf dem Medium Platz haben sollen.

In punkto Qualität lässt das Release dafür aber kaum etwas zu wünschen übrig. Das gestochen scharfe Bild kombiniert mit kristallklaren DTS HD-Ton kann sich durchaus sehen und hören lassen. Das Menü erweist sich als funktional was die Einlesezeiten auf ein Minimum beschränkt. Schön auch dass ein Wendecover gedacht wurde!

Whatever Works
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Whatever Works
Vielleicht ist Whatever Works kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber intelligente und kurzweilige Unterhaltung bietet er allemal. Ein mittelmäßiger Woody Allen Film ist oft immer noch um Längen besser, als das, was uns ansonsten so geboten wird
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