(„Badlands“ directed by Terrence Malick, 1973)

BadlandsBekanntlich macht ja Terrence Malick nur alle heiligen Zeiten einen Film, dafür bietet er aber keines Falls Standardware. Nachdem ich bisher nur sein (m.E. sehr unterschätztes) Kriegsepos „The Thin Red Line“ bestaunen durfte, entführte mich sein Spielfilmdebut in die Badlands von South Dakota der 50er-Jahre.
Der Müllmann Kit (Martin Sheen) trifft auf der Straße eines wohlhabenden Wohnviertels auf die hübsche Holly (Sissy Spacek) und verliebt sich augenblicklich. Die Rothaarige ist allerdings gerade mal 15 und damit ganze zehn Jahre jünger als Kit, der ein perfektes Double der Hollywood-Legende James Dean sein könnte.
Dies bringt die beiden allerdings nicht davon ab sich öfters zu treffen, obwohl Hollys Vater (Warren Oates) dies ausdrücklich untersagt hatte. Als er eines Tages hinter der Affäre seiner Tochter kommt, verstößt er Kit, dem mittlerweile sein Job als Müllmann gekündigt wurde. Voller Zorn und bewaffnet mit einem Revolver bricht der junge Rebell in Hollys Haus ein und will sie vor ihrem tyrannischen Vater „retten“ indem er mit ihr aus Sout Dakota flüchten will. Unglücklicherweise kommt genau in diesem Moment Hollys Vater von der Arbeit zurück. Ohne viel Gefühl zu zeigen erschießt ihn Kit, nachdem er ihn damit bedroht hatte bei der Polizei wegen Hausfriedensbruch anzuzeigen.
Von nun wechselt der Film in eine Art Roadmovie. Das blutjunge Liebespaar flüchtet in den Norden, wo sie erstmal in den Wäldern hausen und sich vor der Polizei verstecken. Nach kurzer Zeit schaffen sie es sogar eine beachtliche Behausung zu errichten, doch das gemeinsame Glück in der Naturidylle wird alsbald von Kopfgeldjägern gestört.
Kit zögert keine Sekunde und erledigt das geldgierige Trio, schnappt sich Holly und flüchtet weiter nach Norden, wo sie sich erstmal bei einem ehemaligen Arbeitskollegen von Kit verstecken wollen der in der Einöde wohnt. Als dieser jedoch auch den Anschein erweckt scharf auf das Kopfgeld zu sein, knallt ihn Kit eiskalt ab. Dummerweise kommt kurz darauf ein weiteres, junges Paar vorbei. Sie wollten eigentlich nur Kits toten Freund besuchen, werden aber von letzeren mit einer geladenen Pistole empfangen und in ein Kellerloch gesperrt. Sofort nachdem die Tür des Kellers geschlossen ist, feuert Kit noch zweimal durch einen Spalt und läuft davon. Holly, die bisher wie in Trance wirkte, stellt sich plötzlich die Frage wie ihr Freund nur so kaltblütig sein kann.
Es bleibt allerdings wenig Zeit zum nachdenken, denn die Reise geht weiter, diesmal mit Zielort Montana. Mittlerweile sind sämtliche Polizeidistrikte informiert und es patrouillieren sogar Bürgerwehren, da das „Mörderpaar“ die Region in Angst und Schrecken versetzt. Der Zuschauer verfolgt also weiterhin die Flucht durch die karge und staubige Prärie.
Das Geschehen wirkt irgendwie surreal und unnatürlich, man hat das Gefühl, ähnlich wie Holly, in einem Art Rausch versetzt worden zu sein und die tollen Farbenspiele des unendlich wirkenden Horizonts lassen einem das Herz dabei höher schlagen. Die Romanze zwischen Holly und Kit stößt einerseits auf Verständnis, andererseits schockiert die Gleichgültigkeit Kits, dem das auslöschen eines Menschenlebens so natürlich fällt, als würde er Wasser trinken. Die Odyssee der beiden Jugendlichen nimmt schließlich doch noch ein Ende: Holly ergibt sich den Ordnungskräften und Kit sieht irgendwann wohl oder minder ein, dass es keinen Sinn mehr mach abzuhauen.
Als er sich in Haft befindet, scheint es aber eher so als ob ein Moviestar anstatt eines Massenmörders anwesend wäre. Er verteilt seinen letzten Besitz an die neugierigen Bullen die interessiert seinen Storys lauschen. Sogar die Armee wurde inzwischen mobilisiert, doch auch diese stellen dem lässigen Jungen lieber Fragen und wundern sich darüber wie ähnlich er doch James Dean sieht.
Eigentlich ein sehr einfacher und mit 90 Minuten Laufzeit knapper Film, aber Malick schafft es etwas Einzigartiges zu schaffen. Der Mix aus „Bonny And Clyde“ und „Natural Born Killers“ gefällt und der Zuschauer empfindet vermutlich ähnlich wie die Exekutivgewalten eher Sympathie als Groll für Kit. Ein damals recht unbekannter aber extrem charismatischer Martin Sheen überzeugt auf voller Länge. Die ebenfalls noch unentdeckte Sissy Spacek wirkt vielleicht nicht so stark, aber auch sie beeindruckt durch eine solide Performance. Malick selbst hat übrigens auch einen kleinen Gastauftritt.
Der Soundtrack von George Aliceson Tipton ist passend, meistens aber hatte ich zu viel damit zu tun nach den tollen Prärieaufnahmen zu lechzen oder die tollen Makrobildern zu begutachten, weshalb mir nicht wirklich viel hängen blieb.
Gesichtet wurde nach längerer Zeit mal wieder ein Schmuckstück aus der SZ-Cinemathek, die mich bisher nur mit sorgfältig ausgewählten Mustsee-Streifen versorgt hat.
Die auf einer wahren Tatsache basierende Story von Malick ist also auf jeden Fall empfehlenswert und niemand sollte sich dieses Stück Filmgeschichte entgehen lassen.

Badlands
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